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von Anna-Selina Sander
Originaltitel: Red Dwarf: Insanity Welcomes Careful Drivers Autor: Grant Naylor, Übersetzer: Wolfgang Thon Erschienen bei: Blanvalet ISBN: 978-3-442-26665-4 Preis: ca. 7,95 € Roter Zwerg bei Amazon.de Zugegeben, eine Übersetzung des Romans ins Deutsche ist eine schwierige Angelegenheit, da Red Dwarf von seinem kreativen Sprachwitz lebt. Da einen guten Mittelweg zu finden, der neuen Lesern den Geist des Originals angemessen entgegenbringt und Fans nicht in Tränen ausbrechen lässt, grenzt an eine Gratwanderung. Diese Aufgabe fiel an Wolfgang Thon, der in letzter Zeit hauptsächlich durch die Übersetzung von Literatur bekannt geworden ist, vor der ich inzwischen kreischend Reißaus nehme, den Vampirschlampen nämlich. Auf der anderen Seite ist es doch schön, wenn man als Übersetzer irgendwann mal eine Aufgabe kriegt, die einen wirklich fordert. Wie zum Beispiel Red Dwarf. Da die Serie bisher keine Chance hatte (und vermutlich auch niemals haben wird), im deutschen Fernsehen ausgestrahlt zu werden, könnte es für das Buch schwierig werden, sich auf dem Markt zu behaupten. Die geringfügige Ähnlichkeit zu Science Fiction-Comedy-Geschichten wie Douglas Adams Per Anhalter durch die Galaxis sollte allerdings genug Interessenten locken. Erzählt wird die Geschichte von Dave Lister, der nach einem Filmriss auf dem Saturnmond Mimas, so ziemlich dem verloddertsten Fleck im Universum, das man in etwa mit Mos Eisley aus Star Wars vergleichen könnte, gestrandet ist. Um wieder zur Erde zurückzukommen, heuert er auf dem Minenschiff Red Dwarf, im Deutschen wortgetreu als Roter Zwerg bezeichnet, an. Da er als Referenz lediglich eine Kunstschule vorweisen kann (die er nach 96 Minuten wieder verlassen hatte, als sich herausstellte, dass die Vorlesungen zu nachtschlafender Zeit, also gegen 14 Uhr, begannen), sind seine Aussichten nicht die besten. Aber Lister ist seine Karriere relativ wurscht, und so beginnt er, sich seine Fahrt zu Erde als Dritter Techniker der Z-Schicht zu verdienen. Das sind die armen Schweine, die dafür sorgen müssen, dass die Hühnersuppe in den Essensautomaten nicht ausgeht.
Unterschütterlich in seinem Ehrgeiz und völlig vereinnahmt von seinem Ziel, eines Tages Offizier zu werden, ist Listers Vorgesetzter und Stubenkamerad Arnold J. Rimmer. Der Mann ist neurotisch, hinterlistig, feige, komplett lebensunfähig und unausstehlich – man muss ihn einfach lieben. Lister, der seine Zeit am liebsten mit extrascharfem Curry (Rimmer zufolge schwitzt er Madrassauce aus), Rastabilly Skank und literweise Bier verbringt, und der überkorrekte Rimmer können sich selbstredend vom ersten Moment an nicht ausstehen. Das mag daran liegen, dass Lister den nur mit einem falschen Bart verkleideten Rimmer noch auf Mimas als Taxifahrer in ein Droidenbordell gefahren hat, aber das führt jetzt zu weit.
Die Geschichte geht richtig los, als die gesamte Bordbesatzung von Red Dwarf bei einem schweren technischen Unfall ums Leben kommt. Lister hingegen überlebt diesen Unfall, weil er eine Strafe in der Stasiskammer verbüßt, in der die Zeit nicht weiterläuft. Er hatte nach einem Landgang eine Katze an Bord geschmuggelt, wohl wissend, was ihm als Strafe blüht. Aber was tut man nicht alles, um einer monatelangen Reise zusammen mit Rimmer zu entgehen. Da das Schiff jedoch erst dekontaminiert werden muss, wird Lister erst mit gehöriger Verspätung aus der Kammer entlassen – drei Millionen Jahre später. Er ist vermutlich der letzte lebende Mensch. Gut, dass es auf Red Dwarf wenigstens die Möglichkeit gibt, ein Hologramm eines Verstorbenen zu unterhalten, so ist Lister nicht völlig allein. Aber warum muss das gerade Rimmer sein? Kaum wollen die beiden wieder zu ihren gewöhnlichen Streitereien ansetzen, begegnen sie Cat bzw. dem Kater, einer humanoiden Lebensform, die sich aus Listers Katze entwickelt hat und zweifellos das bestangezogenste Wesen zwischen Zeit und Raum ist! Das Quartett komplettiert schließlich der Reinigungsmechanoide Kryten, der, mit einem extrarechenstarken Schuld-Chip ausgestattet dafür sorgt, dass die Wäsche immer gewaschen und die Bäuche von Lister und Cat stets gut gefüllt sind. Und da die vier gerade nichts anderes zu tun haben, machen sie sich auf den Weg zurück zur Erde. Das Schiff wird von dem etwas senilen, aber hochintelligenten Computer Holly gesteuert, der durch die lange Einsamkeit zwar etwas seltsam geworden ist, aber ohne den der planlose Haufen doch ziemlich aufgeschmissen wäre. Red Dwarf wurde erstmalig 1988 im britischen Fernsehen ausgestrahlt und hielt sich acht herrlich abgedrehte Staffeln lang. Im April diesen Jahres wurde die Serie mit dem Special Back To Earth wieder aufgenommen.
Dass der Roman und seine Fortsetzung Better Than Life während der Dreharbeiten der TV-Serie entstanden, lässt zunächst nichts gutes hoffen. Allerdings sind die Sorgen unbegründet. Zwar finden sich tatsächlich viele Dialoge aus dem Drehbuch auch im Roman wieder, jedoch teilweise in anderen Zusammenhängen, was das Buch für Fans des Bildschirms doppelt so interessant macht, und umgekehrt. Für vieles war in der Serie kein Platz, was dann im Buch zu Ehren kommen konnte, so zum Beispiel Listers Vorgeschichte. Da Buch und Drehbuch in den Händen der gleichen Personen, Doug Naylor und Rob Grant, lagen, ist auch der großartige trockene Humor in beiden Versionen der gleiche. Ein besonderes Kennzeichen sind die eingangs erwähnten netten Wortschöpfungen, so sind universale Phantasieausdrücke wie „Smeg“, wahlweise erweitert um „Head“, was zusammen eine beliebte Bezeichnung Listers für Rimmer ergibt, fast schon in den britischen Sprachgebrauch übergegangen. Goalposthead. Gimboid. You name it. Um jetzt noch einmal auf die deutsche Version zurückzukommen: Eigentlich ist es unmöglich, diesen eigenen Charme von Red Dwarf zum Roten Zwerg werden zu lassen. Man stolpert eigentlich schon über den Titel, und das setzt sich an mehreren Stellen fort. „Smegging“ zu „verdammt“ werden zu lassen, ist okay, viele andere wesentlich derbere Ausdrücke sind auch etwas verharmlost worden. Woran ich mich ein bisschen störe, ist die Anrede der Figuren untereinander. Dass Rimmer und Lister sich am Anfang der Geschichte siezen, ist gerechtfertigt. Aber das tun sie am Ende des Buches immernoch, als sie der letzte Mensch und das Hologramm des vorletzten sind - würde man das wirklich so machen? Sie reden sich nach wie vor mit Nachnamen an, aber kombiniert mit „du“, ist das im Deutschen doch was völlig normales. Um einiges brutaler jedoch ist das, was Cat / Kater von sich gibt. Ja, die Katzen haben sich anders entwickelt als die Menschen. Allerdings liest es sich sehr, sehr holprig, wenn jemand ständig mit „Er“ angesprochen wird. Erstrecht, wenn man sich dazu den fröhlichen, breiten amerikanischen Akzent von Danny John-Jules, der Cat in der Serie spielt, vorstellt, und darüber hinaus bedenkt, dass Katzen sich grundsätzlich den Menschen überlegen sehen! Eine Katze würde niemals einen Menschen in der dritten Person ansprechen. Es. Passt. Nicht. Zusammen. Alles andere nehm ich hin, aber dabei krieg ich wirklich Kopfschmerzen. Das ist nicht Cat, wie ich ihn kenne. Aber lasst euch davon nicht beirren. Roter Zwerg ist eine hinreißende Space Sitcom mit vielen skurrilen Ideen, urkomischen Dialogen und Charakteren, wie man sie sich nur wünschen kann. Das Gespann Doug Naylor kann ohne Bedenken in einem Atemzug mit Douglas Adams genannt werden, und wenn das N nicht im Alphabet so weit vom A weg wäre, würde ich sie im Regal auch nebeneinanderstellen, damit man Red Dwarf nicht übersieht, wenn man den Anhalter kaufen will. Text Copyright Anna-Selina Sander 2009 Cover Copyright Blanvalet |