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Gorilla des Monats

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Star Fox: Command

CoverSystem: Nintendo DS

Japan/USA (2006), Producer: Takaya Imamura, Director: Dylan Cuthbert, Gegnerdesigns: Yutaka Kurahashi, Game Engine: Yashurio Miki

Entwickler: Nintendo
Erscheint bei: Nintendo (20. Oktober 2006)
Preis: ca. 40 Euro


Kaum eine Kreatur auf Gottes schöner Erde fliegt so elegant am Horizont entlang wie der gemeine Hof-, Wald- und Wiesenfuchs. Und auch wenn sich diese These in der kalten Realität nicht halten lässt, ist sie doch zumindest im Lylat-Sternensystem aus Nintendos Star-Fox-Serie unumstößlicher Fakt. Dort nämlich hält Meister Reinecke in Gestalt des legendären Fliegerasses Fox McCloud mit seinem anthropomorphen Star-Fox-Geschwader den Himmel seit 16-Bit-Zeiten abschaumfrei.

Nach zwei mehr oder weniger umstrittenen Gamecube-Episoden, in denen die animalischen Piloten etwas zu oft per pedes unterwegs waren, haben die tollkühnen Jungs in ihrem neuesten Abenteuer endlich den Weg zurück in ihre fliegenden Kisten gefunden. Und zwar auf Vollzeitbasis. Traditionell ist Star Fox: Command für den Nintendo DS aber trotzdem mitnichten. Und das ist auch gut so!

Also fühlen wir dem aktuellen US-Import mal so richtig auf den Zahn. Schon während des Intros wird klar, was sich im weiteren Spielverlauf noch tausendfach bewahrheiten soll: Star Fox: Command ist melodramatische Comedy vom Allerfeinsten. Seit seinem letzten Einsatz ist der alte Fuchs nämlich, im wahrsten Sinne des Wortes, tief gestürzt. Von den Schrecken des Krieges gezeichnet hat der einst so mutige McCloud nämlich sein gesamtes Team verstoßen und Freundin Krystal den Laufpass gegeben. Und was passiert, wenn man ganz unten ist? Genau! Eine neue, ominöse Alienarmada greift an. Von Schuldgefühlen geplagt, entschließt sich Fox, der übermächtigen Armee allein gegenüberzutreten und das Schicksal ein letztes Mal herauszufordern. Wird der gefallene Held gegen den omnipotenten Angreifer triumphieren? Wird die alte Truppe ihre Differenzen überwinden und wiedervereint ins Manöver ziehen? Und vor allem: Kann Nintendo diese bizarre Ansammlung von Klischees jemals übertreffen? Wohl kaum. Und eines steht fest: Ein dramatisches Fliegerepos mit peppigen Hasen, transsexuellen Fröschen und naseweisen Falken zu inszenieren, verdient unsere Bewunderung. Trash? Vielleicht. Aber wenn es dermaßen unterhaltsamer Irsinn ist, immer her damit!

TruppeUnter Wasser
Je nach Umgebung ändern sich die Anforderungen in Star Fox: Command. Während im Strategiemodus taktisches Geschick gefragt ist, braucht man im Cockpit eine ruhige Hand. Spezielle Umgebungen wie die Unterwasserlevels sind dabei besonders knifflig.

So zieht Fox also von einem Stern zum anderen und trommelt in bester Blues-Brothers-Manier die alte Band zusammen. Allerdings ohne Autoverfolgungsjagden und Gospeleinlagen von James Brown. Stattdessen gibt es ein komplett neues Spielsystem. Vergesst gradlinige Shooterlevels, denn Star Fox: Command schlägt eher die strategischen Pfade eines Advance Wars ein. Jeder Level beginnt auf einer taktischen 2D-Karte voller Angreifer, zu befreiender Basen und Hindernissen wie z.B. den allgegenwärtigen Nebelfeldern. Auf dem Touchscreen können findige Kommandeure nun den Flugweg der einzelnen Piloten frei einzeichnen, ohne sich nach Gittern, Mustern oder ähnlichem Humbug zu richten. Eine saubere Planung ist dabei natürlich unerlässlich, denn wer besondere Leistungen, wie die Befreiung einer Basis, vollbringt kriegt ein paar Zusatzzüge auf dem Pilotenkonto gutgeschrieben. Sobald unsere Flieger auf einen Gegner treffen, befinden wir uns in klassischen Gefilden. Dann nämlich beginnt eine Actionsequenz im typischen Star-Fox-Stil.

Die Steuerung ist aber Anfangs ungewohnt, denn der DS-Pilot fliegt seinen Jet natürlich per Stylus. Während auf dem oberen Bildschirm das actionreiche Geballer dokumentiert wird, ist der Touchscreen absolut unverzichtbar, wenn man das Schiff erfolgreich schaukeln will. Neben der Radarfunktion wird dieser nämlich auch für eine Zweckentfremdung des Plastikstifts zum Steuerknüppel genutzt. Wo man für normale Flugmanöver nur behutsam über den Bildschirm streicht, fordern spezielle Aktionen etwas mehr Fingerspitzengefühl. Den Nachbrenner zündet man indes durch mehrmaliges Antippen der Mattscheibe, Rollen werden mittels Zeichnung eines Striches getätigt, und Bomben werden per Drag & Drop-Methode direkt über die entsprechenden Angreifer gezogen. Für besonders verzweifelte Momente gibt es außerdem noch Icons, um Loopings oder Immelmann-Manöver zu schlagen. Und nach einer kurzen Eingewöhnungszeit funktioniert die ungewöhnliche Steuermethode erstaunlich gut und präzise. Was auf den ersten Blick wie eine weitere forcierte Nutzung des Touchscreens wirkt, wird innerhalb kürzester Zeit zur intuitiven Kontrollmethode. Lediglich die langwierigen Endkämpfe fühlen sich manchmal etwas verkrampft an. Und das ist keine Metapher. Autsch!

SandwurmSonne
Links: Star Fox: Command, frei nach Frank Herbert. Rechts: Romantische Dogfights im Sonnenuntergang.

Ansonsten laufen die Manöver kurz und dreckig ab, wie es sich gehört. Sobald man einer vorgegebenen Anzahl von Gegnern den Garaus bereitet hat, kehren Fox und Co. bis zur nächsten Actioneinlage aufs intergalaktische Schachbrett zurück, um weitere Züge zu planen.  Und sowohl die Kämpfe als auch die Strategieeinlagen bringen Laune, ohne ihr Willkommen überzustrapazieren. Und gerade darin liegt vielleicht auch der größte Nachteil von Star Fox: Command, denn wenn das Spiel endlich eine ernstzunehmende taktische Note entwickelt, ist auch schon eine der zahlreichen Endsequenzen erreicht.

FlashheartSicher, nach dem Durchspielen werden neue Flugrouten (und damit einhergehend weitere durchgeknallte Plot-Twists, hurra!) freigeschaltet, aber mit 2-3 Stunden Nettospielzeit pro Pfad wird es ernsthaften Strategen mitunter nach mehr dürsten, zumal die Herausforderung sich nie wirklich ändert. Aber was soll’s? In den verschiedenen Routen lag schließlich seit jeher ein Großteil der Faszination von Star Fox. Und wenn dieses Spiel nur Strategie light ist, dann sei es eben so. Immerhin wird das ganze ja auch durch gelungene Dogfights (bzw. Foxfights) im Wifi-Multiplayer abgerundet. Eine so gelungene Verquickung von Action und Strategie hat es schon seit langem nicht mehr gegeben. Um es in den Worten des mächtigen Lord Flashheart zu sagen: Woof!

Text Copyright 2006 Peter Clausen
Spiel, Coverartwork, Screenshots Copyright Nintendo

 
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