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Gorilla des Monats

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Steven Poole: Trigger Happy
thvon Sebastian Sonntag

Autor: Steven Poole
Erschienen bei: Arcade Publishing New York
ISBN: 1-55970-598-1
Preis: ca. 12 € Trigger Happy bei Amazon.de

Auch als kostenloser Download erhältlich

„In the Beginning, the planet was dead”. Mit diesen Worten beginnt Steven Poole ein Buch, das die Ergründung des stetig wachsenden Erfolgs des Mediums Videospiele zum Ziel hat. Aus der trist klingenden Info wächst im Folgenden neben der Entstehung unserer heutigen Welt vor allem die der Spiele. Angefangen beim (offiziell) ersten Videospiel Spacewar bis hin zum Dreamcast-Abenteuer Shenmue wird dabei grob die Geschichte der Videospiele abgedeckt. Grob deshalb, weil eine historische Betrachtung unseres Hobbies keinesfalls im Fokus des Buches steht. Vielmehr wird hier das Augenmerk auf die Aspekte der wechselnden gesellschaftlichen Akzeptanz gelegt und ergründet, was denn eigentlich genau die Faszination an der ganzen Sache ausmacht.

Warum finden wir Gefallen an starken Protagonisten und empfinden Abneigung gegenüber anderen Spielfiguren? Was macht den Charakter einer Spielfigur aus und wie wurden die bekanntesten Exemplare entwickelt? Welche Zusammenhänge führen dazu, dass uns Spiele absolut fesseln und wir kurzzeitig alles um uns herum vergessen? All dies sind Fragen, denen der Autor hiermit auf den Grund geht. Sehr auffällig ist dabei die bemerkenswerte Fachkenntnis des Journalisten und TV-Serien-Komponisten, der einen großen Teil seiner Freizeit zockend verbringt. Wenngleich der Großteil der Aussagen meist auf seine Lieblingsbeispiele Tomb Raider und Time Crisis gemünzt ist, merkt man ihm doch deutlich an, dass man es hier mit einem passionierten Spieler zu tun hat – fast zu jedem genannten Titel hat er die ein oder andere Anekdote parat. Auch hat er keine Mühen gescheut, sich mit alteingesessenen Vertretern der Industrie, allen voran Atari-Gründer Nolan Bushnell, über das Thema zu unterhalten, was oftmals sehr interessante Meinungen zum Vorschein bringt. Aus diesem Informationsgemisch entsteht eine Abhandlung über Spiele, wie man sie sich nicht besser wünschen könnte. Für Neulinge auf dem Gebiet stellt das Buch eine gelungene Kombination aus Gaming History und -Wissenschaft dar, während auch Experten immer wieder durch Randbemerkungen zum Schmunzeln gebracht werden und dennoch viele neue, überaus interessante Kenntnisse daraus gewinnen.

Die Tatsache, dass Trigger Happy noch aus dem Jahr 2000 stammt, sollte übrigens keinesfalls negativ aufgefasst werden. Wie schon erwähnt entstammen die im Text genannten Spiele entsprechend den Zeiten von PS2, Dreamcast und Co., allerdings tut dies dem Informationsgehalt keinen Abbruch. Als Leser ist man zwar klar im Vorteil, wenn man die Titel der damaligen Zeit gespielt hat, andererseits sind aber die meisten Titel in Form von Sequels auch heute noch präsent, sodass sich die jeweiligen Erläuterungen mühelos auf die heutigen Nachfolger übertragen lassen. Mehr als interessant sind vor allem die häufigen Zukunftsaussichten, die Poole im Laufe des Buches aufstellt – aus dem heutigen Standpunkt lassen sich viele seiner Aussagen bestätigen. Es macht regelrecht Spaß zu sehen, wie Dinge, über die damals nur spekuliert werden konnte, heutzutage bei weitem übertroffen wurden, was für die rasend schnelle Entwicklung auf diesem Sektor spricht. Die vorliegende Version enthält zusätzlich zu den Kapiteln ein Nachwort von 2004, in dem er auch diesen Aspekt auf sein Ursprungswerk rückblickend noch einmal betrachtet.

Wer sich auch nur ansatzweise für Videospiele interessiert und dem Lesen nicht abgeneigt ist, sei hiermit dazu angehalten, den Controller für kurze Zeit aus der Hand zu legen und sich diesen Klassiker der Spieleliteratur zu Gemüte zu führen. Wer lieber auf Monitore als auf Papier starrt, kann sich ebenfalls nicht darum drücken, einen Blick reinzuwerfen – auf seiner Website bietet Steven Poole seit geraumer Zeit das komplette Buch als pdf zum absolut kostenfreien Download an. Also ran an den Stoff, ihr werdet es nicht bereuen!

Text Copyright Sebastian Sonntag 2009

Cover Copyright Arcade Publishing New York
 
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