von Frederik Wilhelmi
Autor: Cormac McCarthy Erschienen bei: Vintage ISBN: 0307472124 Preis: ab 5,50 € The Road bei Amazon.de Wenn man endlich noch einmal so richtig deprimiert werden möchte, dann sollte man die Gelegenheit ergreifen und Cormac McCarthys The Road lesen. Die Gelegenheit ist günstig, weil dieses handliche Buch gerade verfilmt wird; immerhin mit Viggo Mortensen! Das bedeutet, dass man sich jetzt noch schnell auf luftige moralische Höhen begeben kann, von denen man herunter schreien kann, wie viel besser doch das Buch sei. Ein sympathischere Grund es jetzt zu lesen, wäre die kostengünstige Buch zum Film Ausgabe, die jetzt in englischer Sprache zu haben ist. Das ist zwar nur ein Taschenbuch und hat einen hässlichen Einband, der mehr nach DVD aussieht, als nach einem Buch, aber wir sind ja schließlich keine Snobs. The Road ist deprimierend, dunkel und nahezu hoffnungslos. Aber innerhalb dieser dunklen Welt, die sich weiter gedreht hat (kleine post-apokalyptische Anspielung), gibt es kleine Fetzen der Menschlichkeit und Liebe, die dadurch um so optimistischer wirken. Ein Mann und sein Sohn sind unterwegs auf einer Straße. Sie leben in einer Zukunft, die nach einem schrecklichen Unglück (auf das genauso wenig eingegangen wird wie auf die Namen der Protagonisten) nur noch ein unfruchtbarer, sonnenloser Aschehaufen ist, in denen die Überlebenden im besten Falle um die verbliebenen Dosenvorräte in den Supermärkten kämpfen. Im schlechtesten Falle essen sie die verbliebenen Überlebenden. Vater und Sohn ziehen in Richtung Meer, weil sie in ihrer alten Heimat den Winter nicht überstehen würden. Ihre spärlichen Vorräte transportieren sie in einem Einkaufswagen, den sie mühselig über die alte Straße schieben. Sie besitzen einen Revolver mit zwei Kugeln, mit dem sie sich gegen die herumziehenden Kannibalen verteidigen können. Mehrere Tarps mit denen sie sich bei Regen zudecken können. Lebensmittel. Und das Feuer. Um den Jungen so etwas wie ein moralisches Fundament zu geben, hat ihm der Vater Geschichten erzählt, die sie selbst als diejenigen darstellen "Die das Feuer tragen" und als solche Abenteuer erleben und Gutes tun. Dies unterscheidet sie von den Kannibalen und es treibt sie an, aber es ist auch gleichzeitig ein Problem, weil der Vater gezwungen ist, dringend benötigte Lebensmittel an Notleidende abzugeben, damit sie weiterhin dem Bild entsprechen können, dass er für das Kind entworfen hat. Cormac McCarthy ist spätestens nach dem Erfolg des Filmes der Coen Brüder No Country for old Men bekannt für seine düstere Sichtweise auf die amerikanische Gesellschaft. Mit The Road ist es ihm aufs Beste gelungen das Genre der Reiseerzählung mit dem post-apokalyptischen Science Ficton zu verbinden und dabei dennoch anspruchsvolle Literatur zu schreiben. Das ist nichts kosmetisches: Die Sätze sind einfach und schmucklos. Große Reden werden nicht geschwungen und der Autor versteckt, was er meint nicht hinter Metaphern und Symbolen. Trotzdem lösen zum Beispiel die Traumszenen bei dem Leser ein Gefühl aus, als würde er gemeinsam mit den Überlebenden halluzinieren und fiebern. Auch die Motivationen der Figuren machen das Werk interessant. Schnell wird klar, dass Vater und Sohn nicht nur versuchen zu überleben, sondern auch nach einem Grund zu leben suchen. Ihnen beiden ist bewusst, dass sie ihrem sicheren Ende nur davonlaufen und sie ihre Leiden so verlängern. Aber der Vater kann nicht sterben, weil er seinen Sohn beschützen muss und der Sohn weiß, dass er leben muss, um den Lebenswillen seines Vaters zu erhalten. In dieser Situation ist das normalen Eltern-Kind Verhältnis außer Kraft gesetzt. Der Sohn ist der moralische Kompass seines Vaters. Und der Vater kann seinen Sohn nicht erziehen, weil dieser im Angesichts der wüsten Welt bereits erwachsen geworden ist. Ein spannendes, erschreckendes, tiefsinniges Buch. Ihr seid gewarnt. Text Copyright Alexander Lachwitz 2009 Cover Copyright Vintage |