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Gorilla des Monats

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Das Grab der Sonne
grabvon Michael Steber

Japan (1960), Regie: Nagisa Ôshima, Drehbuch: Nagisa Ôshima, Toshirô Ishidô, Kamera: Takashi Kawamata, Musik: Riichiro Manabe, Darsteller: Masahiko Tsugawa, Kayoko Honoo, Isao Sasaki, Fumio Watanabe, Kamatari Fujiwara

Originaltitel: Taiyo no hakaba

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Geht es um zeitgenössische japanische Regisseure, so fallen einem spontan Namen wie Takeshi Kitano oder Takashi Miike ein. Was allerdings klassische Filmemacher aus dem Land der aufgehenden Sonne betrifft, so beschränkt sich das westliche Wissen zumeist auf Akira Kurosawa, den allgegenwärtigen und westlichsten aller japanischen Regisseure, nur vereinzelt mag vielleicht noch dem großen Yasujiro Ozu Tribut gezollt werden. Dieser zu Unrecht eingeschränkten Sicht auf die Dinge möchte nun Polyfilm Video mit einer DVD-Reihe namens Japanische Meisterregisseure Abhilfe schaffen. Den Anfang der auf zweiundzwanzig Teile ausgelegten Reihe macht dabei Nagisa Oshimas Frühwerk Das Grab der Sonne.

Während Nagisa Oshima eingefleischten Cineasten vor allem mit Filmen wie Im Reich der Sinne und Im Reich der Leidenschaft ein Begriff sein dürfte, blieb er für ein breites Publikum bisher wohl eher ein Unbekannter, sieht man einmal vom dem doch relativ bekannten Merry Christmas, Mr. Lawrence ab, in dem neben einem frühen Takeshi Kitano auch David Bowie auftritt. Als äußerst kraftvoller Film 1960 unter dem Einfluss der französischen Nouvelle Vague entstanden, steht Das Grab der Sonne am Anfang von Oshimas Werk und zeichnet ein düsteres Bild einer japanischen Gesellschaft, die nach dem Schwindel erregenden Siegeszug des Landes seit der Meiji-Restauration und dem vernichtenden Debakel des zweiten Weltkriegs ähnlich wie Deutschland zu dieser Zeit vor dem Nichts steht.

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Der Film spielt im Slum Kamagasaki und obwohl exemplarisch einige Einzelschicksale behandelt werden, stehen im Mittelpunkt der Handlung weniger einzelne Personen als vielmehr eine Gesamtdarstellung verwahrloster Lebensumstände und entregelter menschlicher Lebensentwürfe. Meist schmutzig im Gesicht und vom Leben gezeichnet, sind die Slumbewohner Produkte ihrer Umgebung, ebenso aber auch für diese verantwortlich. Der Provokateur Oshima hält sich nicht zurück und zeigt nüchtern die Folgen des Krieges, der für die Bewohner Kamagasakis in einer Welt aus Alkohol, Prostitution, Selbstmord und sogar illegalem Bluthandel mündete. Dort, wo in anderen Teilen des Landes der wirtschaftliche Aufschwung schon seinen Anfang nimmt, scheint im Slum das Elend längst akzeptiert worden zu sein.



Während einige wenige Nationalisten sich in die Zeit des blühenden Kaiserreiches zurücksehnen und sogar einen baldigen Krieg mit Russland herbeisehnen, sind gerade die jüngeren Menschen in Kamagasaki zutiefst zynisch geworden und haben sich längst mit ihrer Welt abgefunden, in der jeder gegen jeden mit allen Mitteln ums Überleben kämpft. Am Ende des Films zeichnet sich klar ab, dass es für diese Menschen nie Hoffnung gab, die Zustände verschlimmern sich noch und die Zukunft geht in Flammen auf. Dort wo der Humanist Kurosawa also beispielsweise in der letzten Szene von Rashomon sich letztendlich doch zum Menschen wendet und seine Hoffnung in ihn setzt, dort scheint Oshima jeden Glauben an das Gute im Menschen verloren zu haben.

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Das Grab der Sonne ist ein schockierend deutlicher und bisweilen sogar Ekel erregender Film, der vielleicht mehr über die Natur des Menschen und die Entwicklung auch der unseren Gesellschaft aussagt, als uns lieb sein mag. Angesichts der emotionalen Wucht des Films und seiner gleichzeitigen resignierenden Ohnmacht wird schnell klar, warum Nagisa Oshima vollkommen zu Recht die Reihe Japanische Meisterregisseure eröffnet. Einziger Wermutstropfen bleibt die sehr dürftige Ausstattung der DVD, die mit keinen Extras aufwartet. Nichtsdestotrotz sollte man sich die erstmalige Gelegenheit, Das Grab der Sonne mit deutschem Untertitel zu erleben nicht entgehen lassen.

Text Copyright Michael Steber 2009

Bilder Copyright  Polyfilm Video
 
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