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Moresukine - Wöchentlich aus Tokyo

moresukinevon Michael Steber

Auto, Zeichner: Dirk Schwieger

Erschienen bei: Reprodukt
ISBN: 3938511435
Preis: 16 € Moresukine bei Amazon.de

Moresukine ist die japanische Bezeichnung im Katakana-Schriftsystem für die allseits beliebten Moleskine-Notizbücher. Und auch wenn der Einband nicht ganz authentisch aus Leder, sondern aus Karton ist, kommt Moresukine von Dirk Schwieger auf den ersten Blick optisch einem Moleskine nahe. 2006 verbrachte Schwieger ein Jahr in Tokyo und seine dortigen Erlebnisse schrieb er nicht etwa nur als einfache Reisenotizen nieder, sondern machte ein Comic und zugleich ein innovatives Projekt daraus.

Alles begann damit, dass Schwieger den Lesern seines Blogs die Gelegenheit geben wollte, seinen Aufenthalt in Tokyo aktiv mitzugestalten. So rief er sie dazu auf, ihm touristische Aufträge zu erteilen, die er ohne weitere Fragen erfüllte und deren Ausgang er noch in derselben Woche in einem kurzen Comicstrip mit den Lesern seines Blogs teilte. Moresukine ist eine Sammlung dieser Geschichten und besteht dementsprechend zum großen Teil aus vierseitigen Comics, die zunächst den Auftrag erläutern und dann seine Ausführung in schroffen Zeichnungen darstellen.

moresukine

Weswegen der Autor sich eigentlich länger in Japan aufhält, lässt sich dabei nur erahnen. In nur einer Szene arbeitet er am Computer, die restlichen Geschichten zeigen angesichts seines Projekts natürlich nicht immer ganz freiwillige Freizeitaktivitäten. Dies tut der Qualität allerdings keinen Abbruch, da sich die wahren Besonderheiten des Auslands gerade in einer zunehmend globalisierten Arbeitswelt meist eben nicht direkt am Arbeitsplatz ereignen. Hier muss man allerdings klar sagen, dass Moresukine in Sachen Skurrilitäten auch den nur peripher an Japan interessierten Leser nicht schocken wird. Zu oft schon hat man die Eigenheiten japanischer High-Tech-Toiletten, die engen Kapselhotels oder das ungewöhnliche Konzept der Love Hotels in Fernsehdokumentationen gesehen.

Abseits dieser reißerischen Klassiker des Auslandsjournalismus bieten die Geschichten jedoch auch tiefergehende Einblicke in die japanische Kultur, die man so vielleicht noch nicht kennt. So geht Schwieger in seinen Aufträgen japanischen Redewendungen auf den Grund, unterscheidet jugendliche Lederjackenträger in Yankii und Bosozoku oder besucht das Studio-Ghibli-Museum außerhalb von Tokyo. Dabei bleibt der ehemalige Kunststudent stets ein einfühlsamer Ästhet, der auch in skurrilen Situationen um ein tieferes Verständnis der fremden Kultur bemüht ist.

 
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Die größte Leistung von Moresukine besteht allerdings darin, dass Japan hier wie in der landesüblichen Küche nicht etwa als fettiges Pathos serviert wird, sondern in gut verdaulichen, Augen und Gaumen erfreuenden Häppchen. Jedes einzelne Comic bietet innovative Panels, eine natürliche Sprache zwischen saloppem Kommentar und durchdachter Reflexion und endet mit einer intelligenten Pointe, so dass man sich wünscht, es würden sich noch viel mehr der kurzen Geschichten in dem kleinen Moleskin-Buch finden. Abgerundet werden die insgesamt fünfundzwanzig Aufträge durch zehn so genannte Gastmissionen, bei denen Dirk Schwieger internationalen Webcomic-Künstler seinerseits den Auftrag erteilt hat, in ihrem Wohnort Kontakt zu einem Japaner oder einer Japanerin zu suchen und darüber in einem Comic zu berichten. Obwohl diese Geschichten natürlich nicht derart aus einem Guss sind wie die von Schwieger, sorgen sie nichtsdestotrotz für kurzweiligen Nerd-Spaß. Letztendlich ist Moresukine ein rundum gelungenes Projekt und Comic, das in origineller Optik unterhaltsame und vorwiegend leichte Kost bietet, die aber nie flach wirkt.

 

Text Copyright Michael Steber
Bilder Copyright Reprodukt

 
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