Advertisement

Gorilla des Monats

bernie 
Home arrow Games arrow Yakuza
Yakuza
cover System: PlayStation 2

Japan (2006), Story: Seishu Hase, Produzent: Toshihiro Nagoshi,  Sprecher: Michael Madsen, Rachael Leigh Cook, Eliza Dushku, Mark Hamill, Michael Rosenbaum
Originaltitel: Ryu  go gotoku

Erschienen bei: Sega
Entwickler: Sega
Preis: ca. 60 Euro

Die Gangster-Thematik und das Konzept der GTA-Serie sind im Medium Videospiel fest verbunden. Rockstar Games legt eine neue Autoklau-Episode vor, und jede Menge billiger Imitatoren ziehen nach. True Crime, Saints Row... die Liste der "ich wäre gerne ein GTA wenn ich groß bin" ist lang und mit ein paar üblen Gurken gespickt. Allein deswegen hat Sega schon Lob verdient - das Gangster-Drama Yakuza verzichtet nicht nur auf das momentan so angesagte Ghetto/brennende Mülltonnen/50Cent-Setting, es geht auch spielerisch einen ganz anderen Weg. Hier ein wenig Shenmue, dort ein wenig Prügelei á la Streets of Rage und da noch eine ordentliche Dosis Plot und fertig ist das äußerst wohlschmeckende asiatische Krimi-Süppchen.

Wie es sich für eine anständige Suppe gehört wird auch Yakuza erstmal heiß serviert... für so manchen ungeduldigen Spieler sogar zunächst zu heiß. In der ersten Stunde wird der aufmerksame Mensch am Pad ziemlich heftig mit Namen und Titeln eingedeckt - Wer ist das wieder? Was ist seine Position in der Yakuza? Wie nennt man das? Nach kurzer Zeit ist man für das eingebaute Nachschlagewerk auf jeden Fall äußerst dankbar. Schnell lässt sich jede wichtige Person nachschlagen - inklusive Familienzugehörigkeit und Position.  

Bevor man sich aber in die komlizierten Beziehungen der einzelnen Clans zueinander reinfuchst wird man ganz vortrefflich von der Grafik abgelenkt. Sega hat schon weiland mit den beiden Shenmue-Episoden gezeigt, dass man in der Lage ist, reale Orte nahezu lebensecht nachzubauen. Und genau das wurde auch bei Yakuza unternommen. Der grelle Stadtteil Shinjuku in Tokyo wurde hervorragend nachgebaut. Wie gut das gelungen ist, davon könnt ihr euch auf unseren Bildern überzeugen - Auslandskorrespondentin Cordelia ist extra nach Shinjuku gefahren und hat uns Fotos geschickt die wir den Spielszenen gegenüberstellen.

 0101echt

0202echt
Links seht ihr die Spielegrafik, rechts die brandaktuellen Fotos von Cordelia - Sega hat mit der Reproduktion von Shinjuku ganze Arbeit geleistet. 

Die größte Stärke von Yakuza ist aber nicht unbedingt die Grafik, sondern die hervorragende Handlung aus der Feder des japanischen Krimi-Autoren Seishu Hase. Die Hauptfigur, Kazuma Kiriyu, ein aufstrebender junger Yakuza hat es fast geschafft seinen eigenen Clan zu gründen. Doch kurz bevor der ehrenhafte Gangster am Ziel ist überschlagen sich die Ereignisse - ein Mord ereignet sich für den Kazuma die Schuld auf sich nimmt und für zehn lange Jahre ins Gefängnis wandert. Nach seiner Rückkehr nach Shinjuku hat sich so einiges verändert und schnell wird der Protagonist in neue Intrigen und Machtkämpfe gezogen...

Kazuma ist ein hochinteressanter Held. Ein Sympathieträger ist der hochgewachsene ernste Mann eigentlich nur bedingt - immerhin ist er ein Gangster und macht eine Menge gangstermäßiger Sachen.  Trotzdem hat er seinen strengen Ehrenkodex und entsprich dem Bild des modernen Samurai das viele Yakuza gerne selbst von sich zeichnen. Er ist meist höflich, aber bestimmt und schießt nicht wahllos Leute über den Haufen wie seine GTA-Kollegen. Yakuza legt weit mehr wert auf Realismus als die Rockstar-Titel - das äußert sich nicht nur in der grafischen Darstellung, sondern auch im  Verzicht auf comichaft überdrehte Gewalt und der spannenden Handlung die gerade für ein Videospiel erzählerisch fast schon Referenzklasse hat.

 0304
Die Zwischensequenzen sind gut inszeniert und sauber vertont. Die prominenten Sprecher leisten gute Arbeit, leider ist das Skript selbst etwas zu derb übersetzt worden - die Yakuza in Tokyo reden nunmal nicht wie der gemeine Amerikanische Ghetto-Gangster. Optinionale japanische Sprecher wären durchaus willkommen gewesen.

Der Spielverlauf besteht meist darin, dass ihr zu einem praktischerweise auf der Karte direkt markierten Handlungspunkt lauft, hier und da ein paar Schlägereien absolviert und die ausführlichen Zwischensequenzen betrachtet. Das klingt etwas einschränkend, ist es aber nicht. Ihr habt jede Menge Freiheiten. Geht in einen Konbini und blättert Heftchen mit Bikini-Damen durch, freundet euch mit verschiedenen Leuten an und erforscht Shinjuku auf eigene Faust - es gibt vieles zu entdecken wenn man etwas abseits des Weges schaut. 

Alle Freiheit hin oder her, spielbestimmendes Element sind vor allem die wüsten Schlägereien mit einem oder mehreren Gegnern.  Die spielen sich im Prinzip hervorragend. Schläge krachen ordentlich, man kann jede Menge Objekte einsetzen und dem Gegner um die Ohren hauen und die Steuerung ist angenehm flüssig. Ist eine spezielle Leite gefüllt kann Kazuma ein paar besonders fiese Attacken auffahren die dann meist auch die Kampfumgebung mit einbeziehen. Die Gewaltdarstellung in Yakuza ist durchaus saftig, aber nie übertrieben oder zum Selbstzweck. Manchmal macht euch dann aber doch die Steuerung den ein- oder anderen Strich durch die Rechnung: Das automatische Anvisieren der Gegner ist oft nicht allzu genau. Wenn ihr euch mit mehreren Gegnern gleichzeitig anlegt ist das weniger wild, bei Kämpfen Mann gegen Mann haut ihr dagegen doch gelegentlich mal eine Kombo ins Leere. 

05 06
Wüste Keilereien sind bei Yakuza an der Tagesordnung. Dank zahlreicher Manöver und vieler verschiedener Waffen machen die auch ordentlich Spaß und sind angenehm abwechslungsreich.

kazumaDie extrem gute Grafik von Yakuza verlangt der armen PS2 fast schon zuviel ab. Die Szenarien sind extrem detailliert und können auf Wunsch auch in flotte 60HZ und auf cineastisches 16:9-Format umgeschaltet werden. Die unzähligen Passanten strapazieren die PS2 dann auch noch ganz ordentlich was diese dann mit häufigen kurzen Ladepausen dankt. Selbst bei einem, einfachen Wechsel der Kameraperspektive werden kurz Daten geschaufelt. Zum Glück unterbricht das den Spielfluss nicht allzu sehr. Wir würden uns trotzdem über eine Umsetzung auf eine potentere Hardware ziemlich freuen - alleine der Gedanke, wie das Spiel auf XBox360 aussehen könnte beschert weiche Knie und schlaflose Nächte...  

Yakuza ist ab dem 15. September in ungeschnittener Form im Laden - wir raten ausdrücklich zum Kauf, auch wenn der Prozessor der PS2 bereits beim Öffnen der Spieleverpackung zu ächzen beginnt. Denn Segas Gangster-Schinken bietet nicht nur einen quasi-Urlaub in Tokyo mit fiesen Schlägereien inklusive, es zeigt vor allem, wie weit das Spiele-Medium heute gekommen ist. Yakuza ist erwachsen, intelligent und anspruchsvoll. Und das können nun beileibe nicht viele Gangster-Spiele von sich behaupten.  

Text Copyright 2006 Thomas Nickel
Spiel, Coverartwork & Screenshots Copyright Sega; Fotos: Cordelia von Teichman 

 

 
< zurück   weiter >
© 2012 www.g-wie-gorilla.de
Joomla! is Free Software released under the GNU/GPL License.