von Anna-Selina Sander Autor: P.C. und Kristin Cast Erschienen bei: Fischer Verlag ISBN: 978-3-596-86003-6 Preis: € 16,95 House of Night - Gezeichnet bei Amazon.de Es reißt nicht ab. Immer, wenn man denkt, jetzt ist der Vampirhype überstanden, setzt irgendjemand noch einen drauf. Und ich fall natürlich immer wieder drauf rein, wenn mir die Kollegen mit leuchtenden Augen Exemplare des „Next Big Thing“ unter die Nase reiben. Ich bin ja nicht so. Ich geb ja jedem eine Chance. Und heiliges Kanonenrohr, House of Night hat sie verdient. Es handelt sich bei der Serie um einen überschäumenden Cocktail aus mindestens drei Erfolgsrezepten: Twilight, Harry Potter und Gossip Girl. Eine Mischung, die Mädchenaugen zum Leuchten bringt und Kritikeraugen dazu, sich vor Schreck zu weiten und mit Tränen der Fassungslosigkeit zu füllen. Aber erstaunlicherweise funktioniert das Konzept und macht einen Heidenspaß. Wie heidnisch der ist, wird schon sehr früh klar, als man die 16 Jahre alte Heldin Zoey Redbird und ihr Umfeld kennenlernt. Gleich auf der ersten Seite wird sie von einem Vampir Gezeichnet. Großes G. In der Welt von House of Night gibt es keine Verwandlung durch Beißen, sondern man kriegt ein stylishes Mondtattoo auf die Stirn gezaubert, dass Jungvampire fortan auszeichnet. Zoey hat sich nun schleunigst im House of Night, einer bekannten Finishing School für Vampire, einzufinden, damit ihre Verwandlung – so Zoey sie denn überlebt – kontrolliert und unter besten Voraussetzungen ablaufen kann. Soweit, so gut. Da Zoey natürlich, und da kommt nach dem Internat für übersinnliche Begabte der zweite Potteraspekt ins Spiel, keineswegs ein normaler Jungvampir, sondern ein mit unvorstellbarer Macht ausgestatteter Superkrassvampir ist/wird, wenn sie groß ist, bleibt es nicht bei der einfachen Markierung. Kaum, dass sie sich zünftig mit ihrer Mutter und ihrem „Stiefpenner“, einem fanatischen Christen, der sie lieber exorziert als zum House of Night geschickt hätte, gezofft hat, sieht sie in einer Vision die Vampirgöttin Nyx höchstpersönlich zu ihr sprechen. Nicht nur ist Zoey jetzt ein Freak, dessen Tagesrhythmus sich umgedreht hat, die ihre Freunde zurücklassen muss, um in einer Schule voller anderer Freaks die Neue zu sein, sie ist auch noch ein auserwählter solcher Freak. Kann ja nur besser werden. Wird es auch. Kommen wir zum Bestandteil Gossip Girl. Im House of Night angekommen, wird sie sofort mit der Schulqueen Aphrodite konfrontiert, die ebenfalls von der Göttin mit einer Gabe bedacht wurde und ständig Visionen von Flugzeugkatastrophen oder ähnlich fröhlichen Vorfällen hat. Aphrodite hat natürlich kein Interesse daran, dass ihr Status als Auserwählte, der auch den Vorsitz bei den Schwestern der Dunkelheit, quasi DER elitären Schülervereinigung, einschließt, durch Zoey gefährdet wird. Zündstoff, meine Damen und Herren. Zoey findet an der Schule schnell Anschluss, aber so richtig kann sie sich nicht einleben. Denn erstens ist ihr das Auserwähltsein durch eine besondere Ausgestaltung ihres Mondtattoos im wahrsten Sinne des Wortes auf die Stirn geschrieben, wie seinerzeit Harry Potters Blitznarbe. Zweitens entdeckt sie schnell, dass sie bei den heidnischen Ritualen zu Ehren der Vampirgöttin eine Affinität zu allen fünf Elementen Luft, Wasser, Feuer, Erde und Geist entdeckt, also quasi nochmal einen Level aufsteigt in Sachen Auserwähltsein. Drittens, ihr On-Off-Freund Heath versucht sie aus dem House of Night zurückzuholen, und dabei entdeckt Zoey die unwiderstehliche Anziehungskraft seines Blutes. Viertens, zwischen ihr und Aphrodite herrscht vom ersten Moment an Krieg. Holt das Popcorn raus, es wird großartig. Der Cocktail blubbert und brodelt, alles ist bewusst dermaßen Over-the-Top und überzogen, dass man das Buch einfach lieben muss. Teeniedramatik plus Vampire plus Magie plus ein schönes Fünkchen nett zu lesender Erotik plus eine Heldin, die Edward Cullen mit Wucht in den Hintern treten würde, wenn sie dafür bei all dem Stress und den drei Kerlen, die ihr im Laufe des Buches verfallen (mal ehrlich, wer hätte das jetzt nicht erwartet?) überhaupt Zeit hätte. Glaubt es mir, das hier ist tatsächlich das nächste große Vampirding nach Twilight. Und auch das hier ist keine große oder gut geschriebene Phantastik, aber verdammich, solche Ansprüche stellt man doch auch gar nicht! Seht das hier als so eine Art millionenschweren Popcorn-Blockbuster an, eine hochspannende, rotzfreche, sexy und sehr stylishe Geschichte, in der immer noch eine Ladung „Waszurhölle!“ obendrauf passt. Sieben Bände sind bisher in englischer Sprache erschienen, auf deutsch ist die Serie mit Gezeichnet gerade gestartet, Teil 2 ist für April angekündigt. Mein ganz persönlicher Tipp zum Jahresanfang! Rein ins Vergnügen, und bloß nichts in Frage stellen! Text Copyright Anna-Selina Sander 2009 Cover Copyright Fischer Verlag |