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Vampire Weekend – Contra

contravon Michael Steber

Plattenfirma: Xl/Beggars Group (Indigo)
Tracks: 10
Erscheinungsdatum:
8. Januar 2010
ASIN: B002JN74WI
Preis: ca. 14 € Contra bei Amazon.de

Da sind sie wieder. Vampire Weekend, mit die ersten großen Helden der Blogosphäre und gleichzeitig obligatorische Beschallung für alle hippen Menschen in- und außerhalb der Staaten. Bei ihrem neuesten Werk Contra stellt sich angesichts des Medienrummels natürlich wieder einmal die Frage aller Fragen. Darf man diesem Hype glauben schenken oder fällt die Band wie unzählige andere dem Fluch des zweiten Albums zum Opfer?

Der erste optische Eindruck scheint zu bestätigen, dass alles beim Alten geblieben ist. Farblich dem Titelbild des ersten Albums sehr ähnlich, zeigt das Cover von Contra ein Mädchen mit trotz verschiedenster Vermutungen frei interpretierbarem Gesichtsausdruck, das obendrein ein Polohemd von Ralph Lauren trägt. Während beim deutschen Hörer vielleicht schon hier die BWL-Studenten-Alarmglocken schrillen, so muss man Vampire Weekend ganz einfach zugestehen, dass sie wieder erfolgreich mit Klischees spielen. Die Columbia-Absolventen präsentieren sich als gut gekleidete junge Musiker, die sich an der Upper West Side ebenso galant wie in der Ivy League bewegen, darin aber keinen Widerspruch zu Punk-Attitüden sehen.

Abgesehen von sämtlichen postmodernen Image-Spielereien steht bei Contra natürlich die Musik im Vordergrund und die muss sich nach dem fantastischen ersten Album von Vampire Weekend hohen Erwartungen stellen. Nach dem ersten Hören wird man schnell feststellen, dass Vieles, aber eben doch nicht alles beim Alten geblieben ist. Die Stücke sind weniger eingängig als die des Vorgängers und die Band zeigt sich noch experimentierfreudiger und offen für eine Vielzahl musikalischer Mittel. Und obwohl es überall scheppert, klopft und jauchzt, scheint am Ende doch alles wie aus einem Guss.

Allen Stücken ist gemeinsam, dass der Einfluss des Afrobeats zumindest gefühlt zu Gunsten eines anderen Einflusses zurückgegangen ist, nämlich dem elektronischer Samples. Während Vampire Weekend derartige Samples auf dem ersten Album nur sehr spärlich einsetzten, so weist auf Contra bereits der Opener Horchata in eine andere Richtung, wenn sich gewohnte Xylophone und Chöre mit Elektronischem mischen. Auch im zweiten Lied White Sky führen piepsige Samples zum gejauchzten Refrain, während die Upbeat-Nummer Holiday gewohntere Töne in Richtung von A-Punk, der Debütsingle der Band anschlägt. Spätestens bei California English wird man sich dann wieder arg wundern, denn hier haben Vampire Weekend den im Hiphop etwas arg überstrapazierten Stimmenverzerrer Autotune zu ihren Gunsten verwendet.

Und auch in der zweiten Hälfte des Albums wird man immer wieder überrascht. Auf das bisweilen klassisch anmutende Taxi Cab folgt mit dem theatralischen Run eines stärksten Lieder von Contra. Das schon vorab aus dem Netz bekannte Cousins folgt wieder mehr dem Stil des ersten Albums, bevor mit Giving Up The Gun und seiner treibenden Melancholie und dem prätentiösen Diplomat’s Son noch einmal zwei Höhepunkte auf den Hörer warten. Der Titeltrack Contra lässt das Album letztendlich geruhsam ausklingen.

Never pick sides; never choose between two. Obwohl die Texte von Vampire Weekend auch auf Contra gewohnt kryptisch und der Interpretation des Hörers überlassen bleiben, will man sich dieser Aussage des Titelliedes eindeutig anschließen. Man kann sich nicht entscheiden, welches der beiden Alben der Band nun besser ist, sondern muss stattdessen das Klischee der konsequenten Weiterentwicklung bemühen. Fest steht, dass Contra vom typischen Flop des zweiten Albums meilenweit entfernt ist und seine glühenden Verehrer finden wird, egal ob diese nun in der Ivy League sind oder nicht.

Text Copyright Michael Steber 2010
Cover Copyright 
Xl/Beggars Group (Indigo)

 
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