von Thomas NickelSystem: Nintendo DS Japan (2009), Director Scenario: Hiroyuki Kubota, Main Program: Makoto Aioi, Artwork: Keisuke Kadota, Keiko Uetani, Music: Yoko Shimomura Entwickler: Alpha Dream Erschienen bei: Nintendo Preis: ca. 37€ Mario & Luigi: Abenteuer Bowser bei Amazon.de Krankfried ist klein, grün und trägt eine Brille wie Schlaubi Schlumpf. Dazu radebrecht er in einem krummen Kauderwelsch, hält sich für außerordentlich clever und der oberste Punkt in seinem Terminplaner heißt „Pilzkönigreich erobern“. Dabei muss er aber nicht nur an Vorzeigeheld Mario, sondern auch an Kollege Bowser vorbei – der schmiedet ja seit Jahr und Tag ähnliche Pläne. Aber während Bowser auf rohe Gewalt schwört, setzt Krankfried auf List und Tücke um Bowser und die Mario-Brüder auf einen Schlag loszuwerden... Gäbe es in der Videospielwelt einen Oscar für den besten Bösewicht, Krankfried wäre der Titelanwärter Nummer Eins. Und um das Oscar-Spiel einmal weiter zu spielen: Die Trophäe für den besten Bösewicht wäre mit Sicherheit nicht die einzige Auszeichnung, den Mario & Luigi: Abenteuer Bowser mit nach Hause nehmen würde. Eine weitere Auszeichnung verdient sich das neue Rollenspiel-Abenteuer der Gebrüder Mario bereits mit seiner der Grundprämisse. Auf dem oberen DS-Bildschirm walzt ihr euch in der Rollenspiel-typischen Vogelperspektive mit dem mächtigen Bowser durch das Pilzkönigreich, stets auf der Suche nach Krankfrieds Schergen und euren zersprengten Truppen die euch im Kampf helfen sollen. Aber der übellaunige Schildkröterich ist nicht alleine unterwegs: Dank Krankfrieds Komplott hat Bowser sich die Population des Pilz-Palasts einverleibt, kann sich daran aber nicht mehr erinnern. Jetzt befinden sich in seinen geräumigen Innereien nicht nur etliche Toads und die Prinzessin, auch Mario und Luigi höchstpersönlich lernen ihren Erzrivalen einmal von einer ganz neuen Seite – von innen – kennen. 
So steuert ihr die beiden Klempner im unteren der beiden Bildschirme in der Mario-typischen Seitenansicht, wie in einem wunderschönen 2D-Jump’n’Run hopsen die beiden Brüder über Knochen, tauchen durch den Magen und irren durch das Bowsersche Gedärm. Der Clou dabei: Nur durch Teamwork kommen Bowser und die Brüder in ihren jeweiligen Abenteuern voran. Wenn Bowser ein extra-schweres Hindernis stemmen will dann geht das beispielsweise nur, wenn Mario und Luigi seinen gewaltigen Muskeln auf die Sprünge helfen. Die Klempner-Brüder können bei ihrer Suche nach der Prinzessin dagegen so manches Bowser-Organ nur erreichen, wenn ihr eigentlich Erzfeind auch kooperiert, was der meist nur unter viel Gegrummel und Protest tut. Seinen blockierten Flammenatem bekommt Bowser so nur zurück, wenn er ordentlich Wasser schluckt, damit Mario und Luigi schwimmend das von einem dicken Boss blockierte Organ erreichen können. Dabei wechselt ihr auf Knopfdruck in Windeseile zwischen beiden Bildschirmen und je weiter ihr in eurem Abenteuer vorankommt, desto mehr Kooperation wird nötig. Da saugt Bowser schon einmal den verwundbaren Teil eines dicken Bosses in seinen Magen damit Mario und Luigi ihn dort einmal ordentlich durchwalken können. Keine Frage, das dritte tragbare Mario-Rollenspiel ist ein wahres Füllhorn an innovativen Ideen und cleveren Puzzles.
Preisverdächtig gibt sich wie in Marios sämtlichen Rollenspiel-Ausflügen wieder einmal das Kampfsystem. Das ist zunächst einmal rundenbasiert, wird aber an allen Ecken und Enden durch kleine Geschicklichkeitseinlagen aufgewertet. Mit dem richtigen Timing springt Mario über eine gegnerische Attacke, verpasst Luigi dem Magen-Monster einen extra-kräftigen Schwinger mit dem Hammer und verschmurgelt Bowser hölzerne Gegenspieler zu Asche. Mit einem beherzten Schlag oder Sprung auf einen der stets sichtbaren Gegner verschafft ihr euch im folgenden Kampfbildschirm direkt zu Beginn eine Extra-Attacke und habt ihr einmal keine Lust zu kämpfen könnt ihr den Gegner auch ganz einfach umgehen – luxuriöser wird es kaum noch. Die Herausforderung ist dabei stets perfekt austariert. Bekommt ihr es mit neuen Gegnern zu tun sind die zunächst einmal oft ziemlich knackig, doch mit der Zeit werdet ihr immer besser mit ihnen fertig. Nicht nur, weil eure Protagonisten inzwischen ein paar Level aufgestiegen sind, sondern auch weil ihr mittlerweile deren Angriffstaktiken kennt, wisst wann ihr ausweichen und kontern müsst und deren spezielle Schwächen herausgefunden habt – Spieler und Spielfigur wachsen so gleichzeitig an ihren Herausforderungen. Der grimmigen Schildkröterich Bowser gibt hier einen hervorragenden Protagonisten ab. Der Herrscher über Koopas, Goombas Shyguys und Bob-Ombs ist ein wunderbar grummeliger Held wieder willen, wenn er motzend und stänkernd durch die Gegend trabt, mit krachenden Faustschlägen Steine zerhaut und mit seinem Flammenatem Bäume aus dem Weg schafft. Mit einem Vielfachen der Angriffsstärke und dem Einsteckvermögen der beiden Klempner ist es einfach ein riesiger Spaß, mit so einem mächtigen Brocken in den Kampf zu ziehen, dem Gegner das Goomba-Kommando auf den Hals zu hetzen und sich generell wie die Axt im Wald durch das beschauliche und gleichzeitig furchtbar alberne Pilzkönigreich zu schlagen.
Überhaupt sind die beiden Settings des Spiels an Originalität und Spaßpotenzial kaum zu überbieten. Während Bowser illustre Gegenden wie den Karies-Strand oder Kap Bäuerchen unsicher macht schießt sein Inneres den Vogel ab. Grimmig dreinschauende Knochen, Nervenzentren die gerne einmal mit dem groben Hammer bearbeitet werden und Seen voller Magensäure von denen man sich lieber fern hält könnten keinen besseren Kontrast zu den oft allzu generischen Settings der meisten anderen Rollenspiele bieten. Beeindruckend ist vor allem, wie souverän Mario & Luigi wirklich jedes Spielspaß-Fettnäpfchen auslassen! Langeweile und Routine haben keine Chance, immer wenn ihr glaubt alles gesehen zu haben überrascht euch das Spiel mit einer neuen Herausforderung, einer interessanten Fähigkeit die ihr unbedingt noch einmal ausprobieren müsst oder einem urkomischen kleinen Gespräch das eure Mundwinkel unweigerlich wieder nach oben wandern lässt. Wenn hier so mancher technikverliebte Tester nun meckert, dass Mario & Luigi „nur“ in 2D daherkommt dann kann ich nur den Kopf schütteln, selten habe ich in einem Spiel liebevoller animierte Sprites gesehen. Für jede Situation wurde eigens eine Animation erstellt. Luigis Tollpatschigkeit, Marios wilde Gestik wenn er in seinem unverständliche, vage italienisch klingenden Kauderwelsch mit seinem Bruder spricht, Bowsers Überheblichkeit und schwelende Wut, all diese Eigenschaften werden durch die detailverliebten Animationen ganz wundervoll transportiert. 
Möchte man dem Spiel überhaupt etwas vorwerfen, dann höchstens vielleicht seine etwas übergroße Erklärfreude. Für jedes neue Talent gibt es ein ausführliches Tutorial damit ihr auch wirklich versteht, wie denn Bowsers Feueratem und Luigis Hammerschlag auch richtig einzusetzen sind. Aber zum einen sind selbst diese Erklärungen noch unheimlich witzig erzählt und zum anderen könnt ihr sie eben wegdrücken. Aber man traut sich nicht, man könnte ja wieder ein paar Gags verpassen... Leider wird Mario & Luigi: Abenteuer Bowser keine der so verdienten Trophäen mit nach Hause nehmen – einen ernstzunehmenden Spiele-Oscar gibt´s eben noch nicht. Aber wozu denn überhaupt Auszeichnungen wenn die Qualität so offensichtlich ist? Mario & Luigi: Abenteuer Bowser ist ein Action-Rollenspiel der Sonderklasse mit einem urkomischen Skript, vollgestopft mit innovativen Ideen, herausfordernden Kämpfen, verzwickten Dungeons und einer Spielbarkeit die zu jeder Sekunde eines klar stellt: Hier waren nicht nur Profis am Werk, hier wurden einer kreativen, handwerklich unverschämt talentierten Entwicklertruppe die volle Freiheit eingeräumt, das ideale Handheld-RPG zu schaffen. Genau das haben sie dann auch gemacht und dabei gleich jedes andere DS-RPG auf seine Plätze verwiesen. Und jetzt hört schon auf zu lesen und kauft euch dieses Ding endlich. Und solltet ihr keinen DS haben, dann kauft ihr den gleich dazu.
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