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Gorilla des Monats

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Es ist nicht leicht, ein Gott zu sein
coverDeutschland  (1990)

Regie: Peter Fleischmann, Buch: Jean-Claude Carrière, Peter Fleischmann, Arkadi Strugatzki, Boris Strugatzki, Kamera: Jerzy Goscik, Pavel Lebeshev, Klaus Müller-Laue, mit: Edward Zentara, Alexandr Filipenko, Hugues Quester, Anna Gautier, Christine Kaufman, Werner Herzog

In den hintersten Regalen von Videotheken findet man die erstaunlichsten Filme. So zum beispiel diesen hier: Trashiges 80er-Jahre-Cover, Aufschrift: Es ist nicht leicht, ein Gott zu sein. Unglaublich! Genauso heißt eins meiner Lieblingsbücher, ein sehr starker Roman der Brüder Arkadi und Boris Strugatzki, von dem übrigens auch eine deutsche Übersetzung existiert. Aber dass es davon eine Verfilmung gibt, war mir bisher unbekannt. Und dann auch noch mitten in einer deutschen Videothek! Welchen Film wir mitnehmen würden war sofort klar, keine Diskussion.

Und wirklich, es lohnt sich, diese DVD auszuleihen, auch wenn man noch nie etwas von den Brüdern gehört hat. Allein schon wegen der Dokumentation, die sich bei den Extras befindet und die den Regisseur Peter Fleischmann bei seinem "Abenteuer Rußland" begleitet. Verfilmt wurde der Roman, der in den 60er Jahren im kommunistischen Rußland erschienen ist, in den milderen 80ern inmitten der sowjetischen Wüste, wobei Fleischmann einer der wenigsten Deutschen am Set war. So waren die Komparsen zum Beispiel allesamt Soldaten der Roten Armee, während die Hauptdarsteller aus Polen, Frankreich, Rußland und eigentlich von überallher kamen - nur nicht daher, wo Deutsch gesprochen wird. Wie dreht man also, wenn die einzige Verständigungsmöglichkeit einen Dolmetscher beinhaltet? Die Schauspieler eigentlich gar nicht in der Lage sind, miteinander zu spielen, weil ihnen die gemeinsame Sprache fehlt? Und überhaupt, wie dreht man im kommunistischen Russland, wo die Kulissen vom Schneefall zerstört werden und kein Essen für die Schauspieler da ist?

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Offensichtlich doch ziemlich erfolgreich, jedenfalls, wenn man ein Auge zudrückt und weniger auf Kulissen und Kostüme als auf Schauspielerleistung und Inhalt achtet. Schließlich wird hier eine großartige Vorlage verfilmt! Die beiden Autoren nehmen in ihrem Werk die Perspektive von Anton bzw. Rumata ein, einem Historiker der zukünftigen Erde, der auf einem mittelalterlichen Planeten als stiller Beobachter fungiert. Der Leser wird dabei mitten ins Geschehen geworfen, Anton hat sich auf dieser Welt längst eingelebt, denn mit dem äußeren Rahmen der Strugatski-Zukunftswelt ist er vertraut. Alles andere erlaubt die Er-Perspektive in Rückblenden und Gedanken darzustellen. Einen solchen Luxus kann der Film sich nicht erlauben und beginnt stattdessen viel früher, an dem Punkt nämlich, an dem Anton die Rolle des Rumata zum ersten Mal übernimmt. Dies macht einige Veränderungen der Handlung nötig, was der grundsätzlichen Idee jedoch nicht abträglich ist. Stück für Stück verwandelt sich der am Anfang noch von hohen Idealen geführte Anton, Mensch der strahlenden Zukunft, von einem unbeteiligten Beobachter ("Alles, was uns lieb ist, ist auf der Erde oder in uns") in Rumata, der inmitten einer düsteren und brutalen Welt steht, die zu verändern er das Wissen und die Macht hat, es aber nicht darf.

Dass Anton und seine Kollegen aus der Zukunft kommen, kommt allerdings viel zu häufig und in falscher Form vor. Ständig wird auch auf dem beobachtenden Raumschiff gefilmt, wobei die Menschen des "Mittags" als gefühl- und mitleidslos dargestellt werden, was sie zweifelsohne nicht sind. Auch könnte der König von Arkanar, des Landes, in dem sich die Handlung entwickelt, mit Jack Sparrow verwandt sein, was in einem sonst sehr ernsten Film nur störend wirkt. Sehr gut gelungen dagegen ist das Königreich selbst, das, anders als man es aus glattpolierten Hollywood-Streifen gewöhnt ist, wirklich dreckig und mittelalterlich wirkt, mit hässlichen Narben, dicken Hofdamen, ausblutenden Schweinen, Gewalt. Anton ekelt sich vor der Welt, in der er sich befindet.

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Gegen Ende wird der Film leider von Peter Fleischmanns Erklärdrang beherrscht. Die Gegenwartsmenschen sprechen eigentlich selbstverständliche Schlussfolgerungen noch einmal aus, das Ende geht ausführlich darauf ein, wer nun Gott ist und warum Gott zu sein so schwer ist - ein Luxus, den die Autoren sich seinerzeit nie hätten leisten können, den sie aber auch nicht brauchten! Die Tragödie des Romans bleibt im Gegenzug aus, das Ende ist zwar nicht glücklich, aber doch wesentlich milder als das, was den Happy-End-gewöhnten Leser trifft.

Dennoch kann ich jedem nur empfehlen, diesen Film anzusehen, ob nun mit der Vorlage vertraut oder nicht. Als Zeitdokument - wohl einmalig in seiner Herstellungsart - wie auch als die zweite und keineswegs schlechtere Verfilmung eines Strugatski-Romans (die andere ist, was die wenigsten wissen werden, Tarkovskijs Stalker).

Text Copyright: Darina Goldin 2006
Cover/Screenshot Copyright:  Arthaus

 
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