Gorilla des Monats

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A Boy and his Blob
blobvon Thomas Nickel

System: Nintendo Wii
USA (2009), Creative Director: Matt Bozon, Lead Programmer: Robert Koshak, Lead Animator: Eleazar Del Rosario, Lead Level Designer: Mike Herbster, Gameplay Programmer: Daniel Yoon, Composer: Daniel Sadowski

Entwickler: WayForward Entertainment
Erschienen bei: Majesco
Preis: ca. 39€ A Boy and His Blob bei Amazon.de

Drückt ihr bei A Boy and his Blob das Steuerkreuz nach oben, nimmt der namenlose kleine Junge seinen Blob-Freund einfach mal fest in den Arm. Diese Aktion hat keinen besonderen spielerischen Nutzen. Die Umarmung lädt keine Energie auf, sie macht den Blob nicht stärker und sie macht ihn auch nicht schneller... die Umarmung hat einfach ihren Weg in das Spiel gefunden weil es bei A Boy and his Blob um die Freundschaft zwischen einem Jungen und einem außerirdischen Blob vom Planeten Blobolonia geht.

Und eben genau diese Umarmung, dieses kleine, feine Detail zeigt perfekt, dass A Boy and his Blob ein Spiel ist das seinen Entwicklern besonders am Herzen liegt. Diese eine, spielerisch ja eigentlich völlig irrelevante Aktion wurde so liebevoll und herzlich animiert, dass selbst der größte Zyniker sich ein unwillkürliches Lächeln nicht verkneifen kann. Und habt ihr erst einmal angefangen und das clevere Konzept des Spiels erkannt, dann gibt es kein Zurück mehr: A Boy and his Blob ist eines dieser Spiele, die ihr nicht mehr aus dem Laufwerk nehmt bis das letzte Bonuslevel gemeistert und das letzte Geheimnis gefunden ist.

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Der Schlüssel zum Erfolg liegt bei A Boy and his Blob im Teamwork. Alleine ist der Junge ziemlich schutzlos, er kann gerade einmal laufen, Leitern hinauf klettern, kleine Steine verschieben und einen kurzen, niedrigen Hopser ausführen. Bereits eine Feindberührung führt zum Ableben und auch ein zu tiefer Sturz bringt euch flugs zum letzten der zum Glück großzügig verteilten Rücksetzpunkte zurück.

Aber zum Glück habt ihr euren Blob und eine ganze Menge verschiedener Weingummis. Die liebt euer amorpher Begleiter so heiß und innig, dass er beim Gummi-Genuss sofort seine Form wechselt. So wird der Blob zum Trampolin, zur Leiter, zum Fallschirm, zum Loch im Boden, zum Ball... lauter praktische Hilfsmittel ohne die ihr in den Puzzle-lastigen 2D-Levels sonst kein Land sehen würdet. Da euer Vorrat an Weingummis genau wie euer Lebensvorrat unerschöpflich ist, könnt ihr ganz nach belieben Experimentieren um die verschiedenen Eigenschaften der insgesamt 15 Verwandlungsformen kennen zu lernen – ihr werdet sie alle brauchen.

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Wer ein langes Gedächtnis hat und schon zu 8-Bit-Zeiten gespielt hat, der erinnert sich vielleicht noch an das gleichnamige NES-Spiel von Altmeister David Crane. Das lief zwar schon auf der erfolgreichen Nintendo-Hardware, fühlte sich aber in vielerlei Hinsicht noch wie ein Überbleibsel der letzten Atari-Generation an. Das Spiel fand in einem großen, zusammenhängenden Labyrinth statt, das letztendliche Ziel war eher kryptisch, der Umfang vergleichsweise gering. Dafür waren Trial&Error trumpf und nur dem gnadenlos hohen Schwierigkeitsgrad war es zu verdanken, dass der Spieler nicht bereits nach einer Stunde vor dem Abspann saß.

Da geht die Neuinterpretation für Wii lieber eigene, und zugegeben, auch modernere Wege. Der Junge und der Blob absolvieren in sich abgeschlossene Levels in ganz verschiedenen Settings, nach Wäldern und Sümpfen durchquert das abenteuerlustige Duo auch eine große Stadt und gelangt schließlich sogar in die exotische Heimatwelt des Blobs. Ihr habt nicht wie im Original mit Lebens- und Weingummi-Knappheit zu kämpfen. Das Spiel fordert, aber es frustriert nicht und durch die abgeschlossenen Level kann es auch in kleinen Dosen genossen werden und erfreut jüngere Semester ebenso wie alte Hasen.

  

Nicht nur spielerisch ist A Boy and his Blob ziemlich einzigartig, auch in Sachen Präsentation geht Entwickler Wayforward Entertainment (die schon das exzellente Contra 4 geschaffen haben) eigene Wege. Kurz gesagt: A Boy and his Blob ist fast schon ein spielbarer Zeichentrickfilm. Der Junge, der Blob und die Schattengegner sind wundervoll animiert und fügen sich aufs harmonischste in ihre 2D-Umwelt ein. Und wie schon bei der Eingangs erwähnten Umarmung wurde auch hier an Details nicht gespart. Der schwarze Schattenstier läuft fröhlich beschwingt durch die Gegend, erblickt er den Jungen scharrt er mit den Hufen um ihn auf die nicht vorhandenen Hörner zu nehmen und landet schließlich plattgedrückt an der Wand – genau so müssen heute 2D-Animationen aussehen.

Ein großes Lob auch an die Story-Abteilung. Denn vom Titelschriftzug einmal abgesehen kommt A Boy and his Blob komplett ohne Texte und auch ohne lange Zwischensequenzen aus: Die komplette Handlung wird wie weiland beim Klassiker Super Metroid elegant während des Spielens selbst erzählt – absolut vorbildlich.

Wer jetzt aber glaubt, dass sich hinter der wunderbar liebenswerten Hülle von A Boy and his Blob ein simples Weichspül-Abenteuer für Kinder verbirgt, der wird sich nach wenigen Levels verdutzt umschauen. Im Verlauf des Spiels wird aus den Anfangs so einfach-offensichtlichen Puzzles komplexe und fordernde Knobelaufgaben. Laterales Denken ist gefragt und nur wer die verschiedenen Verwandlungen des Blobs versteht und bereit ist, sie auch mal auf unorthodoxe Arten einzusetzen wird in den späteren, oft ziemlich umfangreichen Levels bestehen.

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Aber mit dem einfachen Durchkommen ist es für den Perfektionisten von Welt noch lange nicht getan, denn in jedem Level sind drei Schatztruhen versteckt. Liegen die Anfangs noch praktisch irgendwo am Wegesrand müsst ihr später ordentlich suchen und Knobeln um sie auch wirklich zu finden und einzusacken. Immerhin, die Mühe lohnt: Sind in einem Level alle drei Schätze gefunden wird ein extra knackiges Geheimlevel freigeschaltet in dem ihr euch Boni wie Skizzen und Design-Dokumente erspielen könnt. So kommt A Boy and his Blob auf insgesamt gut 80 Stages – ein mehr als respektabler Umfang würde ich sagen!

Da kann man auch die kleinen Fehler verzeihen. In den späteren Levels zieht nicht nur der Schwierigkeitsgrad der Rätsel an, auch die Geschicklichkeitsaufgaben werden kniffliger und oft kommt es dann vor, dass eine falsche Bewegung gleich das Aus bedeutet. Auch wenn es viele Checkpoints gibt kann sich dann etwas Frust breit machen. Manche Blob-Formen sind auch schwieriger zu kontrollieren. Aber im Angesicht all der Punkte die A Boy and his Blob genau richtig macht sind das keine allzu dramatischen Probleme.

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Bleibt nur ein Problem – wo bitte ist der deutsche Release? Es kann doch nicht sein, dass eines der schönsten 2D-Spiele und gleichzeitig einer der besten und originellsten Konsolentitel seit langem keinen offiziellen Publisher findet, insbesondere weil ja praktisch keinerlei Lokalisationsarbeit anfiele... Zum Glück ist A Boy and his Blob aber gut und vor allem günstig beim allseits bekannten großen Online-Buchhändler mit A zu bekommen und euer Fachhändler ist für Hinweise auf diesen Hit sicherlich auch dankbar. Trotzdem, der verzicht auf einen USK-geprüften Deutschland-Release wirft wieder einmal ein ganz trauriges Licht auf die hiesige Publisher-Szene.

Aber zum Glück habt ihr ja uns und wisst jetzt, wie gut A Boy and his Blob tatsächlich ist. Mit wunderschöner Grafik, herzigen Helden, großem Umfang und tollen Rätseln konnten mich die beiden Helden auf der ganzen Linie überzeugen: trotz hochkarätiger 2D-Konkurrenz wie Muramasa: The Demon Blade und New Super Mario Bros. Wii hat sich A Boy and his Blob bereits jetzt einen festen Platz in meinen persönlichen Top-Titeln des Jahres 2009 verdient. Und ihr werdet sehen, nach wenigen Minuten mit den beiden wird es euch ganz genauso gehen. Und vergesst nicht, dem Spiel zu zeigen wie sehr ihr es mögt – immerhin gibt es ja eigens einen Knopf dafür!

Text Copyright Thomas Nickel 2010

Bilder, Video Copyright WayForward
 
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