von Anna-Selina Sander Autor: Ian Sansom Erschienen bei: Piper Verlag ISBN: 978-3-492-25391-1 Preis: € 8,95 Bücher auf Rädern bei Amazon.de Irlandromane haben mich Zeit meines Lebens eigentlich nie interessiert. All dieses romantische Gesäusel über die Grüne Insel und all ihre raue Schönheit, wo sogar Regentage das tollste sind, was der Tourist sich wünschen kann, und all die niedlichen kleinen Dörfer und die netten Leute – alles Humbug. Das weiß auch Israel Armstrong aus Nordlondon, unfreiwilliger Held der Mobile Library-Romane, als er nach einer gefühlten Woche auf Reisen endlich an seinem neuen Arbeitsplatz ankommt: Der Bücherei von Tumdrum. Das Dorf ist genauso, wie es klingt: ein völlig unbekanntes Kaff am Arsch der nordirischen Heide, wo eigentlich auch keiner jemals hinwill. Damit nicht genug. Zu allem Überfluss ist die Bücherei auch noch geschlossen, und keiner weiß, warum. Dadurch ist es verständlich, dass Israel sich äußerst veräppelt fühlt. Erstrecht, als er im Rathaus bei der korpulenten Linda Wei vorstellig wird, die ihm klarmacht, dass a) die Bücherei tatsächlich geschlossen wurde, um b) stattdessen einen Bücherbus einzurichten, den Israel betreuen soll. Angesichts seines entsetzten Gesichtes fügt sie noch hinzu, dass er c) an seinen Vertrag gebunden ist. Geld für die Rückreise hat er, d) ohnehin nicht mehr. Schöner Mist. Ein Bücherbus ist Israel Armstrong zufolge für das Bibliothekenwesen das, was Indoor-Teppichboccia für den Sport ist, oder Fußpflege für die Medizin. Kurz gesagt das, was man gemeinhin als Bodensatz bezeichnet. Das pekuniäre Argument bewegt ihn schließlich dazu, vorerst in Tumdrum zu bleiben, aber damit ist das Drama noch längst nicht zuende. Als er den Bücherbus gemeinsam mit seinem Vorgänger und örtlichen Taxifahrer Ted, der vorsichtig als „irisches Original“ bezeichnet werden kann, in Betrieb nehmen und bestücken will, stellt er fest, dass sämtliche Bücher aus der Bücherei verschwunden sind. Kündigen? Geht nicht. Israel, selbst bekennender Krimivermeider, hat keinen Dunst, wie er an die Sache herangehen soll. Und natürlich ist das nicht sein einziges Problem. Die Menschen um ihn herum sind nicht eben kommunikativ, und wenn, dann auf eine nervtötende schrullige, manchmal auch feindselige Weise, die Israel tagelange Kopfschmerzen bereitet. Seine Unterkunft besteht aus einem nicht genutzten Hühnerstall auf einer Farm am Ende des Endes des Dorfes. Linda lässt sich ständig neue Schikanen einfallen. Und fluchen darf man in Tumdrum auch nicht. Aber kündigen? Geht nicht. Zum Glück gibt es wenigstens den einen oder anderen zutraulichen Iren, mit dem Israel halbwegs auskommt. Ted ist einigermaßen zu gebrauchen, und auch die Barmaid aus dem Pub, Rosie, ist ein halbwegs normaler Mensch. Aber das bringt Israel noch lange nicht auf die Spur der verschwundenen Bücher...
Man kann sich denken, dass das hier keinesfalls ein Kriminalstück der Extraklasse vor sich hat. Tatsächlich lautet der Untertitel der deutschen Ausgabe auch Ein Roman aus der irischen Provinz, was die Reihe wesentlich besser umschreibt als das englische A Mobile Library Mystery. Die Fälle von Israel sind eigentlich nicht der Rede wert und enden sehr unspektakulär. Das Erfolgsrezept der Bücherbusgeschichten ist und bleibt das Völkchen und die Umgebung, mit der es der arme Israel tagtäglich zu tun hat. Das ist was für Irlandfreunde (aber nicht die Romantiker), für Menschen, die den Helden eines Buches gern nervlich leiden sehen. Ihr kennt sicherlich diese Momente in Geschichten, in denen Situationen so verfahren sind, dass man nicht mehr hingucken oder zuhören mag, das man sich fremdschämt und nur aus purem Masochismus weiterliest. Sowas ist das hier.
Ich finde, dass es Spaß macht. Die Romane leben viel von Running Gags und den immer gleichen Figuren, aber man gewinnt das schräge kleine Universum namens Tumdrum und seine Einwohner sehr lieb. Wie ein Gericht, das man zuerst nicht mochte, das man aber irgendwie doch lecker findet und irgendwann immer wieder essen möchte. Und ich weiß auch schon, wie die ganze Reihe endet. Israel wird irgendwann entnervt nach London zurückkehren und unter dem Namen Bernard Black ein Antiquariat aufmachen. Da bin ich mir ziemlich sicher! Bis dahin – viel Spaß in Tumdrum. Drei Bände sind bisher in deutscher Sprache bei Piper erschienen, die nächsten sind bereits angekündigt. Text Copyright Anna-Selina Sander 2009 Cover Copyright Piper Verlag |