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Ash – Singles H: Space Shot I: Neon + Studiokonzert am 3.2.2010
ashvon Anna-Selina Sander

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Space Shot erschien am 18. Januar 2010 und war seit der Veröffentlichung eines Trailers mit kurzen Anschnitten der Songs einer der am sehnlichsten erwarteten Titel. Mit seinen vielen kleinen Elektrosounds kann das Lied stilistisch wieder in Richtung Return of White Rabbit geschoben werden, auch der Aufbau und die Melodie sind dem Prequel der A-Z Series recht ähnlich. Weniger rockig als die letzten Veröffentlichungen, dafür mit einem vielstrebigen Gerüst aus Synthesizerspuren, die Return of White Rabbit von der technischen Ausgereiftheit her noch um einiges überflügeln. Der Song hat einen sehr tanzbaren Rhythmus, der Gesang geht etwas im Soundkonglomerat unter, ist aber nach wie vor catchy und mitsingtauglich – was aber Standardvoraussetzung für ein Ash-Stück und daher eigentlich nicht erwähnenswert ist.

Der Text klingt hingegen eher so, als wäre er kurz vor Feierabend schnell auf die Musik draufgeschrieben worden. Ein bisschen geekig, ein wenig dem Rhythmus angepasste Sexiness, Sterne und Weltraum sind auch immer bekannte Standards – da kennen wir besseres. Aber beschweren will ich mich nicht, das ist ein feines Lied, auf dessen Liveperformance ich mich sehr freue.

Stichwort Liveperformance! Am 3. Februar meldeten Ash sich aus ihrem New Yorker Studio zu einem Livestream-Konzert, bei dem größtenteils Material aus der A-Z Series gespielt wurde. Der Opener des Konzertes war dann auch gleich Neon, die aktuelle Single aus dem Atomic Hearts Records-Studio. Als dunkles Gegenstück zu Arcadia propagiert, wurde es von den Bandmitgliedern als Geheimtipp und Lieblingsstück empfohlen. Man kann es ihnen nachempfinden, denn die Ähnlichkeiten zu Arcadia (übrigens immernoch mein derzeitiger Favorit aus der Serie – just so you know) sind tatsächlich da. Angefangen bei der über allem schwebenden Klavierspur, über den Aufbau mit dem wuchtigen, opulenten Refrain und dann zum Text, der Space Shot zum Beispiel im Handumdrehen in die Tasche steckt. Da wurde lange dran gearbeitet, und er ist wieder voll mit den wheelerschen astronomischen und -logischen Metaphern, die in jedem zweiten Ash-Text zu finden sind. Der Text funktioniert an seinen Pointen hervorragend mit dem Songwriting zusammen. Es spricht eine ähnliche Sehnsucht aus ihm wie aus Arcadia, nur längst nicht so unschuldig. Auch die Tonarten sind hauptsächlich der moll-Skala entnommen und bilden einen wirkungsvollen Kontrast zum Refrain. Insgesamt unterschreibe ich die „Ähnlichkeit zu Arcadia“-Geschichte, aber ich halte Neon für noch eine halbe Stufe besser. Arcadia lebte von seinem grenzenlosen Optimismus und seiner Fröhlichkeit, die aus einer ganz simpel gestrickten Akkordfolge zusammengebaut wurde, bei Neon ist mehr technische Finesse am Start. Stellt die Lieder mal nebeneinander und hört genau hin, dann wisst ihr, was ich meine.



Live im Stream wirkte das Stück noch nicht so ganz überzeugend, aber laut Wheeler hatte die Band erst am Vortag angefangen, es überhaupt zusammen zu spielen. Routiniert dagegen kamen die Klassiker A Life Less Ordinary, Twilight of the Innocents und der Evergreen Kung Fu aus den Boxen, wobei die dem Konzert zwar die Kenn-ich-Sicherheit gaben, aber wirklich interessant waren nunmal die neuen Songs. Return of White Rabbit wurde in einer ausgedehnten Version gespielt, die schon im vergangenen Sommer live zu Ehren kam und auch in einem schicken Livevideo festgehalten wurde. Space Shot war ebenfalls solide, was Tim Wheeler allerdings bei Arcadia auf die Stimme geschlagen hat, kann wohl keiner sagen.

Die Interviewblöcke des Konzerts erbrachten wenig Neues. Plänen zufolge wollen Ash in diesem Jahr die ganze Welt bereisen, es wurde über eine US-Tour gesprochen, nach der UK-Tour soll eine Europatournee folgen, und auch in Japan soll wieder für die große Fanbase gespielt werden. Spätestens, als die Insiderwitze aus dem Messageboard via Facebook eintrudelten, wurde die Fragestunde jedoch etwas dröge. Ich hätte mir etwas mehr Musik und eine bessere Fragenauswahl gewünscht. Aber entscheidet selbst, das Konzert ist aufgezeichnet worden und kann jederzeit begutachtet werden!

Und eine weitere schöne Neuigkeit machte in den letzten Tagen die Runde: Die erste Hälfte der A-Z Series wurde für den 19. April als Compilation auf CD angekündigt, gemeinsam mit einer DVD mit Tourvideos und einigen Bonustracks. Beschwerden über Geldschneiderei kann ich nur kopfschüttelnd entgegensehen. Die Band kann jede Unterstützung brauchen, schließlich hat sie keine Plattenfirma im Hintergrund, an die ein Großteil des Umsatzes gehen würde. Ich freu mich zudem sehr darauf, dass in Deutschland endlich wieder was Körperliches von Ash in den CD-Regalen steht, denn hierzulande hat man die Band ja offensichtlich vergessen. Zwar war Twilight of the Innocents ein Ladenhüter, aber das muss ja für die A-Z Series nicht gelten!

Allgemein ist es interessent, die Variation der Videos zu beobachten. Grafische Grellheiten wie Arcadia stehen im Kontrast zu einfachen Filmmitschnitten (siehe Ichiban), fürchterlichen Strandaufnahmen, die an ein Karaoke-Video erinnern, Live-Einspielern – letztere wurden beide für Tracers ausprobiert, wobei das Livevideo natürlich um Klassen besser ist. Liegt nicht zuletzt an Emmy the Great. Für Pripyat wurden Fotografien aus dem gleichnamigen Buch von Robert Polidori
abfotografiert, in True Love 1980 wurde eine schon fast aufwändig produzierte Liebesgeschichte erzählt und für Space Shot engagierte man eigens den Musikvideoproduzenten Daniel Garcia. Und es kommen noch 20 weitere!

Text Copyright Anna-Selina Sander 2010

Bilder, Video Copyright Ash

 
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