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Click here to read this interview in English Es ist immer wieder eine Freude, Nobuo Uematsu zu treffen. Kaum jemand ist so entspannt, freundlich und sympathisch wie der Komponist der ersten 11 Final Fantasy-Episoden. Dank Konzert-Organisator Thomas Böcker konnten wir Uematsu auch dieses Jahr wieder zu einem ausführlichen Gespräch begrüßen. Und das dürft ihr jetzt hier verfolgen. Gorillas: Wie hat Ihnen das gestrige Konzert im Leipziger Gewandhaus gefallen? Nobuo Uematsu: In Japan ist es nicht ungewöhnlich, dass Orchester bei einer Großveranstaltung Spielemusik zum besten geben. Allerdings habe ich noch nie ein Konzert gesehen, bei dem so eine breite Mischung geboten wurde. In Japan stehen die Veranstaltungen meist unter dem Motto eines bestimmten Spieles wie Final Fantasy anstatt Stücke aus vielen verschiedenen Titeln aus unterschiedlichen Kulturen miteinander zu kombinieren. Gorillas: Wie wir gesehen haben, können Sie kaum einen Schritt laufen, ohne um Autogramme oder Fotos gebeten zu werden... Uematsu: Ich hätte nie gedacht, dass ich hier so viele Fans habe. Ich war ja bereits mehrmals in anderen Ländern wie z.B. Amerika, und ging deswegen davon aus, erkannt zu werden, aber die positive Reaktion hier in Leipzig war doch eine Überraschung! G wie Gorilla: Wenn man Sie so persönlich trifft, wirken Sie für gewöhnlich sehr ausgeglichen und fröhlich. Gestern haben wir allerdings mit den Stücken ‚One-winged Angel’ und ‚Dancing Mad’ vergleichsweise finstere Musik von Ihnen zu hören bekommen. Erzählen Sie uns etwas über die dunkle Seite des Nobuo Uematsu. Uematsu: (lacht) Meine dunkle Seite? Hm, da bin ich mir nicht sicher. Ich denke, ich habe keine fürchterlich dunklen Charaktereigenschaften. Ich mache mir nicht viele Sorgen. Ich werde zwar schnell wegen etwas unsicher, aber sich dann große Sorgen zu machen hilft mir auch nicht weiter. Deswegen versuche ich, solche Dinge einfach zu vergessen. G wie Gorilla: Wie gehen Sie also vor, wenn Sie ein düsteres Musikstück komponieren? Uematsu: Die heiteren Stücke existieren ja bereits – die Sparte der dunkleren Stücke schreibe ich also als Gegengewicht oder Negativ zu diesen. G wie Gorilla: Wie waren die Reaktionen aus der Branche, als es publik wurde, dass Sie mit Smile Please Ihre eigene Firma gegründet haben? Uematsu: Ich habe einige Angebote bekommen. Von Nintendo für das neue Smash Bros. zum Beispiel, oder von Herrn Hironobu Sakaguchis neuer Firma Mistwalker . G wie Gorilla: Dann haben Sie also insgesamt mehr zu tun als zuvor? Uematsu: Das kann man so sagen. G wie Gorilla: Und wie hat sich Ihr Alltag verändert? Uematsu: Eigentlich hat sich da gar nicht so viel verändert... Ich stehe morgens gegen halb acht auf, gehe mit dem Hund spazieren, und um etwa zehn Uhr fange ich mit der Arbeit an. Dann gehe ich nach Hause, trinke vielleicht noch ein Bier. Eigentlich genauso wie zuvor! G wie Gorilla: Wie sieht denn Ihr Weg zum Arbeitsplatz aus? Uematsu: Ich habe ein Zimmer in der Nähe von meinem Haus gemietet. Da arbeite ich. Mit dem Auto fahre ich so um die zehn Minuten bis ich dort bin. G wie Gorilla: Sie haben den Titeltrack für das neue Smash Bros. komponiert. Wie kam es zu diesem Projekt, und warum haben Sie sich dafür entschieden? Uematsu: Ungefähr zu dieser Zeit im letzten Jahr war ich mit einigen Leuten aus der Spielebranche etwas trinken. Der Produzent von Smash Bros., Herr Sakurai, und der Komponist der Smash Bros.-Reihe, Hirokazu Ando, waren damals ebenfalls dabei. Wir haben zu dritt ein wenig geplaudert, und irgendwann fragte mich Herr Ando: „Hast du nicht vielleicht Lust, etwas für das neue Smash Bros. zu schreiben?“. Da hab’ ich geantwortet: „Geht klar.“ G wie Gorilla: So einfach ging das? Uematsu: So einfach ging das! G wie Gorilla: Sie sind also gut mit ihm befreundet? Uematsu: Das stimmt. Nächsten Monat wird es beispielsweise ein Konzert geben, bei dem wir zusammen an einem Stück gearbeitet haben. G wie Gorilla: Können Sie uns Ihre allgemeine Vorgehensweise beschreiben, wenn Sie ein neues Projekt auswählen? Uematsu: Ein Beispiel: Vor kurzem bekam ich ein Angebot von Square Enix... Als mir das Spiel vorgestellt wurde, stellte sich heraus, dass es sich um einen Titel handelte, in dem es eigentlich nur ums Kämpfen ging. An solchen Spielen habe ich kein großes Interesse, also habe ich es abgelehnt. G wie Gorilla: Spiele wie das gestern von Will Wright angeschnittene Death Sword (Anm.: Ein fiktives Hack&Slay, das Will Wright in einem Vortrag stellvertretend für die heute vorherrschen einfallslosen Softwaremassen ins Feld führte) haben also keine große Chance bei Ihnen? Uematsu: Nein, solche Sachen möchte ich nicht unbedingt machen. Für mich ist es wichtig, dass das Spiel dramatische Züge und Geschichten beinhaltet. Es muss das Potenzial haben, den Spieler zu bewegen. G wie Gorilla: Wie bereiten Sie sich auf die Arbeit an einem Spiel vor? Studieren Sie die Geschichte und die Figuren sehr genau und fangen dann an? Uematsu: Ja, für gewöhnlich bekomme ich alles nötige bevor ich mit der Arbeit anfange – Informationen zur Geschichte, zu den Figuren und zur Weltkarte. G wie Gorilla: Wie steht es um Ihre Band, die 'Black Mages’? Uematsu: Wir planen gerade das dritte Album. G wie Gorilla: Haben Sie auch vor, Live-Auftritte zu veranstalten? Uematsu: Noch nicht. Aber im letzten Jahr gab es ein Konzert namens ‚Voices’ in Yokohama. Dort haben wir als Zugabe etwas von den Black Mages gespielt. G wie Gorilla: Was für eine Art Musik wird auf dem neue Black Mages-Album zu finden sein? Uematsu: Diesmal wird es ein Doppelalbum. Die erste CD bietet wie gewohnt arrangierte Versionen von Final Fantasy-Stücken. Aber mit der zweiten CD versuchen wir, alte japanische Mythen musikalisch zu präsentieren. G wie Gorilla: Gehören Stücke. die Sie für Square oder Square Enix geschrieben haben eigentlich Ihnen? Müssen Sie Square Enix um Erlaubnis fragen, wenn Sie beispielsweise einen Remix von ‚Dancing Mad’ schreiben möchten? Uematsu: Die Rechte liegen bei Square. Aber wenn ich etwas mit den Kompositionen machen möchte, darf ich das für gewöhnlich auch ohne weiteres tun. G wie Gorilla: Bei wem liegen die Rechte für Arbeiten, die Sie unter ‚Smile Please’ erstellen? Bei Ihnen? Uematsu: Natürlich! G wie Gorilla: In Final Fantasy VI haben Sie für jede einzelne Figur sowie die einzelnen Schauplätze einzelne Themen gehabt. Dadurch wirkten die Figuren wie die Figuren aus einer Oper, die durch ihr jeweiliges Thema in die Geschichte eingepasst sind. In späteren Teilen der Serie haben Sie diese Methode, Figuren zu charakterisieren nicht mehr in diesem Ausmaß angewendet. Wieso? Uematsu: Ich denke, das war eine Methode, die ganz besonders für den sechsten Teil geeignet war. Außerdem war es ein Wunsch von Herrn Sakaguchi. Er meinte, er hätte gerne ein eigenes Thema für jede Figur, also habe ich das auch so gemacht. Ich persönlich halte nicht sehr viel von dieser Methode. Denken Sie mal drüber nach: Selbst wenn es zehn Hauptfiguren gibt, werden diese zehn Figuren mit Sicherheit nicht allesamt eine gleich wichtige Rolle spielen. Maximal drei oder vier. Die Restlichen sind dann eher eine nette Zugabe. Das macht es sehr schwierig, jedem einzelnen Charakter ein gleichwertiges Thema zu komponieren.  
G wie Gorilla: Das heutige Square Enix ist als eine der größten Videospielfirmen mit Sicherheit ein anderer Arbeitsgeber als es das Squaresoft der 80er Jahre war. Ist Ihnen die Größe der Firma auf kreativer Ebene jemals zum Hindernis geworden? Haben die Erwartungen der Fans und Ihrer Vorgesetzten auf negative Weise Druck auf Sie ausgeübt? Uematsu: Wenn eine Firma von 10 Beschäftigten auf 1000 anwächst, ändert sich natürlich sehr viel. Da muss man in erster Linie Geld machen. Als Squaresoft noch aus 10 oder 20 Leuten bestand, wollte man etwas interessantes und unterhaltsames anbieten. Alle Leute sind ihren Träumen und Ideen gefolgt oder haben das gemacht, was sie für richtig hielten. Eine Firma von 1000 Leuten lässt sich nicht mehr alleine mit Träumen betreiben. Der Druck ist durchaus vorhanden. G wie Gorilla: Der Soundtrack von Final Fantasy XII wurde zu großen Teilen von Hitoshi Sakamoto komponiert, Teil XIII liegt bereits bis auf den Titeltrack in den Händen von Masashi Hamauzu. Wie fühlt es sich für Sie an, nach so langer Arbeit an der Serie ihr ‚Kind’ Final Fantasy schließlich anderen Komponisten zu überlassen? Uematsu: Ich habe eigentlich nicht das Gefühl, dass Final Fantasy in irgendeiner Weise ‚meine’ Serie ist. Ich denke, man kann sagen, dass das ursprüngliche Final Fantasy mit Teil VI zu Ende gegangen ist. Ab Teil VII sind jede Menge junge Leute mit in das Entwicklerteam aufgenommen worden, und es war nicht mehr möglich zu sagen, wer nun tatsächlich der Autor des Spiels war. Vorher gab es ein festes Team mit einheitlicher Aufgabenverteilung. Alles was nach Teil VI kam betrachte ich nicht als ‚mein Werk’. G wie Gorilla: Das ist ein Punkt, in dem sich Final Fantasy von Dragon Quest unterscheidet – Das Dragon Quest Team ist seit dem ersten Teil sehr beständig. Uematsu: Ganz richtig. Bei Final Fantasy wechselt dagegen das Team ununterbrochen. Ich denke, dass es bei Final Fantasy keine derartige Konsistenz gibt. G wie Gorilla: Sind Ihre neuen Projekte wie Blue Dragon also wieder eine persönlichere Erfahrung? Uematsu: Bei meinen neuen Projekten mit Smile Please habe ich die Möglichkeit, mich wieder voll und ganz auf die Arbeit an einem Spiel zu konzentrieren. Während der Arbeit an den letzten Final Fantasy Spielen habe ich gleichzeitig an verschiedenen Projekten gearbeitet. Das war sehr zeitaufwändig, und ich konnte ein Projekt nicht mehr alleine durchführen. An Blue Dragon dagegen war ich ganz alleine tätig. Das war schon sehr hilfreich und hat sehr viel Spaß gemacht.  
G wie Gorilla: Dann können wir also einen großartigen Soundtrack erwarten! Uematsu: (wird sehr enthusiastisch) Auf jeden Fall! Ganz ohne Witz – ich habe das Gefühl, dass ich seit langem wieder etwas richtig gutes zustande gebracht habe.
G wie Gorilla: Jetzt sind wir aber neugierig... Uematsu: Schade, eigentlich hätte ich ein paar Samples mitbringen können... Die Musik ist bereits aufgenommen und das Spiel geht gegen Ende des Jahres in den Handel. Den Soundtrack wird es wohl gegen November geben. Sie können wirklich einiges von dem Titel erwarten. Es gibt auch mehrere Lieder in dem Spiel, und die Texte wurden allesamt von Herrn Sakaguchi selbst geschrieben. Sehr schönes Material! Ich hatte wirklich viele Freiheiten mit diesem Titel, mit der Orchestrierung, mit Chören und all diesen Dingen. G wie Gorilla: Vielen lieben Dank für das Interview, es hat uns gefreut, wieder mit Ihnen zu plaudern. Uematsu: Ganz meinerseits! |