von Michael Steber China (2008), Regie: Wilson Yip; Drehbuch: Edmond Wong; Kamera: Sing-Pui O; Musik: Kenji Kawai; Darsteller: Donnie Yen, Simon Yam, Siu-Wong Fan, Ka Tung Lam, Yu Xing Erschienen bei: Splendid Entertainment/WVG Preis: ca. 19 € IP Man (Blu-ray) bei Amazon.de ca. 15 € Ip Man (2 DVDs) bei Amazon.de Es gibt unzählige Filme nicht nur mit, sondern auch über Kung Fu, und viele von ihnen haben auch mehr oder weniger historische Ereignisse zum Inhalt. Ein relativ junger Vertreter aus dieser Sparte ist der bereits 2008 in Hong Kong erschiene und nun auch in Deutschland erhältliche Ip Man. Mit Donnie Yen in der Hauptrolle behandelt Ip Man als erster Film überhaupt das Leben des gleichnamigen Großmeisters des Kung Fu, der wesentlich zur Verbreitung des Wing Chun Stils beitrug und nicht zuletzt auch durch seinen Schüler Bruce Lee unter Kampfkunstinteressierten große Bekanntheit erlangte. Beim Stichwort Wing Chun werden sich viele Kampfkünstler über einen Film zu ihrem Stil freuen, genauso viele werden einem solchen Film allerdings auch prinzipiell kritisch gegenüberstehen, steht der Name Wing Chun doch heutzutage nicht nur für effektives Kung Fu, sondern leider oftmals ebenso für aggressives Marketing, hochnäsige Selbstdarstellung und juristische Kontroversen. Schon wenn man den Film Ip Man aus seiner Hülle nimmt, schwant einem Böses: der Blu-Ray Disc liegt ein Gutschein für Probestunden bei einer nahegelegenen Wing Chun Schule bei. Dennoch kann man entwarnend feststellen, dass Ip Man natürlich kein stumpfer Werbefilm ist, nicht zuletzt auch dadurch, dass die Kontroversen um den Kampfstil erst viel später mit Leung Ting und dessen Schüler Keith Kernspecht begannen und der Film ein rein historisches Licht auf Wing Chun wirft.  Ip Man beschränkt sich auf die ersten Lebenshälfte des Meisters und zeigt zunächst das Leben von Ip Man als wohlhabender Mann, der in der südchinesischen Stadt Foshan mit seiner Familie lebt und trotz gelegentlicher Kämpfe darauf verzichtet, sein Kung Fu an Schüler weiterzugeben. Diese Idylle wird vom Ausbruch des zweiten japanisch-chinesischen Krieges zerstört und Ip Man ist unter der japanischen Besatzung gezwungen, sich und seine Familie mit Gelegenheitsarbeiten über Wasser zu halten. Als Folge der Hungersnot veranstalten die Besatzer Kämpfe um Reissäcke, an denen nach dem Tod eines Freundes auch Ip Man teilnimmt und die Aufmerksamkeit des japanischen Generals Miura auf sich zieht. Nachdem er sich dazu entschließt, eine Wing Chun Schule zu gründen, wird der Meister schließlich von Miura zu einem Duell herausgefordert.
Dieser historische Rahmen ist traditionell ein schwieriges Thema und so verwundert es kaum, dass Ip Man als chinesischer Film die japanischen Besatzer sehr negativ darstellt. Mit dem Angriff der Japaner verliert der Film seine strahlenden Farben und erscheint blasser und trostloser als zuvor. Die Japaner selbst werden zumindest teilweise abgesehen von General Miura durchweg beinahe schon als Karikaturen sadistisch und emotionslos dargestellt. Ihr Japanisch wirkt gegenüber dem Kantonesisch der Einheimischen kalt und ihre Verbeugungen erscheinen wie blinder Gehorsam. Am Ende des Films wird erwartungsgemäß auch die Rolle von Ip Man im Befreiungskampf deutlich übertrieben. Nichtsdestotrotz erscheint die parteiische Darstellung des Films dem außenstehenden Zuschauer verständlich und wirkt nie unerträglich.  Trotz seines brisanten historischen Hintergrunds ist Ip Man im Grunde natürlich ein Kung Fu Film und punktet auf diesem Gebiet mit exzellenten Choreographien und einer ungeahnten Emotionalität. Hier prallen nicht einfach nur Kämpfer aufeinander, sondern vielmehr mit Karate und Kung Fu ganze Kampfstile und Kulturen. Durch die Verwendung von Wing Chun und seinen charakteristischen Techniken wie Kettenfauststößen bekommen dabei selbst langjährige Fans von Eastern Neues zu sehen. Diese nahezu perfekten Choreographien und seine interessante Thematik machen Ip Man für Freunde des Genres und Kampfkunstinteressierte zu einem Muss. Weiteren Grund zur Freude bietet auch die Tatsache, dass sich bereits eine Fortsetzung in Produktion befindet, die unter anderem von der Lehrtätigkeit des Meisters in Hong Kong erzählt und mit Legende Samo Hung als Stuntchoreograf und Darsteller aufwarten kann. Text Copyright Michael Steber 2010 Bilder Copyright Splendid Entertainment/WVG |