von Anna-Selina Sander Autor: Thomas Finn Erschienen bei: Ravensburger Buchverlag ISBN: 978-3-473-35305-7 Preis: € 16,95 Der brennende Berg bei Amazon.de Praktischerweise ist soeben der dritte Band vonThomas Finns Vorgängerreihe, Die Chroniken der Nebelkriege, in der Taschenbuchausgabe erschienen. Und auch da scheint es so, als sei Ravensburger bezüglich der Covergestaltung auf den letzten Metern die Puste ausgegangen. Sowohl die ersten beiden Bände der Nebelkriege als auch die ersten beiden der Wächter von Astaria hatten glänzende, schillernde Buchumschläge mit Silberpapier. Die Abschlussbände beider Reihen allerdings sind auf herkömmlichem weißem Papier gedruckt, was die Reihe optisch leider etwas unzusammenhängend erscheinen lässt. Am Preis hat sich nichts geändert – was auch immer der Grund war, es ist schade.
Aber es ist ja bekanntlich auch der Inhalt, der zählt! Und da passiert in diesem Roman eine ganze Menge, um nicht zu sagen zuviel. Die Figuren taumeln von einer epischen Schlacht in die nächste, es müssen reihenweise essentielle Geheimnisse gelüftet werden, deren Tragweite durch den schnellen Wechsel der Schauplätze überhaupt nicht zur Geltung kommt. Alles beginnt mit der Befreiung Celestes aus der Tiefen Festung Zagrab, dann stößt eine neue Figur zur Gruppe, weiter geht’s nach Verona, wo die Verräter im Paladinorden gestellt werden müssen, außerdem sucht Fabio noch immer nach den stellaren Waffen, von denen er sich Hilfe im Kampf gegen den Gefallenen Astronos erhofft. Zurück in Firenze muss die Stadt in einer gigantischen und sehr schön beschriebenen Schlacht gegen die ersten anstürmenden Goblins verteidigt werden, die mit haushohen Riesenkäfern, Katapulten und Donnertürmen gegen die Verteidiger zu Felde ziehen. In der Sternenbasilika schließlich kommt es zur Konfrontation mit Astronos' Macht, aber auch zu einer erhellenden Vision für alle Beteiligten. Nun gilt es, das Rätsel um den Ort des Sternenkerkers zu lösen, Astronos zu besiegen bzw. die Goblins daran zu hindern, ihn aufzuwecken, und dann sind da ja auch noch die Werwölfe, deren Geheimnis auch noch nicht gelüftet ist. Es passiert einfach zuviel Großes in zu kurzer Zeit in diesem Roman. Das ist per se nichts schlechtes, denn so wird es nicht langweilig. Aber all die schönen Ideen, die Finn in Der brennende Berg eingebracht hat, die zauberhaften Orte, die er sich wieder ausgedacht hat, all das geht unter angesichts des vollen Terminplans der Helden. Deren Charakterentwicklung leidet leider auch darunter. Das hat Finn bei der letzten Reihe wesentlich besser gemacht, da hat sich die ganze Geschichte im letzten Band noch einmal so schön weiter entfaltet, dass man meinte, ein völlig neues Buch zu lesen. Auch da ist viel passiert, aber es war entzerrter und besser strukturiert, und die Hauptfigur trug die Geschichte auch überzeugender mit. Der arme Fabio hingegen, mehr Rittermantel und Weltenretter als Persönlichkeit, wird von einem Kampf und einer mysteriösen Stätte zur nächsten gehetzt, so dass die einzelnen Episoden der Geschichte nicht richtig zu Geltung kommen. Das wird leider noch verstärkt durch die immer gleichen Mittel, mit denen er und seine Freunde sich durch ihr Abenteuer wurschteln, nämlich Archimboldos Wundergeräte. Die verdrehen den Kontrahenten entweder das Hirn, so dass sie sich auf der Seite der Helden wähnen, oder pusten sie mit mächtigen Sturmwinden einfach davon. Diese Geräte gehen auch niemals kaputt. Manchmal wünscht man sich förmlich, dass irgendein Goblin doch bitte mal kräftig auf den Tranceometer tritt, auf dass sich die Figuren endlich mal was anderes einfallen lassen! Ist einem nicht vergönnt. Wer auf die Auflösung der Trilogie brannte, der wird nicht enttäuscht werden. Wie bereits erwähnt ist auch Der brennende Berg wieder voller schöner Einfälle und traumhaft ausgemalter, sehr bildhaft dargestellter Orte und vor allem Maschinen und magischer Gerätschaften, die die Geschichte unglaublich farbenfroh machen. Ich glaube auch, dass Kindern oder Jugendlichen diese Überladung, mit der ich nicht klarkomme, gar nichts ausmacht. Ich hatte beim Lesen immer eine Fernsehserie vor Augen. All die bunten Lichter, Flügel, Sterne und Waffen haben für mich was Anime-mäßiges, und mit der Rasanz der Erzählung kombiniert könnte das die Zielgruppe vielleicht sogar richtig packen. Ich bin vermutlich einfach zu alt! Artikel zu Die Wächter von Astaria 1: Der letzte Paladin Artikel zu Die Wächter von Astaria 2: Die flüsternde Stadt Text Copyright Anna-Selina Sander 2010 Cover Copyright Ravensburger Buchverlag |