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Leonie Swann: Glennkill
glennkill

von Bettina Herbig

Autor: Leonie Swann
Erschienen bei: Goldmann
ISBN: 978-3442464159
Preis: € 8,95 Glennkill bei Amazon.de

Tierkrimis sind vor allem in der Kinder- und Jugendliteratur beliebt. Doch auch Erwachsene haben daran ihre Freude. Und so versammelt sich im Krimiregal immer mehr Viehzeug, neben Katzen und Hunden jetzt auch Leonie Swanns Schafe.

Im beschaulichen irischen Küstenstädtchen Glennkill ist ein Mord passiert. Davon sind zumindest die Schafe in Georges Herde überzeugt. Der Schäfer wird sich wohl kaum selbst seinen Spaten in den Leib gerammt und sich anschließend auf die Weide gelegt haben. Dieses einschneidende Ereignis stürzt die Herde um den etwas alterssenilen Leitwidder Sir Ritchfiled und Miss Maple, das wahrscheinlich klügste Schaf der Welt (zumindest das klügste Schaf in Glennkill) in existenzielle Fragen: Wo ist Tess, Georges Schäferhund? Wer hält die Schafe vom Gemüsegarten fern? Wer führt sie morgens die paar Schritte vom Stall auf die Weide und abends wieder zurück? Wer liest ihnen jetzt Pamela-Romane vor? Und vor allem: Wer hat den Spaten in George gesteckt? War es der Metzger, dessen Hände immer nach Tod riechen und den jedes Schaf fürchtet? Oder war es dieser Gott, der George in einer Kiste im Totengarten vergraben hat und am liebsten über sich selbst spricht? Oder war es gar ein Schaf? Und wer ist Rebecca, die sogar Tomaten an die Schafe verteilt?

Leonie Swann ist hier mit ihrem Erstlingswerk eine witzige Außensicht auf das Verhalten der Menschen angesichts dieses Mordes gelungen. Die Beobachtungen der Schafe über die angebliche Krone der Schöpfung sind mehr als komisch. Denn die führen hier einen Tanz um den Vulkan auf, dass es schon nicht mehr feierlich ist. Jeder verdächtigt jeden, weil fast jeder zumindest ein kleines Motiv hätte, um George Glenn unter die Erde zu wünschen. Und das ist alle mal lustig zu lesen. Was jedoch die Krimihandlung anbelangt, und auf die habe ich als passionierte Hobby-Kriminologin mein Hauptaugenmerk gelegt, muss man eingestehen, die Beweislage ist oftmals etwas dürftig. Klar, ist ein Debütroman, da kann noch was kommen. Klar, wenn Schafe ermitteln läuft das etwas anders als normal. Und so verheddert sich Leonie Swann manches Mal in Andeutungen und Motvichen, die sich dann entweder in Wohlgefallen auflösen oder von Kommissar Zufall gelöst werden. Nur so bleibt das beliebte Ratespiel „Wer war’s?“ beim Leser oft auf der Strecke.

Das fällt umso mehr auf, wenn man die augenscheinliche Namenspatin von Miss Maple im Sinn hat. Leonie Swann scheint ohnehin Spaß an einer beredten Namensgebung zu haben. Logisch, dass der schwarze Widder mit der dunklen Vergangenheit Othello heißt und dass Schäfer Glenn in Glennkill dran glauben muss. Leider gelingt ihr auch mit der Einführung von Widder Melmoth – eine Anspielung auf die Gothic Novel Melmoth, the Wanderer des irischen Schriftstellers Charles Rupert Maturin – der gerne pseudophilosophische Reden über die Schafspsyche hält, nicht, die Krimihandlung in Gang zu bringen. Oft genug wünscht man sich einen Kommissar herbei, der die Sache etwas in Schwung bringt. Denn „leider“ agieren die Schafe hier, anderes als in anderen Tierkrimis, eben wie – Schafe. Sie schicken zwar immer wieder Stoßtrupps ins Dorf auf Lauschposten, woraufhin sich der Pastor von Dämonen in Bocksgestalt verfolgt fühlt, und diskutieren den Stand ihres Wissens ausgiebig im Stall und auf der Weide, aber die Handlung treiben sie so nicht voran.

Trotzdem ein nettes, kleines Buch. Aber bitte lest es nicht als Krimi, sondern stellt euch lieber mit den Schafen von Glennkill die Frage: benehmen sich Menschen nur so dämlich oder sind sie es auch?

Text Copyright Bettina Herbig 2010

Cover Copyright Goldmann Verlag
 
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