von Frederik Wilhelmi USA (2008), Regie: Alex Holdridge; Drehbuch: Alex Holdridge; Kamera: Robert Murphy; Darsteller: Scoot McNairy, Sara Simmonds, Brian McGuire, Kathleen Luong, Twink Caplan Erschienen bei: mystorm Preis: ab 6 € (UK-Import) In Search Of A Midnight Kiss bei Amazon.de Los Angeles in Schwarz-Weiß am Silvesterabend. Ein End-zwanziger befindet sich auf der Such nach der Liebe, zusammen mit einem Date, dass er über den Internet-Service Craigslist kennen gelernt hat und die mindestens so viele Probleme mit sich herum trägt wie er. Der Film beginnt als Wilsons Leben seinen Tiefpunkt erreicht. Sorgfältig schneidet er mit dem Lassotool von Photoshop das Gesicht der Freundin seines Mitbewohners aus und überträgt es auf das Foto eines Nacktmodels. Dann beginnt er zu onanieren, nicht wissend dass sein Mitbewohner Jakob zusammen mit besagter Freundin Min noch spät in der Nacht nach Hause gekommen ist und just in diesem Moment ins gemeinsame Wohnzimmer kommt. Wilson flüchtet ins Bad und muss sich von dort aus anhören wie Jakob und Min darüber diskutieren, ob dass wirklich sie auf dem Bild ist.  Jakob und Min nehmen die Sache mit Humor beschließen aber, dass es so nicht weitergehen und Wilson am Silvesterabend nicht alleine seien darf. Der pragmatische Jakob handelt entschlossen und nötigt Wilson bei craigslist.org eine Kontaktanzeige zu schalten. Prompt meldet sich Vivian, die ihm 2 Minuten gibt sie davon zu überzeugen, dass sie bis 6 Uhr abends die Zeit miteinander verbringen sollen. Dann muss neu verhandelt werden, denn sie will auf keinen Fall diesen Abend mit irgendeinem Fuck-Up verschwenden. Das Vivian ungeduldig und unfreundlich ist und jede Möglichkeit des Geschlechtsverkehrs am selben Abend kategorisch ausschließt stört Wilson nur wenig und so beginnen sie eine bitter-süße Reise durch das nächtliche LA. Viele Kritiker fühlten sich ob dieser schwarz-weißen, lustig, traurigen Liebesgeschichte, die auch eine Liebeserklärung an die Stadt Los Angeles und ihre schrulligen Bewohner ist, an Woody Allens Manhattan erinnert. Aber dieser Vergleich hinkt. Woody Allen schafft in seinem Meisterwerk eine viel größere ironische Distanz zu seinen Figuren, während der Film von Alex Holdridge zwar witzig ist und die Situation der Figuren ähnlich übertrieben bitter, aber dennoch hat man das Gefühl, dass er ihre Ängste und Leiden sehr viel ernster nimmt. (Bevor sich jemand beschwert, dass ich Manhattan nicht den verdienten Respekt zukommen lasse: So war es nicht gemeint. Es ist ein wunderbarer Film.) Die Charakter sind bis zu den Nebendarstellern liebevoll gezeichnet. Keiner ist perfekt: Wilson ist nicht nur der hoffnungslose Romantiker, sondern auch unsicher und rücksichtslos. Und Jakob und Min scheinen zwar das perfekte Paar zu sein, aber während Jakob überzeugt ist und ihr noch am Abend einen Heiratsantrag machen will, kann der Zuschauer die uneingeschränkte Liebe Mins' durchaus in Zweifel ziehen. Perfekt entwickelt sich der Charakter Vivians. Während man sie zuerst als oberflächlich und herzlos empfindet, lernt man ganz allmählich das Gute und Verletzliche in ihrem Wesen kennen.
Dass der Film auch eine Liebeserklärung an die Los Angeles ist zeigt sich in den wunderschönen schwarz-weiß Bildern, die zusammen mit der Musik von Bands wie Shearwater oder Okkervil River genau die richtige Stimmung für die Geschichte erzeugen. Ein richtiger Happy- End Film ist In Search of a Midnight Kiss natürlich nicht, dass wäre zu einfach und zu langweilig. Anderseits kommt es wohl auch ein wenig darauf an wie man ein Happy End für sich persönlich sieht. Optimistisch und lebensbejahend ist der Film auf jeden Fall. Man darf sich also schon mal auf ein baldiges Erscheinen des Films in deutschen Kinos freuen. Text Copyright Frederik Wilhelmi 2010 Bilder Copyright mystorm
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