von Anna-Selina Sander Download & Vinyl Command Okay. Scheißt doch auf Weiterentwicklung, Synthesizer und all diesen neumodischen Quatsch. Wir sind wieder im Jahre 1996 angekommen. Command ist irgendeine plötzlich wieder ans Licht gekommene B-Seite vom ersten Majoralbum 1977 – möchte man zumindest meinen, wenn man im Windkanal dieses Punkknüllers steht, in dem Mark Hamiltons knurriger Bass den Boden zerpflügt, die Gitarre fröhliche lockere Akkorde hüpft, Tim Wheeler mit enormer Geschwindigkeit die Lyrics aus dem Mund zaubert, in der Strophe monoton, im Refrain wagt er wieder große Intervallsprünge, aber er kann es schließlich!, und Rick McMurray wie gewohnt mit beeindruckender Ausdauer die Schlagzeugfelle perforiert. Da gibt’s nichts mehr zu diskutieren, da muss man tanzen und springen, und ich möchte dieses Lied bitte live hören. Es führt kein Weg dran vorbei.
Song of Your Desire Was ist das? Da haben wir das komplette Gegenstück zu Command, ich werde ja nicht müde, die Virtuosität und Vielseitigkeit in den Himmel zu loben, die diese Band seit ihrer Lossagung von der Plattenindustrie ausleben kann. Träumerisch und schläfrig kommt dieses Stück daher, Unkenrufe würden es vermutlich als scheisnlangweilig bezeichnen. Jedoch versprach jüngst Hamilton, das Sprachrohr der Band: „She's a grower.“ Ihm sei geglaubt, und nach einigen Wiederholungen entfaltet sich tatsächlich der Zauber des Stückes. Der schwermütige Text, gesungen in tiefen Tonlagen, ist eine schöne Gegenbewegung zu den hohen synthetischen Klavier- und Gitarrentönen und verbindet sie mit dem monotonen Bass. Einzig im Refrain gibt es einen Ausreißer aus dem nachdenklichen Muster, der sich in der zweiten Hälfte noch einmal potenziert. Der Text passt hervorragend in diese kalten und nun ja doch wieder schneeverseuchten Vorfrühlingstage, in denen man sich nach nichts mehr sehnt als nach Sonnenschein und Wärme. Craving for the sun, I crave your golden light. Seufz.
Und dann war da noch Night Terrors, das nach Lay Down Your Arms und Gallow's Hill als dritter Bonustrack an alte und neue Subskribenten ausgegeben wurde. Wieder eine Hinwendung zu einem komplett neuen Stil, basslastig und wieder mit jeder Menge Synthetik, Drama und Dynamik. Das Solo erinnert mich (mal wieder) an das Doctor Who-Thema, das scheint irgendwie ein beliebtes Objekt für Hommagen zu sein. Macht aber nichts, mir gefällts. Euch bestimmt auch. Bleibt noch zu sagen, dass Ash sich in diesem Jahr um Kopf und Kragen touren. Gigs in Japan sind bereits für Anfang April angekündigt, danach geht es weiter durch die größeren Venues (und vor allem: Städte) in Großbritannien, und anschließend auf den Kontinent für Konzerte in Frankreich, den Niederlanden, Belgien, Österreich, und JAWOLL, ENDLICH auch in Deutschland. Liebe Gorillaleser. Laut einem Tourplakat konstatierte das Q Magazine einst, Ash seien eine der „Top 5 bands to see before you die.“ Lasst Euch auch vom Gorilla Magazine gesagt sein: Die haben Recht. Lasst euch diese Gelegenheit nicht entgehen! Text Copyright Anna-Selina Sander 2010 Bilder, Video Copyright Ash |