von Alexander Lachwitz Japan (2007), Regie: Kenji Kamiyama, Produktion: Akio Matsuda, Hisako Matsumoto, Shinjiro Yokoyama, Tomoyasu Nishimura, Musik: Kenji Kawai, Romanvorlage: Nahoko Uehashi, Originaltitel: Seirei no moribito Erschienen bei: Universum Film GmbH Preis: ca. 7€ Guardian of the Spirit bei Amazon.de Vorweg sollte ich gestehen dass mich Fantasy-Animes in Serienform meist nur wenig reizen. Ich bin einfach ein Fan der Low-Fantasy und mag es wenn die Dinge nachvollziehbar und wenigstens ansatzweise glaubwürdig sind. Das ist ja eher bei der westlich-orientierten Fantasy der Fall, die leider meist Low-Fantasy mit Low-Story gleichsetzt. Aber zum Glück gibt es auch so manche Anime-Reihe die sich gekonnt der Low-Fantasy widmet. Und das bringt uns nun direkt zu Guardian of the Spirit. Erzählt wird die Geschichte der Speerkämpferin Balsa, die im fiktiven (aber äußerst stark am frühmittelalterlichen Japan orientierten) Yogo-Imperium einen besonderen Auftrag erhält. Sie soll den zweiten Sohn des Kaisers vor den Mördern seines Vaters schützen. Jener Sohn ist nämlich von einer unbekannten Macht besessen, die das Wohl des ganzen Landes bedroht. Die Sterndeuter des Kaisers raten dazu den Sohn, und das was in ihm lebt, zu töten damit das Land vor einer verhängnissvollen Düreperiode bewahrt wird. Balsa flieht also mit dem jungen Kaisersohn Chagum vor den Häschern des Kaisers und erhält dabei Unterstützung durch ihren Jugendfreund, dem Heiler Tanda, sowie dessen Lehrmeisterin, der Schamanin Torogai. Auf ihrer Flucht decken sie nach und nach auf was es mit Chagums Besessenheit zu tun hat und suchen fieberhaft nach einer Lösung für die Chagum nicht sterben muss.
Als wenn dies noch nicht genug wäre, muss Balsa sich zwangsweise auch damit auseinandersetzen, dass sie für Chagum nun eine Mutterrolle übernimmt. So wie sie in diese langsam hineinwächst, erfährt Chagum nach und nach was es bedeutet ein normales Leben zu leben, abseits von Palastmauern und ohne diverse Diener und Wachen. Doch auch auf Seiten der Sterndeuter und bei dem ersten Sohn des Kaisers löst die Flucht der Speerkämpferin sowie die Deutungsversuche der Sagen und Legenden so manche Wandlung und Entwicklung aus. Mangels Kenntnis der Buchvorlage von der japanische Autorin Nahoko Uehashi, kann ich nicht sagen ob die Serie eine gute Umsetzung ihres ersten Bandes der Moribito-Reihe ist, oder nicht. Das ändert aber nichts daran dass Guardian of the Spirit mit sehr bodenständigem Material arbeitet und sich damit äußerst konsequent und nachhaltig auseinandersetzt. Selten wird aus vergleichsweise schlichtem Material so viel Handlungsspielraum erarbeitet und gekonnt gefüllt.  In ihrer Darstellung ist die Serie mit dem hohen Grad an Realsimus bei Kämpfen und Ausstattung zwar schon fast an westlichen TV-Serien angeordnet, doch ist die Erzählweise und die Geschichte selbst eine typisch japanische, so dass man dem Geschehen sehr aufmerksam folgen sollte. Die Mischung aus Handlung, Action, Dramaturgie und vor allem der Charakterentwicklung ergibt ein sehr harmonisches Gesamtbild. Keine Folge dient als Lückenfüller, dennoch wechselt das Tempo immer wieder mal um dem Zuschauer auch etwas Luft zu geben dem Plot zu folgen.
Persönlich war ich sehr angetan von dem pseudo-realistischen Hintergrund mitsamt der Religion und dem leichten Einsatz von Magie und übernatürlichem. Klassische Elemente wie Prophezeiungen, Auserwählte und Legenden werden hier nicht nur übernommen, sondern auch reflektiert und mit gutem Grund hinterfragt. Denn sind wir mal ehrlich. Wenn in irgendeiner Geschichte eine Legende auftaucht, wird sie meist als gegeben hingenommen und die Deutung ist dann oft der Schlüssel zum Sieg. Was aber wenn die Ursprünge der Legende selbst schon mit Täuschung und Politik verwoben sind und man ihrer Aussagekraft nicht so einfach trauen kann? An diesem Punkt setzt Guardian of the Spirit sehr geschickt an und schafft es die Grenze zwischen Pro- und Antagonisten zu verwischen.
Je weiter die Handlung fortschreitet, und je mehr Geheimnisse gelüftet werden, umso mehr wird offenbar, welche Verantwortung ein Einzelner zu tragen hat, ganz egal was Legenden und Sagen über ihn prophezeien. Mit Production I.G als Produktionsstudio und Kenji Kamiyama als Regisseur haben hier auch keine Unbekannten an dem Stoff gearbeitet. Am bekanntesten ist sicherlich ihre Arbeit an den beiden Ghost in the Shell-Serien. Eine gewisse Ähnlichkeit von Balsa zu Major Motoko Kusanagi aus letztgenannten Serien ist zeichnerisch zwar vorhanden, aber charakterlich handelt es sich doch um zwei sehr verschiedene Typen, man sollte sich also vom äußeren nicht irritieren lassen. Die prägnante und das asiatisch-mittelalterliche Flair gut einfangende Musik, stammt von Kenji Kawai, dem Haus- und Hof-Komponisten von Mamouro Oshii. Ich kann die Serie jedem ans Herz legen der sich für die japanische Kultur und/oder Religion interessiert. Denn auch wenn die hier gezeigte Welt fiktiv ist, kann man aus ihr doch sehr viel interessantes und dem Verständnis hilfreiches erfahren.  Wer sich einen Einblick in die Serie verschaffen will kann sich die erste DVD günstig kaufen, leider enthält diese auch nur eine Folge. Wer aber schon Prinzessin Mononoke mochte, kann mit Guardian of the Spirit jedenfalls nichts falsch machen! Leider gibt es die 26 Folgen der Serie nur auf Einzel-DVDs die in Deutschland einen - von der ersten Disc einmal abgesehen - typisch hohen Wucherpreis haben. Auch in England kommt man kaum billiger an die Serie heran. Einzig wer einen Regionalcodefreien DVD-Player hat, könnte sich die Serie etwas günstiger aus den USA bestellen, wobei hier natürlich wieder Zollgebühren fällig werden. Man kann nur hoffen dass es bald eine Sammelbox gibt, oder wenigstens einen vernünftigen Preisnachlass auf die Einzel-DVD's. Denn die Austattung der Scheiben rechtfertigt die hohen Preise leider nicht.
Aber aus der Arbeit der Vertriebsfirmen wollen wir den Schöpfern keinen Strick drehen, denn letztere haben hier sehr überzeugende Arbeit geleistet. Und während ich dies schreibe erfahre ich dass es ab 11. Juni eine überraschend günstige Complete Collection geben wird. Also wenn das nun kein Grund zum zuschlagen ist, dann kann ich euch auch nicht mehr helfen. Es fehlt zwar ein Quentchen Epos oder Größe was den Handlungsbogen angeht, doch ist dies mit dem eigentlichen Konzept und den oben genannten Stärken der Serie leider wohl nur schwer vereinbar gewesen. Auch über das Ende der Serie kann man streiten. Ich hätte nichts gegen ein paar mehr Restkonflikte gehabt, aber so wie es ist, überbringt es eine sehr harmonische und gleichzeitig erwachsene Botschaft an die Zuschauer. Die verrate ich hier natürlich nun nicht; selber schauen ist angesagt!
Text Copyright Alexander Lachwitz 2010 Bilder Copyright Universum Film GmbH |