von Thomas Nickel System: PS3 Japan (2009), Art Director: Atsushi Komatsu Entwickler: From Software, Silicon Studios Erschienen bei: Topware Preis: ca. 35€ 3D Dot Game Heroes bei Amazon.de Jedes Spiel hat seine Zielgruppe. Die FIFA-Serie zielt auf Fußball-Fans ab. Halo wendet sich eher an Fans zölliger Baller-Action. Und wer mit der ganzen Fantasy-Thematik nichts anfangen kann, der wird selbst einem Dragon Age: Origins nicht viel abgewinnen können. Aber auch wenn so gut wie jedes Spiel auf eine gewisse Art von Spieler zugeschnitten wird, so sind die Kriterien dafür meist sehr weit gesteckt. Nicht so bei 3D Dot Game Heroes. Folgender Personenkreis wird von dem hierzulande über Topware erscheinende Action-Adventure angesprochen: „Spieler Ende 20 bis Anfang 30, die mit dem NES erste Videospielerfahrungen gesammelt haben, die guten, alten Zeiten vermissen und ein ausgeprägtes Faible für Pixel-Grafik haben“ Gehört ihr genau zu diesem Personenkreis, dann könnt ihr euch das Weiterlesen eigentlich fast sparen und sofort die Geldbörse zücken. 3D Dot Game Heroes wurde nur für euch gemacht, es trifft exakt euren Nerv, wenn ihr zu 8- und 16Bit-Zeiten Titel wie The Legend of Zelda und Klone wie Golden Axe Warrior oder Neutopia nur so verschlungen habt. Trotzdem seit ihr natürlich recht herzlich zum Weiterlesen eingeladen. Die spielerische Basis für 3D Dot Game Heroes ist Nintendos unsterblicher NES-Klassiker The Legend of Zelda. Ja, das Ur-Zelda mit seinem freien, fast sandboxartigen Spielablauf, nicht die späteren, weit lineareren Episoden die weniger Wert auf Freiheit als auf perfekt ausgeknobelte Puzzle-Dungeons legen. Lässt man die innovative 3D-Darstellung einmal außer acht, ist 3D Dot Game Heroes der „Missing Link“ zwischen dem ersten NES-Zelda und dem famosen SNES-Abenteuer A Link to the Past. Hätten Shigeru Miyamoto und seine Mannen die zweite Zelda-Episode nicht als Sidescroller-RPG-Mix inszeniert, dann wäre wohl so etwas wie 3D Dot Game Heroes herausgekommen.  Als kleiner Held mit großem Schwert sollt ihr das Königreich Dotnia vor der obligatorischen bösen Macht retten und ein paar magische Dingsbumse finden – jedes davon ist natürlich in einem Tempel voller Gefahren und Rätsel versteckt und wird von einem bösen Boss bewacht. Kennt man ja. Ihr betrachtet das Geschehen aus einer leicht gekippten Vogelperspektive und haut mit eurem Schwert allerlei verdächtig vertraut aussehendes Gegner-Gezücht aus dem Weg. In der Oberwelt bekommt ihr immer mal wieder Subquests, könnt mit Passanten reden und neue Bomben, Pfeile oder Heiltränke kaufen. In den Dungeons ist neben den Kämpfen dazu noch viel Rätselei angesagt. Verschiebt Blöcke, legt Schalter um, drückt Knöpfe und sucht Schlüssel für verschlossene Türen. Pro Dungeon sackt ihr auch eine neue Extrawaffe ein die stets verschiedene Einsatzmöglichkeiten hat: Der Bumerang kann nicht nur Gegner kurzzeitig lähmen, sondern auch ansonsten unerreichbare Schalter auslösen, mit Bomben sprengt ihr brüchige Wände oder macht dicken Bossen Feuer unterm Hintern. Die Steuerung ist ein Mittelding zwischen der ersten und dritten Zelda-Episode. Ihr könnt euch wie im 16Bit-Spiel diagonal bewegen, eure Schwertkünste sind aber auf einen schnellen Stich direkt nach vorne beschränkt. Die Link´sche Wirbelattacke beherrscht euer 3D-Dot-Held nicht, kann aber mit einer schnellen Bewegung sein Schwert in 90°-Winkeln schwenken. Und konnte Link bei voller Lebensleiste mit seiner Klinge Energiegeschosse abfeuern, wächst euer Schwert hier auf halbe Bildschirmgröße heran.
Bei all den extremen Parallelen – spielerisch, grafisch, musikalisch – drängt sich dann doch der Begriff Plagiat ein wenig auf. Das wird dem Spiel aber nicht gerecht. 3D Dot Game Heroes ist kein Plagiat, es ist eine Hommage, ja fast schon eine virtuelle Liebeserklärung an alte 8- und 16Bit-Zeiten. Es meistert den schwierigen Balanceakt zwischen Zitat und Plagiat durchaus gekonnt. Nicht nur das Gameplay selbst orientiert sich an den Klassikern, Kenner stolpern an allen Ecken und Enden auch auf inhaltliche Anspielungen und Zitate. Die Menü-Musik erinnert frappierend an Koichi Sugiyamas Dragon-Quest-Klänge. Ladepausen werden mit witzigen Pixel-Interpretationen klassischer Spiele-Cover von Castlevania bis hin zu Final Fantasy überbrückt. Im Dorf trefft ihr einen ratlosen Helden, der sich nicht entscheiden kann, ob er seine Freundin aus Kindertagen, oder eine reiche Erbin heiraten soll – der Kenner weiß sofort, dass hier überdeutlich auf den RPG-Klassiker Dragon Quest V angespielt wird. Das macht wieder deutlich: 3D Dot Game Heroes wendet sich direkt an Veteranen der 80er und frühen 90er Jahre und macht daraus auch keinen Hehl. Der innovative 3D-Pixel-Look ist geradezu prädestiniert dafür, eiserne Realismusverfechter zu irritieren, das aufrüstbare XXXL-Schwert des voll aufgeladenen Helden macht von vornherein klar, dass hier einzig und allein der Spielspaß im Vordergrund steht. Natürlich ist ein bildschirmfüllendes Schwert nicht realistisch. Aber es macht einfach verteufelt viel Spaß, sich überlegen durch die Pampas zu mähen. 
3D Dot Game Heroes schafft es, das exzellente Spielgefühl der alten 8Bit-Klassiker ins Jahr 2010 zu retten und dabei viele der potentiellen Stolperfallen zu vermeiden. Entwickler Silicon Studio arbeitet souverän die guten Aspekte der 80er-Hits heraus und vermeidet die nervigeren Eigenschaften. Dazu zahlt sich der Mut zur optischen Eigenwilligkeit der Japaner auf der ganzen Linie aus. So nah 3D Dot Game Heroes spielerisch auch am Plagiat vorbeischrammt, die Präsentation ist wunderbar eigenständig, eigenwillig und mit keinem anderen Titel vergleichbar. 3D Dot Game Heroes setzt dem alten Pixel-Look mit modernen Mitteln ein wunderbares Denkmal. Selbst wenn ihr kein Interesse an den alten 8Bit-Klassikern oder Action-Adventures an sich habt, so solltet ihr euch 3D Dot Game Heroes zumindest wegen der ungewöhnlichen Grafik genauer ansehen – so etwas gab es bisher noch nie und vermutlich wird so schnell auch nichts Vergleichbares mehr kommen.
Eines fehlt der cleveren Truppe aus Japan bei allen grafischen und spielerischen Qualitäten aber dann doch: Ein Genie wie Shigeru Miyamoto. 3D Dot Game Heroes liefert grundsolide Kost: Es spielt sich gut, sieht toll aus und hat gut gestaltete Dungeons mit ordentlichen Rätseln. Aber die qualitativen Höhen der besten Zelda-Episoden erreichen Spielbarkeit und Dungeon-Designs von Silicon Studios’ Hommage dann doch nicht. So frisch und unverbraucht die Präsentation auch daherkommt, spielerisch ist das Voxel-Abenteuer ein fast durchgehendes Déjà Vu, das zu jeder Zeit höchstes Potential zeigt, dieses aber in letzter Instanz nie so ganz ausschöpft. Mit etwas mehr Mut zur Eigenständigkeit und etwas mehr Konsequenz im Spieldesign hätte 3D Dot Game Heroes den Sprung von der liebevollen Hommage zur spielerischen Evolution geschafft.
Aber auch wenn das moderne Retro-Abenteuer sein Potential nicht vollends ausschöpft, so macht es doch allemal richtig Spaß. Dynamische Kämpfe, knackige Rätsel, Dungeons, die euch vor allem gegen Ende alles abverlangen, und natürlich eine unvergleichliche Präsentation machen 3D Dot Game Heroes zum Pflichtkauf für all jene, die die Zeiten vor der polygonalen Machtergreifung vermissen. Wer direkt in die eingangs beschriebene Zielgruppe fällt, der ist sowieso sofort dabei. Und selbst wenn euch der Spielevirus erst mit PSone oder PS2 befallen habt, dann lohnt ein Blick in die bunte Pixel-Welt. Auch wenn ihr nicht jede Anspielung und jedes Zitat erkennt, Spaß werdet ihr im bunten Dotnia auf alle Fälle haben. Text Copyright Thomas Nickel 2010 Bilder, Video Copyright From Software |