von Michael Steber USA (2010) Regie: Harald Zwart, Drehbuch: Christopher Murphey, Kamera: Roger Pratt, Musik: James Horner, Darsteller: Jackie Chan, Jaden Smith, Taraji P. Henson, Wenwen Han, Rongguang Yu Erschienen bei: Sony Pictures Die Bedenken waren erwartungsgemäß groß, als mit Karate Kid wieder einmal ein heiliges Relikt der Achtziger einer Neuauflage unterzogen und dadurch höchstwahrscheinlich entweiht werden sollte. Die offenbar nur über Beziehungen von Vater Will entstandene Hauptrolle von Jaden Smith und die Versetzung der Handlung in das für Kung Fu und eben nicht für Karate bekannte China schienen zu bestätigen, dass die Neuversion von Karate Kid nicht viel mehr als schnelle Geldmache auf Kosten der alten Filme und ihrer Fans ist. Allein Jackie Chan in der Rolle des Meisters ließ auf Qualität hoffen. Nun ist Karate Kid in den deutschen Kinos und es stellt sich die Frage, ob nörgelnde Nerds wieder einmal das letzte Wort behalten oder ob der Film doch den einen oder anderen überraschen könnte.  Die Handlung hat außer ihrem Grundprinzip nicht mehr viel mit den alten Teilen zu tun. Im Mittelpunkt steht nun der zwölfjährige Dre Parker, dessen Mutter nach dem Tod des Vaters aus dem krisengebeutelten Detroit nach Peking versetzt wird, wo die Beiden ein gehöriger Kulturschock und ein isoliertes Expat-Dasein droht. Es kommt wie es kommen muss: Vieles im Alltag funktioniert nicht, die Beziehung zwischen Mutter und Sohn wird auf die Probe gestellt und erwartungsgemäß wird Dre in der Schule gemobbt. Einzig die Anwesenheit von Mei Ying, einer Klassenkameradin und talentierten Geigenspielerin erhellt seinen tristen Alltag von Zeit zu Zeit. Das ändert sich schlagartig, als Dre zu seiner Überraschung von seinem Hausmeister Mr. Han vor seinen Peinigern gerettet wird und ihn überzeugen kann, ihm Kung Fu beizubringen. Was folgt, ist eine klassische Lehrer-Schüler-Beziehung, die im gemeinsamen Training aufgeht und letztendlich schnell dazu führt, dass Dre sich in einem Turnier beweisen soll, an dem natürlich auch sein Erzrivale zusammen mit seinem skrupellosen Kung-Fu-Meister teilnimmt. Somit steht dem klassischen Trainingsmarathon mitsamt Showdown beim Turnier nichts mehr im Weg.
Natürlich könnte man einiges an Karate Kid aussetzen. Neben der Tatsache, dass die Handlung vorhersehbar bleibt, werden immer wieder Klischees bedient. So gut wie jeder Chinese scheint auf wundersame Weise Kung Fu zu beherrschen und eine typische Liebesgeschichte darf ebenso wenig fehlen wie die Tatsache, dass Dres Freundin Mei Ying ein asiatisches Geigenwunderkind samt gestrengem Vater ist. Arg überstrapaziert werden die Klischees, als Dre zusammen mit Mr. Han in die Berge fährt, um ein mystisch-esoterisch überhöhtes Kung Fu zu trainieren und zu erfahren. Das alles kann allerdings nicht darüber hinwegtäuschen, dass der Film innerhalb seiner klar definierten Genregrenzen nicht zuletzt auch aufgrund hervorragender Schauspielleistungen hervorragend funktioniert und immer auch mit den üblichen Klischees spielt. Wenn man sich darauf einlässt, und dies werden neben jungen Zuschauern nach anfänglicher Skepsis auch Fans der alten Filme tun, dann wird man die Schwächen von Karate Kid augenzwinkernd hinnehmen und über Dres neues Leben im Reich der Mitte lachen und staunen. Der eigentliche Mittelpunkt des Filmes ist aber Jackie Chan, der in seiner sorglos-lustigen, letztendlich aber auch tragischen Doppelrolle als Hausmeister und Lehrmeister vielleicht eine seiner besten Leistungen überhaupt liefert.  Wer also ein Fan der alten Karate Kid Filme ist oder ganz allgemein amerikanische Sportfilme schätzt und sich an typischer Niemals-Aufgeben-Moral und Kampfkunst-Weisheiten nicht nur nicht stört, sondern sie sogar erwartet und schätzt, dem sei die Neuauflage wärmstens empfohlen. Dazu gibt es noch einen netten chinesisch-inspirierten Hiphop-Soundtrack und fertig ist das Karate Kid des neuen Jahrtausends. Dass der Protagonist nun Kung Fu statt Karate praktiziert und sich in Peking statt in Kalifornien behaupten muss, ist da nur die logische Konsequenz und macht Karate Kid zu einem Muss nicht für Fans des Genres. Text Copyright Michael Steber 2010 Bilder Copyright Sony Pictures |