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The Dillinger Escape Plan – Option Paralysis
optionparalysisvon Sebastian Sonntag

Plattenfirma: Season of Mist (Soulfood Music)
Tracks: 11
Erscheinungsdatum:
26. März 2010
ASIN: B0036APQ2S
Preis: ca. 17,99 € Option Paralysis bei Amazon.de

Harte Musik gibt es in einer solchen Vielzahl, dass nahezu jeder Geschmack und jede kleine Nischengruppe bedient wird. Das Spektrum reicht dabei vom traditionellen, düsteren Rock bis zum aktuell eher angesagten donnerndem Metalcore, in allen Arten schwankend zwischen stumpfsinnigem Geknüppel und durchdachten Arrangements. Irgendwo mittendrin stecken The Dillinger Escape Plan, die mit ihrer Mixtur aus verfrickelten Taktwechseln, knallharten Riffs und Jazz-Einlagen jenseits sämtlicher Normen quer über den Globus touren. Dabei ist die Formation um Gitarrist und einziges aktives Gründungsmitglied Ben Weinman schon einige Schicksalsschläge und vor allem zahlreiche Mitgliedswechsel gewohnt – einen solchen Personalverschleiß sieht man selten. Der ist allerdings gewiss begründet, denn den unglaublich schnellen und komplexen Songs hält auf Dauer nicht jeder Musiker stand, erst recht angesichts der extremen Live-Performance, die die Jungs auf ihren Konzerten an den Tag legen.

Dies macht sich auch auf der neuen Platte Option Paralysis wieder einmal bemerkbar. Nachdem das 2007er Album Ire Works nicht ganz an den brillanten Vorgänger Miss Machine herankam, hat die Band ihre eigene Messlatte nun ein ganzes Stück höher gelegt. Freunde der seichteren Gangart seien jedoch gewarnt, denn was sich hier abspielt erfordert teilweise ein gesundes Maß an Toleranz, Geduld und Nerven. Der Opener Farewell, Mona Lisa legt nach kurzem Geplänkel den Kurs fest und macht eine klare Ansage, was den Hörer in den darauffolgenden 45 Minuten erwartet. Die Freude an ungewöhnlichen Taktarten und spontanen Wechseln selbiger liegt den Musikern im Blut und zieht sich in teils atemberaubender Geschwindigkeit quer durch das ganze Album, punkige Passagen wechseln sich mit ruhigem Geklimper, abstrakten Rhytmuskonstrukten, extremen Dissonanzen und Greg Puciatos Mischung aus schneidendem Gebrüll und tragendem Gesang ab. Abseits der bis ins kleinste Detail ausgefeilten Arrangements, die einem oftmals erst nach mehrfachem Hören auffallen, finden sich hier aber auch viele interessante Sounds zusammen, die man so selten gehört hat.

Das besondere Highlight ist aber der Song Widower, der sich fast komplett von der gewohnten Härte entfernt und stattdessen einen außergewöhnlichen Soundteppich aus Klavier, Gitarren, Orchester und Gesang bildet, der in ein wahres Emotionsfeuerwerk ausbricht. Ein derartiges Kompositionstalent sucht man vor allem in dieser Musikrichtung oft vergebens. Auch das abschließende Parastic Twin wandelt auf ähnlich experimentellen Pfaden, hier lassen sich gar Einflüsse des im letzten Jahr verstärkten Kontaktes zu Nine Inch Nails feststellen. Zusätzlich zur normalen CD-Version gibt es übrigens noch - wie für heutige Verhältnisse fast üblich - eine Special Edition. Die hat zwar eine tolle Verpackung, die sich gut in jeder Sammlung macht und eine gewisse Wertschätzung vermittelt, der darauf enthaltene Bonustrack Heat Deaf Melted Grill ist aber leider nur ein kurzer (aber zugegebender Maßen klasse klingender) Remix des Songs Gold Teeth On A Bum - da wäre dann doch etwas mehr drin gewesen. Nichtsdestotrotz bietet sich dem Hörer hier ein Erlebnis der besonderen Art, das sich mit jedem Hören mehr und mehr entfaltet. The Dillinger Escape Plan haben hier ohne Zweifel ihr bislang bestes Album abgeliefert und beweisen einmal mehr, dass sich so schnell keine vergleichbare Band findet.

Text Copyright Sebastian Sonntag 2010
Cover Copyright 
Season of Mist (Soulfood Music)

 
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