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Tournament of Legends
tolvon Thomas Nickel

System: Wii
USA
(2010)

Entwickler: High Voltage Software
Erschienen bei: Sega
Preis: ca. 25€ Tournament of Legends bei Amazon.de

Das Beat’em-Up-Genre ist ohne Wenn und Aber fest in japanischer Hand. Street Fighter, Soul Calibur, Dead or Alive, Virtua Fighter, Tekken, King of Fighters... japanische Prügler sind der internationalen Konkurrenz nicht nur Quantitativ, sondern auch qualitativ eine gute Faustlänge voraus. Vielversprechende Konkurrenten wie Rares Killer Instinct haben zwar Ehrenplätze auf den Most-Wanted-Listen der Fans, rangieren aber in den Plänen der Publisher irgendwo zwischen „da war doch mal was“ und „ja, irgendwann vielleicht“ und das berühmt-berüchtigte Mortal Kombat sorgte schon immer mehr durch plakative Gewalt, als durch spielerischen Feinschliff für Aufsehen.

Jetzt tritt Sega-Partner High Voltage Software in den hart umkämpften Beat’em-Up-Ring und schickt einen mythologisch angehauchten 3D-Waffenprügler für die Wii in den Kampf um die Gunst des wählerischen Publikums. Das Motto dabei: Wir nehmen die Elemente, die bei den japanischen Prügel-Königen am besten funktionieren, packen ein wenig zeitgemäße Bewegungserkennung dazu und würzen das Ganze dann mit unseren eigenen Ideen und einer kleinen, aber erlesenen Kämpferschar. Eine interessante Rechnung, die letzten Endes aber eher bedingt aufgeht.

Das die wichtigste Inspiration für Tournament of Legends Namco-Bandais grafisch stets wegweisende Soul-Calibur-Reihe ist, das bemerkt der Kenner auf den ersten Blick. Viele der Stages könnten direkt aus Teil 2 oder Teil 3 des Kult-Geprügels stammen, und auch so manche Figur würde im Soul-Calibur-Universum nicht vollends deplaziert wirken. Und wie die eleganten Namco-Recken treten auch die anfangs acht Figuren von Tournament of Legends allesamt mit Waffen und magischen Spezialattacken in den Ring.

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Dem war aber nicht immer so: Wer ein wenig die Entstehungsgeschichte des einstmals als Gladiator A.D. angekündigten Prüglers verfolgt hat, der wird sich hier doch verwundert die Augen reiben, zeigten frühe Trailer doch noch ein völlig anderes Spiel: Mit harten, verbissenen Kämpfen im Sand antiker Arenen und blutigen Finishing-Moves unterscheidet sich die frühe Version des Spiels doch stark vom weit weniger gewalttätigen, viel stärker im Fantasy-Reich angesiedelten Tournament of Legends und erinnert eher an Filme wie 300.

Nur ein Gladiator hat es dann letzten Endes ins finale Line-Up geschafft: Der arrogante Marcus Antonius ist selbst sein größter Fan, zitiert bei Siegen den großen Cäsar und kommt mit seinem britischen Akzent reichlich großspurig daher. Der Rest der Schar ist weit fantastischer ausgefallen: Jupiter ist eine lebendig gewordene Statue die sich für den Herrn der Götter hält, Narcia eine schuppige Schlangenfrau, Volcanus ein mechanischer Krieger der von einem kleinen Wissenschaftler im Rollstuhl gelenkt wird und mit Bravehoof stapft ein ausgewachsener Minotaurus in den Ring.

Ein cleverer Einfall ist die Tauschbarkeit von Waffen und magischen Fähigkeiten. Von jedem Gegner, den wir im Story-Modus erledigen bekommen wir in bester Mega-Man-Manier die Magie und manchmal auch die Waffe um sie dann selbst einzusetzen. So können wir Gegner dann lähmen, vergiften oder mit Blitzen auf Distanz halten, das bringt einen Hauch Taktik ins Spiel und sorgt trotz des überschaubaren Kämpferfeldes für willkommene spielerische Abwechslung.


An einem Faktor fehlt es Tournament of Legends leider gewaltig: An der Eleganz. Die legendären Sega-Kämpfer bewegen sich allesamt eher behäbig durch die Arena und beharken sich mit vergleichsweise wenigen Schlagkombinationen. Schnelle Ausfallschritte, behändes Ausweichen oder lange, fließende Schlagserien werdet ihr hier vergeblich suchen. Gerade das Fehlen eines schnellen, weitreichenden Offensivmanövers kostet das Spiel Dynamik. Oft fuchtelt ihr in der Luft herum weil ihr trotz farbiger Anzeigen auf dem Boden den Abstand zu eurem Gegner unterschätzt habt. Entwickler High Voltage setzt eher auf wuchtige Schläge und aufwendig inszenierte Spezialattacken, trotzdem fehlt es den meisten Kämpfen einfach an „flow“.

Da ist es auch nicht hilfreich, dass die Kämpfe immer wieder einmal von den monströsen Bewohnern der eigentlich wirklich hübschen Stages unterbrochen werden. In jeder Arena wartet ein großes Monster: Kraken, Roc oder Titan greifen gelegentlich direkt in den Kampf an, nur per Quicktime-Event könnt ihren Attacken dann ausweichen und so empfindlichen Energieverlust verhindern. Ziel dieser Interferenzen ist es, Abwechslung ins Spiel zu bringen, tatsächlich nehmen sie aber nur weiterhin Dynamik aus dem Geschehen.

Gelungener ist da schon die etwas umgekrempelte Kampf-Struktur. Segas legendäre Krieger prügeln sich nicht durch die seit Jahren etablierten Best-of-Three-Matches, stattdessen werden Siegpunkte gezählt: Jedes Mal, wenn ihr die Energieleiste eures Gegners dezimiert geht der zu Boden und ihr bekommt einen Punkt gutgeschrieben. Nun beginnt ein Zähler: Der Sieger kann den Unterlegenen verhöhnen, der schüttelt derweil kräftig seine WiiMote oder malträtiert die Analogsticks um vor Ablauf des Zählers seine Energie wieder aufzuladen, während der Sieger nur einen Teil seiner Kraft regeneriert. So werden die Kämpfe länger und ausgewogener, knappe Niederlagen sind in den ersten Runden weniger ärgerlich, weil ihr euren Antagonisten danach meist selbst schnell auf die Bretter legt.

Dafür habt ihr nicht ewig Zeit: Ist eine Runde abgelaufen folgt eine kurze Unterbrechung in der ihr – abermals in klassischer QTE-Manier – einen Teil eurer Energie regeneriert und eure Rüstung flicken könnt. Die ist einer der gelungenen Aspekte von Tournament of Legends. Jede Figur trägt vier Rüstungsteile: Die linke und rechte Schulter, der Kopf und der Torso werden so geschützt, die Rüstung kann allerdings durch harte Manöver beschädigt und schließlich zerstört werden. Dass die abgeschlagenen Teile dann noch in der Arena herumkullern ist eine nette Idee und wirkt allemal sympathischer als abgetrennte Körperteile und Blutfontänen.

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Netterweise stellt euch Tournament of Legends frei, ob ihr lieber mit WiiMote und Nunchuk, oder mit dem Classic Controller antretet. Zwar ist die Bewegungserkennung recht gut gelungen und die Unterscheidung zwischen horizontalen und vertikalen Schlägen ist absolut verlässlich, trotzdem fühlt sich die Steuerung über Knöpfe und Analogsticks einen Tick präziser und schneller an. Da ist es wirklich schade, dass auch Tournament of Legends auf WiiMotion Plus-Unterstützung verzichtet... trotzdem, über eine schlechte Steuerung braucht sich hier niemand zu beklagen.

Trotzdem kann ich das Gefühl nicht abschütteln, dass mit Tournament of Legends irgendwie ein kleiner Kompromiss in die Läden kam: Aus einem blutigen-schwitzigen Gladiatorenspiel im 300-Stil mit WiiMotion Plus-Unterstützung wurde eine eher behäbige Variante von Soul Calibur 2 mit einem zu kleinen Angriffs-Repertoire und ein paar eigenen Ideen die zwar Abwechslung, nicht aber mehr Spielspaß in den Zweikampf-Alltag bringen

Insgesamt fühlt sich Tournament of Legends so an, als wäre es, je nach Sichtweise, ein paar Jahre zu spät oder ein halbes Jahr zu früh gekommen. Gegen moderne Beat’em-Up-Konkurrenz Marke Virtua Fighter 5 oder auf der Wii auch Tatsunoko VS Capcom macht die mythologische Klopperei nicht sonderlich viel her. Das erwähnte halbe Jahr Zeit hätte High Voltage Software gut für Feintuning, Balance und vor allem mehr spielerische Dynamik nutzen können, auch die neuen Gameplay-Gimmicks hätten sich dann sicher etwas stimmiger in das Gesamtspiel integriert.

Vielleicht ist aber gerade das Einfache, leicht Krude die große Stärke des Sega-Prüglers: In Zeiten, in denen die Regeln für einen durchschnittlichen 3D-Prügler komplizierter sind als die der meisten Rollenspiele, ist Tournament of Legends eine angenehme Regression in einfachere Zeiten – anstatt die Feinheiten von Hit-Boxes, Cancels, Juggles und Timing zu lernen könnt ihr hier sofort entspannt zuhauen, euch an der bunten Kämpferschar erfreuen und einfach mal wieder sorglos die Waffen schwingen. So bleibt letzten Endes ein etwas krachlederner und im positivsten Sinne trashiger, aber gleichzeitig doch auch amüsanter 3D-Prügler der vielleicht nicht mehr ganz zeitgemäß daherkommt, aber nicht zuletzt dank seines günstigen Preises durchaus für ein paar vergnüglich-anspruchslose Stunden Unterhaltung an einem lauen Sommerabend gut ist.

Text Copyright Thomas Nickel 2010

Bilder, Video Copyright Sega
 
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