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Gorilla des Monats

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Dirge of Cerberus: Final Fantasy 7
doc-coverSystem: PlayStation 2

Japan (2006), Produzent: Yoshinori Kitase, Director: Takayoshi Nakazato, Character Design: Tetsuya Nomura, Lead Programmer: Yoshiki Kashitani, Musik: Masashi Hamauzu, Gackt Camui (Sänger), Art Direction: Yukio Nakatani, Yusuke Naora,  Sprecher (US-Version): Steven Jay Blum, Jamieson Price, Greg Ellis, Mae Whitman, Rachael Leigh Cook, Steve Burton

Erschienen bei: Square Enix
Entwickler:
Square Enix
Preis: ca. €35  Final Fantasy 7 - Dirge of Cerberus bei Amazon.de

Square Enix kann heute eigentlich gar kein Spiel mehr veröffentlichen, ohne dass ein riesiges Buhei darum veranstaltet wird. Egal was kommt, die eine Fraktion hat sich den ewigen Square-Hass auf die Banner geschrieben und verteufelt jeden Titel, der die Produktionshallen des Software-Giganten verlässt. Die Gegenfraktion huldigt dreimal täglich am heimischen Tetsuya-Nomura-Altar und würde selbst eine Hemdenbügel-Simulation kaufen, solange der Bügler mit jeder Menge Gürtel und Reißverschlüssen hinterm Bügelbrett steht. So ist es kaum ein Wunder, dass es im Grunde fast nicht möglich ist, eine Neuerscheinung von "Squenix" objektiv zu betrachten - absoluter Hype auf der einen, das lustvolle Verreißen auf der anderen Seite... Die Frage, ob das Spiel denn tatsächlich Spaß macht, wirkt fast schon wie eine unwichtige Nebensache.

Und wir geben es offen zu, Square Enix versorgt die Anti-Fraktion in den letzten Monaten durchaus zuverlässig mit neuem Lästermaterial. Insbesondere die gnadenlose Ausschlachtung des Kult-Rollenspiels Final Fantasy 7 mit zahllosen Sequels, Prequels, Ablegern und Renderfilmen und die Aufsplittung des kommenden Final Fantasy 13 auf der PS3 in zahlreiche Einzeltitel deuten auf ein gewisses kreatives Defizit hin. Trotzdem sollte man sich hüten, den gesamten Software-Ausstoß über den "Einfallslos"-Kamm zu scheren - kein Designer beginnt sein Spiel mit dem Gedanken "So, jetzt entwickle ich mal eine seelenlose Melkkuh". Daher wollen wir einmal versuchen, das umstrittene Dirge of Cerberus: Final Fantasy 7 in zumindest halbwegs objektiver Weise zu betrachten.  

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Die erste Eigenschaft von Dirge of Cerberus: Final Fantasy 7 springt dem erwartungsvollen Spieler sofort ins Auge - Fanservice wird hier nicht einfach nur groß geschrieben, Fanservice ist hier Programm. Das Spiel suhlt sich geradezu in den Lorbeeren von Final Fantasy 7, dem Spiel, das vor 9 Jahren mit einem Schlag die Playstation zum Marktführer machte und im Westen eine wahre Rollenspiel-Sintflut auslöste. Bekannte Gesichter tauchen an allen Ecken und Enden auf, Held Vincent besucht vertraute Orte, und es ist unter Garantie kein Zufall, dass die Kamera im fulminanten Intro vor allem den wohlgeformten Renderhintern von Ninja-Teeny Yuffie ausgiebig umkreist. Die Entwickler wissen eben, was ihre Fans wollen. 

Aber so gut das Team um Director Takayoshi Nakazato auf die vermeintlichen Wünsche der Fangemeinde eingeht, so sehr werden auch all die ignoriert, die Final Fantasy 7 nicht gespielt haben. Wer ohne Vorkenntnisse und lediglich in der Erwartung eines zölligen Actionspiels oder gar eines Shooters Marke Half Life die Dirge of Cerberus -DVD ins Laufwerk packt, der versteht tatsächlich nur Bahnhof - "Wo bin ich hier? Wer sind diese Leute? Worum gehts eigentlich?" Nicht-Final-Fantologen vergessen Dirge of Cerberus am besten ganz schnell wieder und halten sich an andere Actionkost, die weniger Vorwissen verlangt. 

Und auch wenn Dirge of Cerberus mit Fanservice bis der Arzt kommt lockt, muss man sich wundern - wenn die Entwickler auf eine bereits etablierte und bekannte Welt wie die von Final Fantasy 7 zurückgreifen, dann sollte man auch erwarten, dass diese genutzt wird. Aber nein - anstatt durch die interessanten Szenarien zu laufen, die Final Fantasy 7 so ausgezeichnet haben, ballert sich Vincent meist durch graue Städte, graue Gänge, graue Lagerhäuser... Die Szenarien sind meist unangenehm austauschbar. Hier haben die Entwickler unheimlich viel Potenzial verschenkt. Schade.

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Gelungener ist da schon die Handlung selbst - vorausgesetzt, man hat das bereits erwähnte Vorwissen um sie zu verstehen. Die Action wird regelmäßig von mehr oder weniger umfangreichen Sequenzen unterbrochen, die etwas mehr Licht auf Held Vincent und seine verflossene Lucrecia werfen. Die Inszenierung kann sich hierbei sehen lassen und besonders die gelungenen Charaktermodelle überzeugen. Was in den Szenarien an Details und Farben gespart wurde, floss offenbar direkt in die Figuren selbst - die sind detailliert, hübsch animiert und überzeugen mit ausdrucksstarker Mimik.

Aber auch wenn die Handlung im Grunde ordentlich und auch durchaus spannend ist .hinterlässt sie wie schon der Renderfilm Advent Children den etwas schalen Nachgeschmack des Beiwerks. Die Frage, ob all diese Sequels und Prequels zu Final Fantasy 7 tatsächlich nötig waren, oder ob sie nicht sogar den Gesamteindruck des Originals im Nachhinein schmälern ist berechtigt und kann endlos geführt werden. Eine Patentantwort haben wir auch nicht parat - es liegt schlicht und ergreifend im Auge des Betrachters, wieviel Final Fantasy 7 er sich geben will und wo er den Schlussstrich zieht. Unangenehme Erinnerungen an das verquaste Extended Universe der Star Wars-Saga ziehen auf...

Ein wichtiger Punkt ist bisher noch garnicht angesprochen - wie spielt sich Dirge of Cerberus nun eigentlich? Und vor allem: Was ist es denn nun? Ein Ego-Shooter? Ein Third-Person-Shooter? Ein Action-Adventure? Ein RPG-Shooter? Tatsächlich ist vielleicht die letzte Bezeichnung die treffendste. Ihr steuert Vincent aus der Third-Person-Perspektive und könnt auf Knopfdruck springen, ein kurzes Dash-Manöver ausführen, mit einer obligatorischen Dreier-Nahkampf-Kombo angreifen oder eine von drei Waffen ziehen. Tut ihr das, wird automatisch ein Zielkreuz eingeblendet, und das Ganze steuert sich etwas mehr wie ein Ego-Shooter - mit einem Analogstick läuft Vincent, mit dem anderen ändert er die Blickrichtung.  Mit montiertem Zielfernrohr geht Vincent in den Scharfschützenmodus und kann durch gezielte Schüsse auf Kopf oder andere empfindliche Stellen des Gegners kritische Treffer landen. Ein Druck auf die Dreiecks-Taste hält die Zeit an und öffnet ein Menü - dort könnt ihr auf die Levelkarte sehen, Gegenstände einsetzen oder eure Waffen modifizieren. Verschiedene Läufe oder die Final Fantasy 7-typischen Materias verändern die Eigenschaften der verschiedenen Schießeisen.

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Nach dem Ansehen der actionreichen Zwischensequenzen freut man sich bereits, dass man nun auch das ganze tolle Zeug machen darf, das Vincent eben noch so perfekt beherrschte - meterhohe Sprünge, zielgenaues Ballern aus der Luft und ein paar andere coole Aktionen. Tja, daraus wird aber leider nichts - mehr als laufen, gelegentlich mal ein Alibi-Hüpfer und eben jede Menge Ballerei auf Gegner, die euch meist von außerhalb des Bildschirms unter Beschuss nehmen, ist nicht geboten. Wäre Dirge of Cerberus ein reines Actionspiel ohne die ausladenden Sequenzen und den Final Fantasy 7-Hintergrund würde kein Hahn danach krähen. 

Denn wer Shooter Marke Half Life zum Frühstück verputzt, wird schnell verdutzt aus der Wäsche yuffieschauen - Dirge of Cerberus ist bestenfalls ein Light-Shooter. Das extrem gnädige Auto-Aiming unterstützt den Spieler wo es nur kann. Wer inmitten einer Mission sein Leben aushaucht, darf die bisher erhaltenen Erfahrungspunkte gleich in ein höheres Level für bessere Kampfeigenschaften und mehr Lebensnergie umsetzen, alternativ lässt er sich die Punkte in Bargeld auszahlen und kauft bei nächster Gelegenheit eine neue Ladung Heilmittel und Waffen-Upgrades. So kommen auch Action-Nullen auf einen grünen Zweig. Und für die ist das Spiel auch gedacht. Handlung und Zwischensequenzen nehmen eine genauso wichtige Rolle ein wie die tatsächlich spielbaren Abschnitte und müssen daher auch in die Kritik einfließen - wer diese Elemente ignoriert und nur stur auf die eigentlichen Actionlevels stiert, blockiert sich selbst die Sicht auf das Spiel in seiner Gesamtheit. Und so gesehen ist Dirge of Cerberus tatsächlich ein vernünftiges Stück Software. 

Es ist nicht das originellste und das beste Actionspiel aller Zeiten, es hat auch nicht die intelligenteste und sinnvollste Story überhaupt, wer aber kein Problem mit der Squenix´schen Ausschlacht-Mentalität hat und nach wie vor auf Final Fantasy 7 schwört, der wird mit der seltsamen, ungelenken, aber dennoch irgendwie netten Rollenspiel-Shooter-Mischung seinen Spaß haben. Wer mit Final Fantasy generell wenig anfangen kann, einfach nur auf einen zölligen Shooter aus ist und Zwischensequenzen bevorzugt wegklickt, braucht den Kauf gar nicht erst in Erwägung ziehen. 

Text Copyright 2006 Thomas Nickel
Spiel, Artwork & Screenshots Copyright Square Enix
 
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