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The Kore Gang
korevon Thomas Nickel

System: Wii
Deutschland
(2010), Development Director: Christian von Duisburg, Creative Director: Klaus Lyngeled, Lead Artist: Tiberio Barone, Lead Programmer: Jonas Priebe, Game Design: Stein Llanos, Sound: Renke Bahlmann

Entwickler: Snapdragon Games
Erschienen bei: Pixonauts
Preis: ca. 45€ The Kore Gang bei Amazon.de

Es gibt Spiele, denen sieht man von der ersten Minute an, dass sie komplett auf dem Reißbrett der Marketing-Abteilung entstanden sind. Kreativität, Vision und künstlerischer Anspruch werden komplett Fokusgruppentests, Umfragewerten und Marktforschung unterworfen. Was dann letzten Endes herauskommt, das ist möglicherweise tatsächlich ein hübsch anzusehendes und sicherlich auch gut spielbares, meist aber auch erschreckend charakter- und seelenloses Endprodukt, das sich dank selbstverliehenem AAA-Status in der ersten Woche verkauft wie geschnitten Brot, aber schon nach kürzester Zeit in Vergessenheit gerät. Ein solches Spiel ist The Kore Gang mit Sicherheit nicht.

The Kore Gang ist ein Spiel, um das seine Macher jahrelang gekämpft haben. Das Abenteuer von Pixie, Madboy und Rex nahm zu einer Zeit erste Formen an, als HD-Grafik noch Zukunftsmusik war und Konsolen mit Online-Anbindung noch die Ausnahme darstellten. Und hätten Designer Klaus Lyngeled, Produzent Christian von Duisburg und der Rest des Teams nicht so an ihr Spiel geglaubt, wäre es sicher irgendwann im Entwicklungs-Limbo (in der Videospiel-Mythologie eine kalte, freudlose Zwischenwelt in der abgebrochene Entwicklungen ihr kärgliches Dasein fristen und vergebens hoffen, doch noch einmal aufgegriffen zu werden) verschwunden und nie wieder aufgetaucht.

Doch jetzt ist es geschafft – die Odyssee ist zu Ende, The Kore Gang läuft tatsächlich im Ladenregal-Hafen ein und die Stunde der Wahrheit ist gekommen. War das Jump´n´Run denn nun tatsächlich all die Mühe und Hartnäckigkeit wert? Kann ein deutsches Actionspiel für die Wii mit Wurzeln in den ersten Jahren dieses Jahrtausends noch mit moderner Actionkost mithalten? Ja, das kann es. Denn The Kore Gang hat genau das, was den eingangs beschriebenen AAA-Monster aus den finsteren Marketing-Hallen heute so oft abgeht: Es hat Seele und Charakter. Und dafür nimmt man dann auch gerne ein paar Ecken und Kanten in kauf.

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Die Grundprämisse von The Kore Gang ist herrlich albern. Weil die Gebrüder Krank keine Lust mehr haben, ihr Dasein irgendwo unter der Erde zu fristen, haben sie den kilometerlangen Krank Tank gebaut, eine kolossale Apparatur mit einem riesigen Bohrer mit dem sie die sagenumwobene Oberfläche erreichen und unterjochen wollen. Das einzige was jetzt noch fehlt, sind zuverlässige Richtungsangaben. Die liefert ziemlich unfreiwillig der entführte Dr. Samuelson. Aber Rettung naht: Auf haarsträubende Weise hat es die athletische Pixie, den etwas seltsamen Madboy und seinen Hund Rex ebenfalls in den Krank Tank verschlagen. Und nicht nur das, die drei haben auch Dr. Samuelsons Kore-Suit dabei: Ein kugelig-stapfiger Mini-Mech der sich ganz flexibel an die Talente seiner Piloten anpasst.

Mit Pixie seid ihr sehr flink: Ihr könnt Klettern, hangeln und einen Doppelsprung ausführen. Madboy ist dagegen eher fürs Grobe zuständig und teilt mit den Fäusten ordentlich aus. Gabelt ihr schließlich nach ein paar Abenteuern auch noch Hund Rex auf, dann geht der Kore-Suit runter auf alle Viere, wetzt extra-flink durch die Levels und kann die Witterung der nächsten Ziele aufnehmen. Per C-Knopf wechselt ihr jederzeit zwischen den drei Helden durch, nur wenn ihr ihre individuellen Talente beherrscht und zum richtigen Zeitpunkt einzusetzen wisst, dann habt ihr eine Chance gegen die Krank-Brüder.

Spielerisch folgt die Kore Gang meist den großen Jump´n´Runs früherer Jahre. Die Paten von Pixie, Madboy und Rex sind große Spiele vergangener Tage wie Banjo Kazooie, Crash Bandicoot oder Rayman. Es wird viel gehüpft, Level werden erforscht, Gegner werden verhauen und kleine Aufgaben werden gelöst. Auch wenn die sich manchmal ähneln - zerstört drei davon, sammelt vier hiervon, bringt dem Typen hier zwei Exemplare von jenem - geben sie dem Spiel doch ein genügend Abwechslung mit auf den Weg. So wechseln sich gerne größere, ausladende Levels mit eher gradlinigen Geschicklichkeitspassagen ab. Dabei ist die Länge eines Abschnitts stets passend gewählt, so dass die Motivation zu sehen, was denn wohl als nächstes kommen mag euch immer wieder weiter treibt.

Dazu trägt vor allem der Humor bei. Ja, The Kore Gang ist tatsächlich witzig. Wirklich witzig. Wenn euch ein Knopf zum Öffnen einer Tür anschreit „Schlag mich! Ich will es spüren!“ oder sich die Widerstandsgruppe Weeba aus versehen selbst ausschließt, dann kann ich mir ein Grinsen nicht verkneifen. Spätestens wenn dann ein Boss in einer tatsächlich urkomischen Musical-Einlage ein Liedchen über die individuellen Vorzüge seiner Lieblings-Waffen singt und seine Handlanger sich als Background-Tänzer betätigen, dann beginnen auch beim letzten Griesgram am Controller die Mundwinkel unwillkürlich zu zucken.

Das liegt natürlich auch an der sehr gelungenen Synchronisation. Fast alle Stimmen sind passend besetzt und die Sprecher haben ein gutes Gefühl für Timing. Vor allem den Bösewichten merkt man an, dass sie in ihren Rollen sichtlich Spaß hatten. Lediglich Madboy kommt etwas … nun, gewöhnlich und nüchtern rüber, da wollen Name, Aussehen und Stimme nicht so recht zusammen passen.

Aber so gut The Kore Gang seine Sache auch macht, ein paar Ecken und Kanten muss ich dem Spiel dann doch attestieren. Wie bei fast allen 3D-Hüpfern ist auch bei der Kore Gang die Kamera ein kritischer Punkt. Meist verhält sie sich im Großen und Ganzen so wie ihr es gerne hättet, gelegentlich entwickelt sie aber auch einen eigenen Kopf und raubt euch so die Orientierung oder verbaut euch den Blick auf eure Figur wenn sie hinter Baumkronen oder anderen Hindernissen hängen bleibt. Das führt dann zu manch unfreiwilligem Sturz mit fatalem Ausgang und bringt euch zum letzten Rücksetzpunkt zurück, zum Glück sind die großzügig genug gesetzt, dass das Spiel selten in echten Frust ausartet.

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Über den Umfang des Spiels kann man nun streiten. Nach maximal zehn Stunden wird euer Abenteuer im Krank Tank vorbei sein – wirklich lang ist das nicht. Allerdings wird die Spielzeit tatsächlich sehr effektiv genutzt. The Kore Gang verzichtet auf langweilige Spielzeit-Streck-Maßnahmen und geht insbesondere in der erste Hälfte des Abenteuers fast schon verschwenderisch mit den verschiedenen Settings um. Von der Kanalisation gelangt ihr an die Außenwand des Krank-Tanks, in eine riesige Arena, ins Innere eines monströsen Zyklopen und schließlich zum fast schon idyllischen Dorf der Zwangsarbeiter. Und das alles geschieht innerhalb einer knappen Stunde. Daher scheint es mir hier wenig sinnvoll die abgedroschene „längere Spielzeit = mehr Spielspaß“-Rechnung aufzumachen.

The Kore Gang ist ein Spiel dem man anmerkt, dass es seinen Machern wirklich am Herzen lag. Das offenbart sich neben der sehr sauberen Spielbarkeit und den kreativen Level-Designs besonders deutlich an den kleinen, feinen Details wie den schneckenhausförmigen Türen und so abgefahrenen Kreaturen wie dem riesigen mechanischen Taxi-Affen. Da kann man über ein paar eher altbacken wirkende Charakterdesigns ebenso hinwegsehen wie über gelegentliche Kamera-Probleme oder eine manchmal etwas stotternde Framerate.

Pixies, Madboys und Rex' Unter-Tage-Ausflug ist ein herrlich abgefahrenes und überdrehtes Jump’n’Run das deutlich zeigt, dass Deutsche Entwickler wirklich kreativ sein können und sich vor ihren Kollegen in Japan, Frankreich und den USA nicht zu verstecken brauchen. Gut, dass die Entwickler-Crew ihrem Spiel die Treue gehalten und an ihr Projekt geglaubt hat. Die Mühe hat sich definitiv gelohnt, und jetzt bleibt nur zu hoffen, dass diese Mühe auch von Deutschlands Spielern honoriert wird. Verdient hat es die Kore Gang auf jeden Fall.

Text Copyright Thomas Nickel 2010

Bilder, Video Copyright Pixonauts
 
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