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von Michael Steber
USA (2010) Regie: Robert Rodriguez, Drehbuch: Robert Rodriguez, Álvaro Rodríguez, Kamera: Jimmy Lindsey, Musik: John Debney, Carl Thiel, Darsteller: Danny Trejo, Robert De Niro, Jessica Alba, Steven Seagal, Michelle Rodriguez, Jeff Fahey, Cheech Marin, Don Johnson Erschienen bei: Twentieth Century Fox Film Corporation Was als Trailer in Grindhouse, der trashigen Hommage an die gleichnamigen Billigfilm-Kinos von Quentin Tarantino und Robert Rodriguez begann, endet nun doch als eigenständiger Film und vereint mit eindrucksvoller Mischung aus klassischem Rodriguez-Cast und Hollywood-Prominenz für Rodriguez typische Elemente mit politischen Inhalten. Diese gewagte Mischung liefert den Fans des Texaners einen weiteren amüsanten Texmex-Slasher, geht jedoch einen Schritt weiter als die bisherigen Filme von Rodriguez. Die rasante Szene zu Beginn des Films zeigt den Titelhelden Machete, verkörpert vom gewohnt markanten Danny Trejo, als Polizist in Mexiko, wie er sich ohne Rücksicht auf Verluste durch die Schergen des Drogenbarons Torrez metzelt, den Actionveteranen wiederum als Steven Seagal erkennen werden. Jahre später fristet Machete sein Dasein als Tagelöhner an der mexikanisch-amerikanischen Grenze, bis er angeheuert wird, um den den Senator und politischen Hardliner McLaughlin zu töten. Dies bietet sich insofern zunächst an, als dass der Senator aufgrund seiner harten Anti-Einwanderungspolitik bei den mexikanischen Bevölkerungsgruppen alles andere als beliebt ist, stellt sich aber als List heraus, die durch den mexikanischen Attentäter Machete den Hass auf Latinos weiter erhöhen und somit McLaughlin politischen Rückenwind geben soll.
Das Attentat mislingt und endet als inszenierter Beinschuss, Machete allerdings kann entkommen. Nun beginnt ein Spießrutenlauf, während dem Machete sich einerseits zunächst auf der Flucht vor Torrez' Männern und der Grenzbeamtin Saratana befindet, andererseits aber selbst Jagd auf Torrez macht und dabei letztendlich Hilfe von der legendären Freiheitskämpferin She und einer ganzen Division mexikanischer Einwanderer bekommt. Natürlich steht außer Frage, dass nicht nur die titelgebende Waffe des Helden für ein Blutbad sorgt und die Handlung letztendlich in einem absurden Showdown endet.
Das trashig-gewalttätige Element, dass alle charakteristischen Filme von Rodriguez spätestens nach seinem eher ernsten Erstlingswerk El Mariachi gemeinsam haben, ist auch für Machete stilbildend. Egal ob Machetes Auftritt als unbarmherziger Gärtner, blutige Blasphemie in Form von mordenden Nonnen und Priestern oder einfach der ganz allgemein rauhe Charme des Films, fast jeder Aspekt von Machete wird den Fan vor Freude jauchzen lassen. Neben aus anderen Filmen von Rodriguez bekannten Schauspielern wie Danny Trejo oder Cheech Marin tragen gerade auch Steven Seagal als selbstverständlich Aikido praktizierender Drogenbaron und Robert De Niro als überdrehter Redneck-Politiker einen wichtigen Teil zu Machete bei.
Genau die Rolle von De Niro ist es allerdings, die ein Novum im Werk von Rodriguez illustriert: Machete ist ein Film, der trotz aller Überdrehtheit in der politischen Realität der USA verankert ist, indem er das ebenso brandaktuelle wie zukunftsweisende Thema der Immigration und Grenzkontrolle aufgreift. Rodriguez nutzt seine gewohnten Mittel, um den mexikanischen Einwanderern eine Stimme zu geben und sie zumindest dieses eine Mal als triumphierende Sieger dastehen zu lassen. Speziell im amerikanischen Kontext vermag dabei die eine oder andere noch so überdrehte Szene dem Zuschauer das Lachen im Halse stecken zu lassen. Mit Machete gelingt Robert Rodriguez also das Kunststück, mit Trash und Gewalt Empathie zu erzeugen. Maßlose Übertreibung sorgt hier nicht nur für Spaß, sondern regt auch zum Nachdenken an. Wenn Rodriguez augenzwinkernd das Zeitgeschehen kommentiert, ohne dabei seine B-Movie-Prinzipien über Bord zu werfen, dann dürfte er so nicht nur seine Fans, sondern auch Neulinge überzeugen. Dementsprechend sollte sich niemand, der sich auf irgendeine Weise für Action begeistern kann und nicht allzu zart besaitet ist, Machete und seinen bizarr-blutigen Freiheitskampf entgehen lassen. Text Copyright Michael Steber 2010 Bilder Copyright Twentieth Century Fox Film Corporation |