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Autor: Vikas Swarup
Erschienen bei: Kiepenheuer & Witsch Preis: 19,90 Euro Ram Mohammad Thomas hat ein Problem. Der noch nichtmal Zwanzigjährige hat in der indischen Ausgabe der Show "Wer wird Millionär" gerade eine Milliarde Rupien gewonnen (Tatsächlich eine Milliarde. Die Produktionsfirma glaubte, damit die Show interessanter machen zu können), wurde kurzerhand wegen Betrugs verhaftet und sitzt im Gefängnis. Das heißt, eigentlich hat er nicht wirklich betrogen. Tatsächlich kann die Produktionsfirma die eine Milliarde nicht auszahlen und versucht auf diese Weise, sich um ihre Pflicht zu drücken. Und es wird niemandem schwerfallen, den TV-Bossen nicht zu glauben: Ram hat in seinem Leben keine Schule besucht und verfügt über so gut wie keine Bildung. Warum sollte jemand wie er in einer Wissens-Sendung gewinnen? Eine Anwältin ist die einzige Person, die ihm glaubt. Sie bittet ihn, ihr anhand der Aufzeichnung der Sendung Frage für Frage zu erklären, warum er die Antwort wusste. Und das fördert einies an kuriosen Geschichten zutage... Ram erzählt der Anwältin sozusagen seine Lebensgeschichte - natürlich nicht chronologisch, sondern abhängig von der Reihenfolge der Fragen. Er erzählt von seiner Zeit als Straßenjunge in Mumbai, wie er seinen besten Freund kennenlernte, aus den Augen verlor und wiederfand. Erzählt die tragische Geschichte über seine Zeit als Hausdiener bei der Bollywood-Schauspielerin Neelima Kumari. Oder die von dem amerikanischen Botschafter, der in seiner Freizeit politisch äußerst unkorrekte Spionage betrieb. Er erzählt von seiner Arbeit in den unterschiedlichsten Schichte und Milieus, wie er viel gewonnen und alles ebenso schnell wieder verloren hat, und natürlich die Geschichte von seiner großen Liebe zu einer Prostituierten, die er heldenhaft aus dem Bordell befreit hat. Und aus jedem dieser Erlebnisse nahm er Erfahrungen und Informationen mit, die man mit Bücherwissen allein nicht aufwiegen kann. Und so konnte er jede Frage allein aus seiner Erinnerung beantworten, und seien es die abwegigsten Themen. Der Leser wird von ihm in eine fremde Kultur entführt, die Geschichten aber sind trotz aller Exotik des Umfelds und ihrer teilweisen Ungerechtigkeit und Härte menschlich und warmherzig erzählt. Die Rahmenhandlung wird neben den schillernden Berichten fast nebensächlich, aber auch sie wird zu einem Ende geführt, wie man es sich für Ram nur wünschen kann. Text Copyright 2005 Anna-Selina Sander Coverartwork Copyright Kiepenheuer & Wietsch
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