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Gorilla des Monats

bernie 
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Extras
extrasvon Thorsten Röpke

UK (2005-2007), 13 Episoden (2 Staffeln), Regie: Ricky Gervais, Stephen Merchant, Drehbuch: Ricky Gervais, Stephen Merchant, Darsteller: Ricky Gervais, Ashley Jensen, Stephen Merchant, Ben Stiller, Kate Winslet 

Erschienen bei: Polyband & Toppic Video/WVG
Preis: ca. 15€ Extras Staffel 1 bei Amazon.de

Peinliche Situationen, so beschrieb es der große John Clesse in ein Fisch namens Wanda einmal, seien das schlimmste was einem Engländer passieren kann. Andy Millman (Ricky Gervais) ist ein Experte in Sachen peinliche Situationen. Als sich der etwas untersetzte, nicht gerade besonders attraktive Mitvierziger eines Tages entschliesst seinen Bürojob an den Nagel zu hängen um eine Karriere als Filmschauspieler anzustreben, darf der Zuschauer mit Freuden daran teil haben wie sich Millman von einem Fettnapf zum nächsten katapultiert.

Zusammen mit seiner etwas unterbelichteten Freundin Freundin Maggie gelingt es Andy zwar tatsächlich an diversen Filmproduktionen mitzuwirken, doch mehr als eine Rolle als Statist ist für ihn nicht drinnen. Dabei vertritt ihn sein überaus unfähiger Agent Darren Lamb (Stephen Merchant – der übrigens die neue Stimme im kommendenPortal 2 ist!).

 

Jede Folge beginnt mit einer Szene aus einem (fiktiven) Film, an dessen Set sich ein Großteil der Handlung abspielt. Andy und Maggie torkeln in jeder Folge von einem Dilemma ins nächste. Während es Maggie schafft in ihren Annäherungsversuchen in Bezug auf das männliche Geschlecht eine kaum zu überbietende Plumpheit an den Tag zu legen, gelingt es Millman, dies durch seine diversen Einschleim-Versuche bei den Stars der Filme in der Hoffnung auf eine Sprechrolle noch zu überbieten. Die Mittel die er dabei anwendet sind so hoffnungslos beschämend, dass es als Zuschauer schon fast weh tut Zeuge dieser grotesken Situationen zu sein. Man könnte meinen der Begriff „Fremdschämen“ wurde quasi extra für diese Serie erfunden.

Ein weiterer cleverer Kniff des Serienkonzepts sind die Cameo-Auftritte von zahlreichen bekannten Stars des britisch/ amerikanischen Kinos. Dabei ist es nicht nur beeindruckend dass diese illustre Ansammlung von Schauspielern überhaupt in der Serie mitwirkt, sondern dass diese auch noch den Mut besitzen und Spaß daran haben sich dabei noch höchst blamabel zu präsentieren. Ein paar Beispiele gefällig? Ben Stiller versucht sich als großkotziger Regisseur eines Kosovo-Kriegsdramas, „Harry Potter“ Daniel Radcliff macht einen auf hart und versaut, Orlando Bloom lästert ununterbrochen über Johnny Depp und „Captain Picard“ Patrick Stewart schreibt Softporno-Superhelden Drehbücher. Und das war noch lange nicht alles…



Dabei ist Andy Millman eigentlich kein unsympathischer Mensch. Im Grunde reflektiert sein Charakter nur den Wunsch vieler Menschen berühmt und anerkannt zu sein. Andy möchte natürlich am liebsten beides und muss im vor allem im Verlauf der zweiten Staffel lernen dass sich „Berühmtheit“ und „künstlerische Anerkennung“ nicht so einfach miteinander vereinbaren lassen und es nur wenige Schauspieler auf der Welt gibt, die beides erreichen. Zwar schafft er es im Verlauf der Serie tatsächlich zu etwas Ruhm, doch die Kritiker zerreißen ihn in der Luft und attraktive Rollenangebote bleiben weiterhin aus. Was nicht zuletzt daran liegt dass sein Agent Darren einfach überhaupt nichts auf die Reihe kriegt. Und so stellt Andy Darren ein Ultimatum: Wenn dieser es nicht schaffe innerhalb einer Woche ein Meeting mit Robert De Niro zu arrangieren wird er kurzerhand gefeuert. Ob es tatsächlich zu einem Zusammentreffen mit dem größten Hollywood-Star unserer Zeit kommt möchte ich nicht verraten, denn diese Episode ist auch das vorläufige Ende der zwölfteiligen Serie.

Schön ist dabei, dass sich die Macher der Serie dazu entschlossen haben eine finale Episode zu produzieren, die auch gleichzeitig den Höhepunkt der Serie markiert. Das in Spielfilmlänge abgedrehte Weihnachts-Special fasst den Aufstieg und Fall des Andy Millman nochmal wunderbar zusammen und endet mit der Einsicht des Protagonisten, dass man auch als unbekannter Niemand durchaus ein glückliches Leben führen kann solange es Menschen gibt, die einen respektieren und lieben so wie man ist.

 

Extras ist eine wunderbar menschliche Geschichte über das Streben nach Ruhm und ist dabei so komisch wie eine englische Comedy Produktion nur sein kann. Dass die beiden Schöpfer Gervais und Merchant vorher schon mit The Office (in Deutschland bekannt durch die Adaption Stromberg) ein zeitloses Comedy-Kunstwerk erschaffen haben ist umso bemerkenswerter. Seit Fawlty Towers habe ich mich nicht mehr so sehr über über eine Fernsehserie amüsiert.

P.S. Eine witzige Anekdote will ich nicht unerwähnt lassen: Kate Winslet sinniert in einer Episode darüber dass sie ihr (fiktives) Filmprojekt nur durchzieht, weil sie in einem Holocaust-Film größere Chancen auf einen Oscar hat. Und tatsächlich durfte sich Winslet in der Realität ihren ersten Oscar abholen, als sie die Hauptrolle in einem Film spielte, der eben dieses Thema behandelte (Der Vorleser). Und seinen fiktiven Serienwunsch einmal mit Robert de Niro zu drehen bekam Andy Millman aka Ricky Gervais auch noch erfüllt: In Stardust trifft Gervais auf de Niro und darf noch seinen „Catchphrase“ aus Extras abfeuern: „Are you having a laugh?“. Und wie!

Text Copyright Thorsten Röpke

Bilder Copyright BBC

 
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