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Solatorobo - Red the Hunter

solatorobovon Sebastian Sonntag

System: DS
Japan 
(2010), Designer: Takayuki Isobe, Composer: Chikayo Fukuda

Entwickler: CyberConnect 2
Erschienen bei: Nintendo
Preis: ca 40€ Solatorobo bei Amazon.de

Es gibt Spiele, die haben einfach Herz – und damit meine ich keine Liebesschnulzen, sondern Spiele, denen man an jeder Ecke ansieht, dass ihre Entwickler ihr ganzes Herzblut in ihr Projekt gesteckt haben und freie Hand bei der Ausgestaltung ihres Vorhabens hatten. Das Paradebeispiel dafür ist die unter PSX-Fans bekannte Mega-Man-Legends-Reihe, die die Abenteuer des blauen Robo-Helden nebst Sprung in die dritte Dimension mit einer ordentlichen Prise Geschichte in einer sympathischen Welt ausstattet. Ein bei uns nicht ganz so bekannter Vertreter dieser Art ist das ähnlich aufgebaute PSX-Game Tail Concerto von Entwickler CyberConnect 2, das sich wie viele Titel seiner Zeit um den europäischen Markt herumgemogelt hat und lediglich in Japan und den USA erhältlich war.

In diesem Action-Adventure verteidigte ein stets gut gelaunter Held namens Waffle das aus schwebenden Inseln bestehende Hundekönigreich „Prarie“ gegen die Quereleien der Black Cat Gang und wendete letztendlich ein weit größeres Unheil ab. Tail Concerto gehörte 1999 zwar nicht zur absoluten Krönung auf der PSX, avancierte jedoch mit seinem 90er-Jahre Anime-Flair und viel Charme zum Geheimtipp.

solasola

Warum ich euch das erzähle: Nachdem Fans ewig auf eine Fortsetzung der Tiermär hofften, hat sich CyberConnect 2 nun 12 Jahre nach Erscheinen des Erstlings endlich ein Herz genommen und mit Solatorobo – Red the Hunter den lange erwarteten Nachfolger produziert. Dieser baut auf den alten Stärken auf und beinhaltet eine komplett neue Geschichte aus dem Tail-Concerto-Universum mit neuen Charakteren, aufpoliert zu einem deutlich umfangreicheren Action-RPG. Der neue Held Red lebt in der Shepherd-Republik, einem (wesentlich größeren) Nachbarland des Königreichs Prairie, und erledigt dort in seiner Rolle als Hunter zahlreiche Aufträge. Als er beauftragt wird, eine wichtige Akte aus einem Luftpiratenschiff zu stehlen, trifft er auf ein mysteriöses Katzenmädchen und wird mehr oder weniger unfreiwillig in einen Konflikt gerissen, der katastrophale Ausmaße annimmt. Klingt erst einmal recht typisch, tatsächlich ist die wendungsreiche Geschichte jedoch interessant erzählt, so dass ich an dieser Stelle nicht zu arg spoilern möchte.

Für den Spieler heißt es erstmal: Losgerannt bzw. ran an’s Steuer, den Großteil des Abenteuers verbringt ihr nämlich an Bord von Red’s zweibeinigem Roboter Dahak. Wie im Vorgänger düst ihr auf dessen Rücken durch die Lande und macht euch seine mechanischen Greifarme zu Nutze, indem ihr Objekte von A nach B tragt, Kisten zerdeppert und Feindvolk verdrescht. Vor allem letztere Funktion stellt den Hauptteil des Action-Kampfsystems dar – ihr weicht in Echtzeit den variationsreichen Angriffen eurer Gegner aus und wartet auf den richtigen Moment, euch einen zu greifen und als Wurfgeschoss gegen seine Kameraden zu missbrauchen. Abseits des Kämpfens stapft ihr durch zahlreiche Areale, sammelt Geld und versteckte Gegenstände und rüstet die Attribute des Dahaks mit neuen Ausrüstungsteilen auf.



Den Kern des Ganzen stellt neben der Hauptstory das umfangreiche Quest-System dar: Jedes Kapitel der Geschichte enthält zahlreiche Quests, die ihr für die Einwohner der Shepherd-Republik absolviert. Hier kommt die Ausrichtung auf’s Handheld-Format besonders gut zur Geltung – die Quests reichen von einfachen Hol- und Bringediensten über Kampfeinsätze bis hin zu Flugrennen im Stil von Mario Kart und Konsorten; zwischendurch angelt ihr nach Riesenkrebsen, absolviert Wettkämpfe und macht Jagd auf Fotoschnipsel. Für Abwechslungsreichtum ist also mehr als gesorgt, zudem fallen die Aufgaben mit teils 10-minütigem Aufwand angenehm kurzweilig aus und sind wie geschaffen für eine kurze Runde zwischendurch.

Grafisch macht das Spiel einiges her: Die Entwickler mischen gekonnt polygonale Objekte, Charaktere und Areale mit gezeichneten Hintergründen und NPC-Sprites. Der Detailreichtum und die kräftigen Farben lassen kaum zu wünschen übrig und hauchen der Welt mit zahlreichen verspielten Animationen ordentlich leben ein. Stichwort Animationen: Die häufig eingestreuten Zwischensequenzen so simpel wie originell. Zweidimensionale, in Einzelanimationen unterteilte Charakterzeichnungen wechseln sich mit 3D-Modellen und ergeben einen ganz eigenen Stil. CyberConnect 2 versteht sein Handwerk und zeigt, dass man auf dem DS schon mit einfachen Mitteln unheimlich gut aussehende Ergebnisse erzielen kann. Unterstützt wird das Geschehen von einem stets passenden Soundtrack, der die Stimmung perfekt einfängt und deutlich an den Vorgänger erinnert, lediglich einige Soundeffekte kommen manchmal etwas kratzig daher. Das sollte jedoch nicht stören, denn präsentationstechnisch spielt Solatorobo ganz klar in der oberen DS-Liga und kann sich ohne weiteres mit Größen wie Dragon Quest IX messen.

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Natürlich hatte man bei der Entwicklung vor allem eins im Auge, nämlich die Fans des Vorgängers, und die werden besonders frohlocken. Neben unzähligen Referenzen auf Waffles Abenteuer trefft ihr bereits nach kurzer Zeit auf Mitglieder der Black Cat Gang sowie den Hofstaat von Prairie, bis ihr später im Spiel nahezu die gesamte Tail-Concerto-Besetzung zahlreiche Gastauftritte hat. Der episodische Aufbau passt zum Taschenformat und erinnert wie damals an das Format von Samstag-Vormittag-Cartoons – mit dem feinen Unterschied, dass ihr auf den regelmäßigen „Fortsetzung folgt“-Screen hin gleich weiterspielen könnt, wenn euch danach ist.

All dies lässt deutlich zu dem Schluss kommen: Dieses Spiel hat Herz. Seien es die liebevoll kreierten Charaktere, die spaßige Story oder die hübsche Grafik, die vor Leben und Detail nur so strotzt, man merkt einfach durchgehend, welchen Spaß die Entwickler hatten und mit welcher Mühe sie hier zu Gange waren. Selbst die Anleitung wartet mit vollfarbigen Artworks und detailreichen Hintergrundinformationen auf und sticht angenehm aus dem 12-Seiten-Schwarz-Weiß-Einheits-Brei der Konkurrenz heraus – so wünschen wir uns ein Spiel! Einziges Manko: Der Schwierigkeitsgrad fällt fast durchgehend dermaßen niedrig aus, dass sich geübte Zockerseelen schnell unterfordert fühlen und bis zum Ende nicht ein Mal den Game-Over-Screen sehen werden. Lesefeindliche Naturen sollten sich den Kauf zudem überlegen, denn hier wird der Fokus vor allem auf die wunderschön erzählte und ausgeschmückte Handlung gelegt – für RPG-Fans natürlich ein Grund mehr, die goldene DS-Ära mit dieser absoluten Spiele-Perle ausklingen zu lassen. Pflichtkauf!

Text Copyright Sebastian Sonntag 2011

Bilder, Video Copyright Nintendo, Cyber Connect 2

 
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