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von Michael Steber Link: http://littleinjapan.com/ In dem Song Big in Japan, den die deutsche Synthie-Pop-Band Alphaville irgendwann in den Achtzigern veröffentlichte, war Japan nur ein austauschbarer Begriff für einen Ort, der weit genug entfernt war, um sich dorthin und damit weg vom tristen Alltag zu träumen. Nichtsdestotrotz wurde der Songtitel zum geflügelten Wort und seitdem ist immer irgendwer oder irgendwas Big in Japan. Genau das wollen auch immer wieder westliche Ausländer im Land der aufgehenden Sonne sein beziehungsweise werden und der klassische Weg dorthin scheint noch immer über den scheinbar lockeren Job des Englischlehrers zu führen. Dass diese Idee auch gehörig nach hinten losgehen kann, zeigt das Webcomic Little in Japan auf ebenso zynisch-bissige wie scharf beobachtete Weise.
Little in Japan erscheint seit Anfang 2011 und erzählt die Geschichte von Dave, einem nicht mehr ganz so jungen Briten, der Japan eigentlich liebt und dort bleiben möchte, sich das aber mangels Alternativen nur über den McJob für englische Muttersprachler schlechthin ermöglichen kann: Er unterrichtet Englisch irgendwo in einer Sprachschule in Tokyo, obwohl er dafür weder qualifiziert noch motiviert ist. Hinzu kommt, dass Dave kein Japanisch spricht und nicht gerade der kulturell einfühlsamste Zeitgenosse ist. So erlebt der zynische Lehrer jeden Tag seine ganz persönliche Hölle und bekommt zunehmend das Gefühl, für irgendein Leben in Japan sein eigenes Leben weggeworfen zu haben. Dabei hat Little in Japan bisher nicht unbedingt eine stringente Handlung, sondern führt in den einzelnen Szenen immer neue Figuren ein, die natürlich Dave auf verschiedenste Art und Weise zu schaffen machen. Ob das nun eine in die Jahre gekommene Schülerin ist, die auf mehr als nur Unterricht hofft, der neue Schulleiter, mit dem es sich Dave sofort gehörig verscherzt oder der neue Mitbewohner, der Dave in jeder Hinsicht überlegen ist; ganz Japan scheint sich gegen den Zyniker verschworen zu haben. 
Dem ironischen Unterton und der überdrehten Darstellung ist es zu verdanken, dass Little in Japan niemals tragisch wirkt, sondern den Leser eher vor Schadenfreude losprusten und ihn in Fremdscham versinken lässt. Ganz anders als im ebenfalls hier besprochenen und thematisch ähnlichen Tonoharu wird hier Melancholie nicht einmal angedeutet, sondern stattdessen wird ohne Reflektion mit teils deutlichen Bildern gezeigt, warum man über das Leben von Dave einfach lachen muss. Noch amüsanter wird das Ganze dadurch, dass eigentlich jeder, der selbst einmal als Ausländer in Japan gearbeitet hat, wenn er nicht gar selbst wie Dave geendet ist, zumindest einen ähnlichen Gaijin kennt, der sich als Sprachlehrer durchs Leben schlägt dem Zerrbild von Dave dabei gefährlich nahe kommt. Unqualifizierte und naive Twens bevorzugt aus englischsprachigen Ländern, die dem Alkohol vielmehr als dem ungeliebten Lehrberuf zugetan sind, wird es in Japan wohl immer zuhauf geben. Doch selbst wenn man sich vor einem Leben wie Dave es führt gerade noch retten konnte, werden einem viele typische Verhaltensweisen von Ausländern in Japan bekannt vorkommen. Vom Misstrauen gegenüber den seltenen anderen Ausländern über das unreflektierte Übertragen eigener kultureller Eigenheiten auf das fremde Land bis hin zum alltäglichen Treten von einem Fettnäpfen ins andere werden viele Aspekte des Lebens von Ausländern in Japan überspitzt und mit einem Augenzwinkern präsentiert.
Somit ist Little in Japan ein interessantes Webcomic, das gerade an Japan interessierte Leser mit einer gehörigen Portion an nerdigem und manchmal allzu wahrheitsgetreuen Humor begeistern wird. Der an Robert Crumb erinnernde Zeichenstil tut sein Übrigens, um die Erwartungsfreude auf baldige und hoffentlich zahlreiche weitere Episoden von Daves bemitleidens- und belachenswerten Alltag in Japan zu steigern.

Text Copyright Michael Steber |