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Autor / Artwork: Ted Naifeh
Erschienen bei: Oni Press Preis: 11,95 US$ (Paperback) Amazon: Polly & the Pirates: Volume 1 Kennt jemand Ted Naifehs Courtney Crumrin? Dieser nette Comic, in den USA beim allseits beliebten Verlag Oni Press erschienen und mittlerweile auch in Deutschland zu haben (erschienen im Eidalon -Verlag), ist eine fiese kleine Geschichte um eine halbwüchsige Außenseiterin, die sich mit diversen finsteren Künsten beschäftigt - nach allgemeiner Ansicht eine ziemlich gelungene Sache. Grund genug für Naifeh sich zu sagen "Na das hat doch super funktioniert! Da mach ich doch gleich mal was... ganz anderes"! Und tatsächlich - der Autor hatte offenbar keine Lust, sich auf seinen Crumrin-Rosen auszuruhen und schrob mit Polly and the Pirates fast das komplette Gegenteil zu seinem früheren Erfolg. Wobei - das komplette Gegenteil ist es dann doch nicht geworden. Beide Comics haben ein kleines Mädchen in der Hauptrolle, beide setzen auf einen "Niedlich"-Zeichenstil, und genauso wie Courtney Crumrin ist auch Polly and the Pirates verdammt gut geworden. Auf den ersten Blick ähneln sich Polly und Courtney auch ziemlich. Der Zeichenstil in beiden Comics ist klar, abstrahiert und sehr ausdrucksstark, das Design der Figuren ist bei Polly aber noch etwas mehr auf niedlich gemacht. Während die Figuren bei Courtney Crumrin vor allem durch ihre ungewöhnlichen Augen Ausdruck verliehen bekamen, fuhr Naifeh dieses Stilmittel hier etwas zurück. Das ist auch gut so - so wird schnell deutlich, dass der gute Mann nicht nur in verschiedenen Genres zuhause ist, sondern auch stilistisch so einiges zu bieten hat. Charakterlich stellt Polly das exakte Gegenstück zu Courtney dar. War Naifehs erste junge Heldin eine verschlossene Einzelgängerin, ist Polly eigentlich viel zu nett und brav für diese Welt. Als Musterschülerin eines streng geführten Internats würde niemand auch nur auf die Idee kommen zu vermuten, die unschuldig-blonde Heldin würde irgendetwas aushecken. Würde sie auch tatsächlich nicht, aber eines Morgens findet sie sich an Bord eines Piratenschiffs voller unheimlicher, aber irgendwie auch witzig-sympathischer Gestalten wieder. Und die wollen kein Lösegeld für die junge Dame kassieren, sondern sie zu ihrem Kapitän machen - schließlich hatte ihre Mutter den Job auch schon inne und hat dabei hervorragende Arbeit geleistet. Aber war Pollys Mutter jetzt eine vornehme Dame oder eine berüchtigte Piratenkönigin? Und wenn sie tatsächlich Letzteres gewesen sein sollte, wieviel davon steckt dann in Polly? 
Die simple, aber sehr spaßige Prämisse "Brave Musterschülerin wird Piratenkapitän" trägt den ersten Paperback dann auch hervorragend: Polly muß ihre eigene Identität finden, sich den Respekt der Mannschaft verdienen und es nebenbei nicht nur mit der örtlichen Marine, sondern auch noch den unangenehm gutaussehenden Sohn des größten Rivalen ihrer Mutter aufnehmen. Und nach Möglichkeit noch rechtzeitig zum Internat zurückkommen, bevor die Frau Lehrerin was merkt... Mit den fantastischen Szenarien, jeder Menge Abenteuer und mindestens genausoviel Humor stellt Polly and the Pirates den perfekten Comic für Liebhaber klassischer Hollywood-Piraten da - auch wenn an Stelle von Strahlemann Errol Flynn dieses mal ein kleines blondes Mädchen im Mittelpunkt steht. Mal sehen, wie die deutsche Version des Comics der demnächst beim Eidalon-Verlag erscheint ausfällt. Aber wer des Englischen auch nur halbwegs mächtig ist, sollte sowieso zum Original greifen. Wer mal reinlesen will, der findet bei Oni Press ein paar Seiten im PDF-Format . Text Copyright Thomas Nickel 2006 Artwork Copyright Ted Naifeh |