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Autoren: Andrew Boyd & Ryan Yount / Artwork: Ryan Yount
Erschienen bei: AiT/Planet Lar Preis: $12,95 Amazon: Scurvy Dogs: Rags to Riches
Arrr. Verdammt. Eigentlich wollte ich hier einen üblen Verriss von Andrew Boyd und Ryan Younts Piratenfarce Scurvy Dogs präsentieren. Alles war zurechtgelegt: die peinlichen Zeichnungen, die völlige Abwesenheit von Struktur, das armselige Pacing und der hermetische Humor. Ja, all dies und noch viel mehr lag schon mundgerecht auf der elfenbeinfarbenen Schlachtbank anmaßender Kritik. Doch dann las ich es ein zweites Mal. Arrr. Verdammt. Natürlich wird bei Scurvy Dogs Dilettantismus nach wie vor groß geschrieben - und gewiss auch falsch -, doch ist es tatsächlich ein Dilettantismus der liebenswürdigen Sorte, zuweilen versehen mit dem Adjektiv "armselig". Autor Boyd und Co-Autor/Zeichner Yount haben zwar keinen Plan, doch an den halten sie sich. Plan für was, eigentlich? Nun, vermutlich dafür, unter Wahl des geringsten Widerstands die Abenteuer des ingeniösen Captain Blackbeard und seiner minderbemittelten Mannschaft unters Volk zu bringen. Diese Mannschaft besteht aus dem irischen Mr. T-Ersatz McDougal, der einen der drei Stooges im Boxring umgebracht hat, Menudo-Mann Jefe mit seinem geschulterten Geier, dem stummen Shanghai Pete, dem - und seiner ganzen Familie gleich mit - Blackbeard & Co. damals die Zunge rausgeschnitten haben („’Twas a cruel joke. But quite funny at the time.“), und dem alten Sack Pappy, der irgendwann irgendwie seine Hand verloren hat. Der Captain schließlich ist tatsächlich der berühmte mit der geschichtsträchtigen, äh, Geschichte, also dem fünfmaligen Erschießen, zwanzigfachen Erstechen, einmaligen Enthaupten und dreimaligen kopflosen Schwimmen um sein Schiff. So heißt es zumindest. Außerdem hat er seinen Bruder, Bluebeard, wegen dessen Vorliebe für Anson Williams über die Planke gehen lassen. Ja, Blackbeard ist grausam.  
Er ist auch ein armseliger Dilettant. Seine Crew steht ihm da in nichts nach. Sie rauben portugiesische Leprakranke aus (Wieso keine portugiesische LepraKRAKE, Gott? Wieso? WIESO?), lassen sich von ein paar dyslexischen Affen das Segel beschmieren („Monkeys rule – pirates is dum“), werden von der Hobo-Mafia gefangen genommen, scheitern überwiegend kläglich bei der Jobsuche an Land und werden schließlich von Dr. Theopolis, dem kreisrunden Roboter ohne Arme und Beine aus der alten Buck Rogers-Fernsehserie, über den Tisch gezogen – und besagter Doktor wurde sogar von Hiphop-Meister Flava Flav ausgetrickst. Da sieht man einmal.  
Ja, diese und noch viel mehr Beispiele von Armseligkeit kriegt man in Scurvy Dogs: Rags to Riches geboten. Und es ist wohl letztendlich diese von Schöpfung (Blackbeard und Konsorten) und Schöpfer (Boyd und Yount) geteilte Armseligkeit, die den Sinneswandel bei der Zweitlesung hervorgerufen hat. Hat man erst einmal die aufgrund von Kritiken wie „…Scurvy Dogs is already one of the funniest comics on the stands…“ (Matthew Price, The Oklahoman) hochgesteckten Erwartungen über Bord geworfen, steht einer unbeschwerten Lektüre, die frei für alle Absurditäten und Unzulänglichkeiten ist, nichts im Wege. Da man natürlich nicht sämtliche amerikanischen Popkulturreferenzen umschiffen kann, empfiehlt es sich, parallel zu den hier enthaltenen fünf Einzelausgaben sich Boyds und Younts Autorenkommentar zu Gemüte zu führen. Neben der Erklärung aller für uns Mitteleuropäer undurchdringbaren U.S.-amerikanischen Insiderwitze werden dabei all die ursprünglichen großen und ambitionierten Vorhaben von Schreiber und Zeichner deutlich, die dann allerdings zumeist an der persönlichen Nemesis namens Faulheit kläglich scheitern mussten.  
Scurvy Dogs ist letztendlich die unrühmliche Konsequenz langjähriger Blödeleien zweier Mittzwanziger, denen kein Tief zu tief ist. Aber hey, die zwei Chaoten namens Andrew Boyd und Ryan Yount haben den unreifen Quatsch, der ihnen in den Köpfen rumspukte, rausgelassen und immerhin zu Geld gemacht – und schon deswegen sollten sie zumindest unsere Chaoten sein. Für $12,95 kriegt man mit Scurvy Dogs: Rags To Riches auf 160 Seiten übrigens das All-inclusive-Paket. Neben der kompletten Serie in bereits erwähnten fünf Ausgaben gibt es den ebenfalls schon angesprochenen Kommentar, das vierseitige Vampirella-Crossover, Entwicklungsskizzen der Hauptcharaktere, eine Pin-up-Sektion mit Werken so bekannter Leute wie Kieron Dwyer und Brian Wood, ein Interview mit den Schöpfern, geführt von einem klugscheißenden Nachbarsjungen (F: „Do you own a horse?“, A: „I have several bottles of glue, and I have been trying to clone one in my living room.“), und die wohl beste Einleitung der Welt von Drehbuchautor Adam Beechen, die allen Leuten namens Fleming zu neuen Ehren gereicht. Und jetzt ist das hier wirklich eine Kaufempfehlung geworden. Arrr. Verdammt. Links: Website der Serie - www.scurvy-dogs.com Website des Verlags - www.ait-planetlar.com Text Copyright 2006 Ruben Schmitt Coverartwork, Auszüge Copyright AiT/Planet Lar & Andrew Boyd & Ryan Yount |