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Gorilla des Monats

bernie 
The Sounds

Was wissen wir eigentlich über Schweden? Der Alkohol ist richtig teuer, im Winter ist es kalt und dunkel und alle Ureinwohner sind deshalb traurige langhaarige Gestalten, die Emo-Musik schreiben. Und dann kam Hurricane, Samstag, zwölf Uhr mittags, The Sounds. 

Als erstes fällt auf, dass es sich hierbei um fünf verdammt schöne Menschen handelt, die alle eine enorme Bühnenpräsenz an den Tag legen. Sängerin Maja Ivarsson erinnert mit ihren Bewegungen an Dennis Lyxzén (Refused, Noise Conspiracy). Es reicht ihr nicht, ins Mikrophon zu singen, und es ist doch auch viel mitreißender, wenn eine zierliche blonde Schwedin Luftsprünge macht, sich auf den Boden wirft oder verführerisch ihren Bassisten umwirbt. Das allein hat dafür gesorgt, dass ich das Konzert von Skin völlig vergaß und wie gebannt vor der Bühne stehen blieb. Und dann war da noch die Musik.

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Gemeinhin scheint man die Sounds in die Punk-Schublade stecken zu wollen, aber mit Punk, und auch dann nur mit dem modernen, unpolitischen, hat das Ganze höchstens auf Textebene etwas zu tun. Die Musik dagegen wird hauptsächlich durch den Synthesizer und die teilweise doch sehr schrille Stimme von Ivarsson bestimmt. Gewisse Einflüsse von Bands wie Blondie (gerade die früheren Sachen) oder Depeche Mode sind natürlich nicht von der Hand zu weisen, man fühlt sich beim Zuhören aber durchaus nicht in die 80er Jahre zurückversetzt. Ganz umgekehrt klingen The Sounds mit ihrer Dur-Musik, tatsächlich unterscheidbaren Liedern und völlger Abwesenheit jeglicher Balladen und Gitarrensolis erfrischend anders als der Rock von der Stange, der seit einiger Zeit in sämtlichen Musikmagazinen gehyped wird (und langsam dem Elektropop weicht). Dass sie sich, genau wie Landesgenossen The Hives oder Mando Diao, selbstverständlich auch für die größte Band der Welt halten, ist, wie ich finde, zur Zeit durchaus berechtigt. Man muss schließlich schon einiges drauf haben, um auf einem Festival am frühen Morgen die paar Leute, die vor der Bühne stehen und die Band nicht kennen, zum Rocken zu bringen.

 

Living in America

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(Schweden, 2003) Erscheinungsdatum: 24. März 2003
ASIN: B00007KMST
Tracks:
11

Das Debütalbum der Band dreht sich nur um den Augenblick. Hier sind wir, wir sind jung, wir wollen Spaß haben, egal was ihr dazu zu sagen habt - so ist die Message der Platte. So handeln auch fast alle Tracks auf dieser CD von Party, Drogen, Sex, seven days a week, every moment every night, und dabei sind wir auch noch besser als alle anderen, denn we dance to the same groove but I've got the right move.

Dass bei so viel Party nicht viel Platz für Tiefgang bleibt, ist klar. Trotzdem überrascht die Band neben teilweise wirklich einfallsreicher Melodien auch mal mit einer entzückenden Textzeile - auch wenn man wahrscheinlich erst beim zehnten Durchhören überhaupt in der Lage sein wird, auch auf den Text zu achten. Eine Ausnahme bildet der titelgebende Track "Living in America", der mit der Aussage we're not living in America, but we're not sorry in eben diesem Land für gehörig Aufruhr und Missverständnisse gesorgt hat. Dabei geht es darin gar nicht um die USA, sondern um die zunehmende Amerikanisierung Schwedens. Im Gegenzug ist eben die der Grund, weshalb die Band ihre Lieder auf Englisch schreibt und so auf der ganzen Welt Erfolg hat - ein Paradoxon, der der Musik keinen Abbruch tut.

 

Dying to Say This to You

dying

(Schweden, 2006) Erscheinungsdatum: 23. Juni 2006
ASIN:
B000ENWKO2
Tracks:
10

Auch die zweite Platte besteht aus knackigen Gut-drauf-Popsongs, aber dass man auf alles und jeden pfeift, hat sich als Thema zum Glück erledigt. Die Musik wird etwas erwachsener, die Texte drehen sich nun hauptsächlich um Liebe, Beziehungen und die enorme Anstrengung, die man braucht, um diese am Leben zu erhalten. Andere gehen dafür ganz in ihrer Trauer und Hilflosigkeit auf, The Sounds ziehen den Angriff der Verteidigung vor: it takes more than a heartbeat to get me. Wer statt zu weinen wütend werden will, ist mit diesem Album gut beraten. Wer einfach einen Abend durchtanzen will, auch.

Doch auch ein anderes Thema zieht sich wie ein roter Faden durch das Werk durch: this song is not for you (...), not for the true. Wer so gut Musik macht, hat nämlich auch Erfolg, verdient Geld und ist (zumindest in Schweden) auf High Rotation. Sehr bestimmt machen die Sounds hier nun klar, wie wenig sie von den ganzen Indie-Snobs halten, die ihre Bands gerne klein und unbekannt hätten. Vielleicht gehen die als Fans verloren, aber dafür erreicht man, wenn man erfolgreich ist, ein Tausendfaches an Leuten. Die Chancen stehen also gut dafür, dass man in Zukunft auch hierzulande mehr von dieser Band hören wird und sich nicht mit drei Festivaldates im Jahr zufrieden geben muss.

 
Text Copyright Darina Goldin 2006
Bilder Copyright The Sounds 

 

 
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