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Gorilla des Monats

bernie 
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Der Wanderer im Eis

wanderer Japan (2005) 

Autor/Artwork: Jiro Taniguchi

Erschienen bei: Schreiber und Leser
ISBN: 3937102493
Preis: 14,95€
Amazon: Der Wanderer im Eis

Ganz unscheinbar lag er da - etwas überformatig, blau mit einem mächtigen Elch auf der Titelseite, ganz  verloren zwischen all den anderen Mangas mit ihren langhaarigen Schwertschwingern, metrosexuellen Depri-Knaben, halbnackten Heldinnen und aufgedonnerten Schulmädchen. Selbst der vergleichsweise hohe Preis von 15 Euro konnte da nur kurz schrecken - wenige Blicke ins Innere des Comics besiegelten die Kaufentscheidung, und ausführliches Lesen bestätigte, dass es eine gute Idee war, die 15 Euro zu investieren. Und im folgenden werde ich mal darlegen, warum das so ist.

Haben die meisten Mangas eine demographisch klar umrissene Zielgruppe, würde diese Beschreibung hier wohl lauten "Leute, die gerne lesen". Man kann die Geschichten in zahlreiche Kathegorien einordnen. Viele sind in erster Linie Abenteuergeschichten. Gleichzeitig stehen aber oft auch die Figuren genauso im Vordergrund wie das, was sie erleben. Aber auch die Darstellung der Natur nimmt eine große Rolle ein. Und dann ist da noch das Motiv vom Einwirken der Natur auf den Menschen... und vom Einwirken des Menschen auf die Natur.

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Das Hauptthema von Autor und Zeichner Jiro Taniguchi ist also wohl tatsächlich der Mensch und die Natur, und wie der Name des Comics schon sagt drehen sich drei der insgesamt sechs Kurzgeschichten des Bandes um Menschen im Eis - ein alter Bärenjäger sucht nach dem Tier, das seinen Sohn getötet hat; zwei Reisende fliehen vor einem hungrigen Wolfsrudel; Abenteurer treffen auf einen alten Inuit. Trotz ähnlichem Setting und dem Motiv des Menschen in Extremsituationen erzählt Taniguchi drei grundverschiedene Geschichten, die nicht nur ungemein unterhalten und den Leser emotional ansprechen, sondern tatsächlich auch zum Nachdenken anregen.

In seinen anderen drei Geschichten verlässt Taniguchi den kalten Norden Japans und Nordamerikas: In Kaiyose-Jima - Die Muschelfängerinsel erzählt er die Geschichte eines kleinen Jungen, der alleine zu Verwandten aufs Land kommt und dort durch verschiedene Umstände mit seiner Freundin Yae zusammengeschweißt wird. In Das Lied der Wale geht es um die Freundschaft eines Forschers zu einem Buckelwal und die Frage, was ein Wal macht, wenn er weiß, dass er stirbt. Ein wenig aus dem Rahmen fällt Die Shokaro Appartments - dort erzählt Taniguchi die Geschichte eines angehenden Mangaka, der in einem recht... seltsamen Appartmentblock mit ähnlich seltsamen Mietern lebt. und sich sicher beim ersten Lesen nicht völlig erschließt sondern durch ihre offene Form jede Menge verschiedener Deutungen zulässt - auf ihre Art ist diese Geschichte wohl die vielschichtigste in dem ganzen Band.

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Jiro Taniguchis Comic kostet 15 Euro - mehr als das doppelte von dem, was ein Manga für gewöhnlich in Deutschland so kostet. Beim Lesen wird aber schnell klar: Das ist er auch wert - sowohl inhaltlich als auch in Sachen Aufmachung. Der Verlag Schreiber und Leser lässt dem Comic genau die Behandlung zukommen, die er auch verdient. Das Papier hochwertig, der Druck ganz hervorragend und sehr fein und die Übersetzung liest sich exzellent - alles Faktoren, bei denen die "großen" deutschen Verläge oft immer noch erhebliche Defizite vorweisen. Somit wird die hochwertige Aufmachung ganz hervorragend dem erwachsenen Inhalt gerecht.

Der Wanderer im Eis ist ein wunderbares Comic-Kleinod, das es wohl schwer haben wird, tatsächlich die Leser zu erreichen, die es begeistern würde. Dem normalen Manga-Leser ist der Comic zu teuer und nicht effektheischend genug, der anspruchsvolle Leser wird oft durch das Medium Manga selbst abgeschreckt, verbergen sich dahinter heute doch meist platte Geschichtchen mit stereotypen Figuren, die in erster Linie dazu da sind, Merchandise zu verkaufen oder auf RTL2 für Quote zu sorgen. Daher ergeht hier unsere dringende Empfehlung: Wer den Elch auf blauem Grund in der Buch- oder Comichandlung seines Vertrauens entdeckt, sollte schnell den Geldbeutel zücken und den mächtigen Paarhufer schnell mit nach Hause nehmen. Und wenn das genug Leser tun, dann bekommen wir in Deutschland hoffentlich bald mehr von Jiro Taniguchis hervorragenden Comics.

Text Copyright Thomas Nickel 2006
Artwork Copyright Jiro Taniguchi 

 
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