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Gorilla des Monats

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Garth Marenghi's Darkplace
Seite 2

 Großbritannien (2004)

Umfang: 6 Episoden, Buch: Matthew Holness, Richard Ayoade, Regie: Richard Ayoade, Musik: Andrew Hewitt , Darsteller: Matthew Holness, Richard Ayoade, Matt Berry, Alice Lowe, Stephen Merchant, Graham Linehan  

 

He whisked off her shoes and panties in one movement, wild like an enraged shark, his bulky totem beating a seductive rhythm. Mary's body felt like it was burning, even though the room was properly air-conditioned. They tried all the positions: on top, doggy, and normal. Exhausted, they collapsed onto the recently extended sofa bed. Then, a hellbeast ate them." (Garth Marenghi, Juggers)

Einige haben es vielleicht schon geahnt: Die Eighties-Serie Garth Marenghi’s Darkplace ist ebenso fiktiv wie ihr Autor. Tatsächlich handelt es sich bei Garth Marenghi und Dean Learner nämlich respektive um Kreationen der britischen Comedians Matthew Holness (bekannt als Computergeek Simon aus der einzig wahren UK-Fassung der Kultserie The Office) und Richard Ayoade (Obernerd Moss aus der bizarren Sitcom The IT Crowd).

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So ein Schreck: Dagless' Adoptivsohn ist ein potenzieller Mörder!

Stellen wir uns also mal das folgende Konzept vor: Was wäre, wenn ein größenwahnsinniger Schriftsteller in den achtziger Jahren eine furchtbar schlechte Fernsehserie produziert hätte, die erst heute, in der schlimmsten kreativen Dürre aller Zeiten, gesendet wird? Natürlich würde sich jener Autor bestätigt fühlen, jetzt wo er der Welt endlich seinen Geniestreich in volle Pracht präsentieren kann. Nur ahnt er eben nicht, welch audiovisuelle Katastrophe er tatsächlich über den Äther schickt.

Garth Marenghi’s Darkplace ist ein absolutes Unikum. Zugleich liebevolle Hommage an und gnadenlose Abrechnung mit dem Trashfernsehen der achtziger Jahre, zelebriert diese Serie schadenfreudig alle Klischees, die Anno Tobak die Mattscheibe dominierten. Billige Wackelsets, melodramatisches Overacting vom Feinsten, planetengroße Plotholes und Spezialeffekte aus der Bastelstunde sind allerdings nur die offensichtlichsten „Stärken“ von Darkplace.

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Thornton Reed: Knallharter Krankenhausboss bei Tag, rappender Barkeeper bei Nacht.

Der Großteil des Humors läuft nämlich auf der Metaebene ab. Die Cthulu-esque Krankenhaussoap dient Holness und Ayoade nur als Werkzeug für eine wissende Demontage der Medienbranche. Denn obwohl das Gros der Sendezeit von Glen A. Larson-Pastiches dominiert wird, ist dieses Material eigentlich nur ein Film im Film, denn schließlich stehen hinter den Darkplace-Protagonisten Dagless, Sanchez, Asher und Reed ja auch noch ihre ebenso fiktiven Darsteller. Jede Episode wird von mehreren Interviewsegmenten unterbrochen, in denen Marenghi und Learner mit dem Holzhammer den angeblichen Subtext ihrer Arbeit erklären, Kritiker verteufeln und fast an ihrer Selbstbeweihräucherung ersticken. Und von Folge zu Folge wird offensichtlicher wie narzisstisch, oberflächlich und schlichtweg gehirnamputiert diese selbsternannten Pioniere des Fernsehens eigentlich sind. In einer Ära schamlos oberflächlicher DVD-Features sind solcherlei Szenen natürlich Balsam für den leidenden, gemeinen Zuschauer.

Ein gutes Beispiel für den Darkplace-Humor ist die Episode „Scotch Mist“, welche Marenghi als Manifest gegen den Rassismus bezeichnet. Dumm nur, dass die eindimensionale Darstellung rachsüchtiger Schotten und die widersprüchlichen politisch korrekten Aussagen des Dagless-Charakters Marenghi als den größten Rassisten von allen outen.

UfosDag & Sanch
Die Invasion der fliegenden Untertassen ist zurückgeschlagen -  Zeit für einen herzhaften Abspannlacher!

Und dann gibt es ja noch Dagless’ Sidekick Dr. Lucien „Sanch“ Sanchez, einen süßholzraspelden Dirk Benedict-Verschnitt mit offensichtlichem Phallus(größen)neid, und Liz Asher, eine Ärztin, deren komplette Charakterisierung sich auf ihren Östrogenhaushalt beschränkt. Asher ist eine Frau, und für Marenghi bedeutet das folgendes:

  • Sie kann keinen Finger ohne die Hilfe eines Alphamännchens rühren.
  • Sie kämmt sich gern – und oft – die Haare.
  • Sie trägt gern Pink.
  • Sie vergöttert, wie all ihre Geschlechtsgenossinnen, Dr. Richard Dagless.

In einer der besten Folgen der Serie mutiert die gute Dame sogar, während einer *ähem* bestimmten Phase des Monats, zu einer diabolischen, männermordenden Telepathin. Sexismusvorwüfe kann Marenghi aber nur gönnerhaft belächeln, denn schließlich wurde die Folge ja geschrieben um das zarte Geschlecht „zu ehren“. So unterhaltsam Matthew Holness jedoch in seiner Dopellrolle als egomanischer Autor und omnipotenter Held in bester Mary Sue-Manier ist, wollen wir nicht die ebenso große Signifikanz von Richard Ayoades Dean Learner unter den Teppich kehren. Learner versucht, den Charakter des Machobosses Thornton Reed in bester Sam Jackson-Manier zu spielen, ohne dabei über ein Quentchen Schauspielerfahrung oder Talent zu verfügen. Und das Resultat ist grandios: Einen zornigen Haudegen, der seine Texte mechanisch runterleiert, verwirrt in die Kamera starrt oder schüchtern daherstammelt, sieht man weiß Gott nicht oft.

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Düstere Vision: Darkplace Hospital wird (mal wieder) von den Mächten der Finsternis heimgesucht.

Was soll man also noch sagen? Seit dem seligen Mystery Science Theater 3000 wurde filmischer Sondermüll nicht mehr so hemmungslos durch den Kakao gezogen wie in Garth Marenghi’s Darkplace. Mir persönlich gefällt die obskure britische Serie allerdings noch einen Tick besser als der amerikanische Kultklassiker, schon allein weil Darkplace auf mehreren Ebenen funktioniert. Wer ausschweifenden Irrsinn sehen will, kommt ebenso auf seine Kosten wie jemand, dem der Sinn nach einer hintergründigen Mediensatire steht. Positiv hervorzuheben ist übrigens auch die jüngst in Großbritannien erschienene DVD, die durch lobhudelnde Audiokommentare von Marenghi und Co. sowie liebevoll gefakete Dokumentationen der sowieso schon beeindruckenden Pseudo-Authentizität der Serie einen weiteren Baustein zufügt.

Aber was höre ich da? G-wie-Gorilla-Leser kaufen nicht die Katze im Sack? Kein Problem, denn auf der offiziellen Internetseite der Produktionsgesellschaft Avalon kann man legal und kostenfrei die komplette erste Episode sehen. Also, anklicken!

Bilder Copyright 2004 Channel 4, Avalon TV
Text Copyright Peter Clausen



 
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