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USA (2004), Regie: Jared Hess, mit: Jon Heder, Efren Ramirez, Aaron Ruell, Tina Majorino, Jon Gries u.a., Kamera: Munn Powell, Buch: Jared Hess & Jerusha Hess
Erschienen bei: Warner Brothers Napoleon Dynamite. Der Name riecht nach Superheld und Womanizer. Doch Napoleon ist davon so weit entfernt wie nur irgend möglich. Er lässt sich nur schwer in irgend eine Sparte einordnen. Für einen Geek zu verschroben, für einen Nerd nicht kauzig genug, und für einen Einfaltspinsel doch schon wieder zu cool. Eigentlich kennt ihn jeder, denn Napoleon ist der Typ von Teenager, der in jeder Klasse mindestens einmal vorkommt. Er ist das Kind, das die meisten Pausen stillschweigend in einer Ecke des Pausenhofs zubringt. Er ist der Typ, der auch auf dem College noch so aussehen wird wie von Muttern angezogen. Er ist derjenige, der sich trotz allem eine innere Coolness bewahrt hat. Er ist der Antiheld kurz vor dem Durchbruch. Napoleon lebt in seiner eigenen verschrobenen Welt, sowohl was Kleidung, Kommunikation und Lifestyle angeht. Hochwasserjeans bis an den Nabel gezogen, eingestecktes T-shirt mit Pferdedruck, Kassengestell und blonder Afro schreien nach Ausgrenzung. Napoleon lebt zusammen mit seinem noch spleenigerem Bruder Kip und seiner Oma in einer typischen amerikanischen Kleinstadt, was für die Eingliederung ins hippe Teenagertum auch nicht gerade förderlich ist. Wie abzusehen wird Napoleon nicht nur regelmäßig vom Footballteam der Schule in den Schwitzkasten genommen, fast die gesamte Lehranstalt beteiligt sich am Hard-Mobbing. Auch seine Mitgliedschaft in der Handtanzgruppe "Happy Hands" kann daran kaum etwas ändern. und auch mit den Mädchen will es nicht so richtig klappen. Trotz aller Rückschläge und Stolperfallen, die das Leben für Napoleon bereithält, bleibt er erstaunlich gefasst. Es scheint, als hätte Napoleon es aufgegeben, sich dem Strom entgegenzusetzen. Besser noch: Als hätte er nie gekämpft. Er fügt sich scheinbar seinem Schicksal als Außenseiter und flüchtet sich mit Hilfe seiner Zeichnungen in seine wirre Fantasiewelt aus Einhörnern, Lögern (eine Mischung aus Löwe und Tiger) und Vielfraßen.   Doch das alles ändert sich schlagartig (kaum), als Napoleons Oma bei einem Motorcrossunfall in den Dünen verunglückt und Aufgrund ihres Steißbeinbruches ins Krankenhaus muss. Sie beauftragt Onkel Rico, der in einem Wohnmobil lebt, seinen alten Tagen als Football"star" mit Hilfe von selbstgedrehten Videos nachtrauert und hin und wieder mit Gelegenheitsjobs als Tupperware-Vertreter seinen Lebensstandart finanziert, mit der Aufsicht von Napoleon und seinem 32 Jahre alten Bruder Kip. Hinzu kommt noch der bevorstehende Abschlussball, die Begegnung mit der ebenfalls etwas neben der Spur laufenden Deb, die versucht, mit Portraitfotografie und selbstgemachten Armbändern Geld für ihr College zu verdienen; und die Freundschaft zum neuen, ebenfalls etwas lethargischen Mitschüler Pedro, einem Mexikaner mit Mountainbike und zwei stereotypen Brüdern in Feinripp und Lowrider.
Regisseur Jared Hess – sein aktueller Film Nacho Libre läuft gerade im Kino - aus dessen Feder sowohl Idee und Drehbuch stammen, lässt mit diesem film alle American Pies wie ranzige Apfeltörtchen aussehen. Denn obwohl es sich hier unverkennbar um eine Teenager-Komödie handelt, entsteht der Witz von Napoleon Dynamite nicht durch oberflächlich runtergenudelte Gags, sondern durch die Situation und die Figuren an sich. Niveaulosen Humor à la "Einmal, im Ferienlager..." sucht man hier vergebens. Die Lacher werden subtil und indirekt über die Handlung und das Gesamtbild, und weniger über die reine Konversation übertragen. Nicht nur dieser zutiefst bizarre Slapstick macht den Charme des Filmes aus, sondern auch die Art, wie dieser in Szene gesetzt wird und vor welchem Hintergrund oder in welchem Rahmen dieser stattfindet. Der Humor funktioniert auf eine einzigartige Art und Weise als Gesamtkonzept. Ich bezweifle, dass einzelne Ausschnitte oder Szenen ohne das restliche Umfeld auch nur halb so gut funktionieren wie im gesamten laufenden Film.   Diese Teenager-Kömödie ist erschreckend real. Denn irgendwie kommt es einem doch so vor, als würde man Napoleon Dynamite oder einen seiner skurrilen Begleiter schon ewig kennen. Man ertappt sich dabei, die Figuren oder Handlungen mit Bekannten, Freunden oder sich selbst zu vergleichen. Und wenn man genau hinsieht, besteht der Film aus den extremsten Dingen, Leuten und Situationen, von denen jeder von uns schon einmal welche erlebt hat. Nur hier eben vereint in einer Person - in jedem von uns steckt ein Stück Dynamite. Und das ist nicht verwunderlich. Widmet man sich dem Audiokommentar auf der DVD, erfährt man, dass auch die Macher hier viele eigene Erfahrungen und Erlebnisse verarbeitet haben, was man ihnen ohne zu zögern sofort abkauft.
Ohne zuviel zu verraten, kann man wohl erwähnen, dass sich am Schluß doch alles irgendwie zum Guten wendet. Ein typisches Happy End? Das nun wieder nicht. Dafür ist der Film eben doch viel zu nahe an der Wirklichkeit. In einem anderen, gewöhnlichen Teenie-Film wäre aus Napoleon am Ende ein hipper Frauenschwarm geworden. Zwar erreicht jeder am Schluss sein Ziel, der Weg dorthin ist allerdings alles andere als beabsichtigt. Napoleon und seine Freunde sind keine Macher, sie gehen ihre Probleme nicht zielstrebig an, sondern werden vom ewigen Strom der Ereignisse getrieben und haben ausnahmsweise einmal Glück. Ich würde es vielleicht als "passive Happy End" bezeichnen - was aber allerdings hervorragend mit dem Gesamtbild der Story harmoniert. Vote for Pedro! Text Copyright Mischa Elbert 2006 Film Copyright Paramount Pictures |