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Gorilla des Monats

bernie 
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Suikoden 4
Beitragsinhalt
Suikoden 4
Suikoden 4- Seite 2
Interview mit Junko Kawano
cover

System: PlayStation 2 

Japan (2004), Buch, Charakter-Design, Produktion: Junko KawanoLead-Programming: Takayuki Kobayashi Musik: Masahiku Kimura, Norikazu Miura, Michiru Yamane
Originaltitel: Genso Suikoden 4  

Entwickler: Konami
Erschienen bei: Konami
Preis: ca. 20 Euro
 

Einen leichten Stand hatte die Suikoden-Serie bei der breiten Masse noch nie. Teil eins war inhaltlich und spielerisch hervorragend, erschien aber zu einer Zeit, als alle Welt nach 3D-Olé schrie und wurde dem entsprechend von den hiesigen Käufern liegen gelassen und von so manchem Pressevertreter ordentlich abgewatscht.
Teil zwei erschien in den USA fast zeitgleich mit dem Blockbuster Final Fantasy 8 und ging ziemlich sang- und klanglos unter - nur eine Auflage wurde in den Handel gebracht, neben dem hervorragenden Ruf des Spiels in seiner Fangemeinde sicherlich ein Grund, warum Suikoden 2 heute bei Ebay Höchstpreise einfährt. Sogar eine deutsche Version ist vom zweiten Suikoden-Teil erschienen, über die Übersetzungsqualität hüllen wir aber lieber den Mantel des Schweigens...
Teil drei blieb gleich ganz in Amerika. Schade eigentlich, denn auch wenn die erstmals doch dreidimensionale Grafik etwas klotzig daherkam und das Kampfsystem bestenfalls als gewöhnungsbedürftig zu bezeichnen ist, überzeugt der dritte Teil mit famoser Handlung, drei extrem sympathischen Helden und einem hochinteressanten narrativen Kniff, der euch die Handlung aus drei verschiedenen Perspektiven erleben lässt.
 
Beim vierten Teil ist das Motto ganz klar "Back to the Roots". Anstelle von drei definierten Protagonisten kommt Suikoden 4 wieder mit dem klassischen stummen Avatar-Helden daher, das Kampfsystem und die Runenmagie sind stark vereinfacht und auch Umfang und Schwierigkeitsgrad haben im Vergleich zu den letzten beiden Inkarnationen ziemlich abgenommen. 
 
stadt
Der Suikoden 4-Held hat ein Faible für kurze Hosen, die Architekten schätzen besonders die schöne Farbe grau.
 
Da steht er nun... der stumme Held, allein in einer zwar detaillierten, aber doch recht grauen Stadt. Und zugegeben - der Anfang von Suikoden 4 schwankt zwischen unspektakulär und geradezu erschreckend. Als unspektakulär kann man guten Gewissens die Grafik bezeichnen. Das Ganze läuft offensichtlich auf einer Abwandlung der Silent Hill 4-Engine und scheitert nicht mal an der Technik, sondern eher am fragwürdigen Art-Design. Razril, die erste Stadt in der ihr zunächst mal eine Weile unterwegs sein werdet, ist ein Traum in grau. Klotzige Häuser, grobe, farblose Texturen... ihr könnt das ganze zwar frei drehen, trotzdem wirkt es nicht wirklich überzeugend. Aber auch nicht schrecklich, eher eben unspektakulär. Schrecklich ist da eher die Lauf-Animation des Protagonisten. Der erschreckt nicht nur durch einen grausen Haarschnitt und modisch fragwürdige Kleidung, er läuft auch, als hätte er einen Stock verschluckt. Richtig schlimm wirds aber erst, wenn ihr den Renn-Knopf drückt: Anstatt eine eigene Renn-Animation zu implementieren, wird einfach die Lauf-Animation beschleunigt. Und das... nun, das geht nun wirklich nicht. Man kann von Glück sprechen, dass die späteren Szenarien nicht nur bunter, sondern tatsächlich auch stilsicherer daherkommen. Trotzdem lässt sich das nicht schön reden - Suikoden 4 ist nunmal kein allzu ansehnliches Spiel.
 
Die ersten Spielstunden gestalten sich aber nicht nur wegen der Grafik zäh, auch die Steuerung macht euch zunächst den ein- oder anderen Strich durch die Rechnung. Denn Suikoden 4 spielt auf den Island-Nations - weit südlich von den Schauplätzen der drei Vorgänger erstreckt sich ein weites Meer mit zahlreichen Insel-Reichen, die sich gegenseitig mal mehr, mal weniger mögen. Und um dort von Insel zu Insel zu kommen, müsst ihr ordentlich Seemeilen hinter euch bringen. Das ist Anfangs gar nicht mal so angenehm: Eure Schiffe sind relativ langsam unterwegs und die Monster auf dem Meer sind ziemlich aggressiv - alle paar Sekunden kommt es zum Zufallskampf. Und damit nicht genug. Die größte Schwierigkeit ist es, an einer Insel anzulegen: Ihr müsst den Hafen frontal anfahren - kommt ihr im falschen Winkel rein, dreht sich das Schiff automatisch um gut 90° und ihr dürft erneut versuchen, zu landen, während die Monster bereits die Messer wetzen. Auch gediegenes Entlangschippern an der Küste entfällt so... 
 
tactician
Elenor Silverberg übernimmt die klassische Strategen-Rolle.
 
Klingt alles ganz schön furchtbar... ist es aber zum Glück nicht. Nach einigen Spielstunden setzt der gefürchtete Suikoden-Charme ein... die Handlung wird spannender, die Welt wird zugänglicher und schließlich kommt ihr an den Punkt, an dem die größte Stärke der Suikoden-Serie wieder zum tragen kommt - in den Island Nations warten etliche Figuren darauf, von euch angesprochen und rekrutiert zu werden. Manche trefft ihr im Verlauf des Spiels automatisch, und ihre Hilfe ist entscheidend für den Fortgang der Handlung, Andere stehen so in der Gegend herum und lassen sich zum Beispiel durch ein kleines Duell zur Mithilfe überreden, wieder Andere sind ordentlich gut versteckt und nur zu finden, wenn ihr hartnäckig sucht und Hinweise richtig interpretiert. So ist eure Truppe im Idealfall am Ende des Spiels ganze 108 Jungs und Mädels stark. Und das Tolle dabei: Wo bei einem gewöhnlichen Square-Enix-Spiel schon Probleme mit der Charakterisierung auftauchen, wenn die Party mehr als ein halbes Dutzend Mitstreiter umfasst, schafft Junko Kawano es, selbst die unbedeutendste Nebenfigur souverän zu charakterisieren und interessant zu gestalten. Natürlich ist nicht jede Figur gleich komplex, dennoch überzeugt das Spiel gerade hier. Schade nur, dass ausgerechnet der Held doch etwas blass geraten ist - im Nachfolger zeigt Konami, wie ein stummer Held tatsächlich auch heute noch funktionieren kann.
 



 
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