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Seite 1 von 2 Am 20. Dezember 2007 gab es bei Sega einen Geburtstag der Besonderen Art zu feiern: Just an diesem Datum vor 20 Jahren erschien Phantasy Star für das Sega Master System (in Japan für das Sega Mark III) und hinterließ tiefe Spuren. Gewaltiger Modulspeicher war vonnöten, die umfangreiche Geschichte, die technisch beeindruckenden 3D-Dungeons und den gewaltigen Umfang - das Spiel erstrecke sich über drei ganze Planeten - zu realisieren. Und nicht zuletzt war Phantasy Star eines der ersten und ist bis heute eines der wenigen RPGs mit einer weiblichen, starken Hauptfigur. Lassen wir zum 20. Geburtstag also nochmal die ersten vier Episoden der Reihe Revue passieren... Denn vor Jahren, als Sprites und Parallax-Scrolling die Bildschirme regierten und man unter Polygonen hässliche, einfarbige und leblose Vielecke verstand, war die Phantasy Star-Reihe Segas eloquente Antwort auf die Platzhirsche Dragon Quest und Final Fantasy. Science Fiction anstelle von Fantasy, ehrgeizige Plots, aufwändige Grafik und gewaltiger Umfang sorgten dafür, dass die Phantasy Star Spiele der Konkurrenz qualitativ gleichkam.
Und wo heute Ethan Waber, Karen Erra und die anderen Helden von Phantasy Star Universe die Bildschirme erobern, werfen wir einen wehmütigen Blick zurück auf die Anfänge und das Ende der klassischen Phantasy Star-Serie. Dabei beschränken wir uns allerdings auf die vier Hauptepisoden - die Game Gear Spin-Offs und die extrem seltenen Mega CD Text-Adventures sehen wir uns vielleicht zu einem anderen Zeitpunkt einmal an. Wer die Klassiker heute noch spielen will, hat übrigens sehr gute Karten. Die Phantasy Star Collection auf dem Gameboy Advance umfasst die Teile 1, 2 und 3, die Sega Mega Drive Collection bietet Phantasy Star 2, 3 und auch den famosen vierten Teil. Phantasy Star Collection für den GBA bei Amazon.de SEGA Mega Drive Collection für PSP bei Amazon.de SEGA Mega Drive Collection für PS2 bei Amazon.de Ein Interview mit Rieko Kodama, der Frau hinter Phantasy Star 1, 2 und 4 findet ihr hier. Phantasy Star System: Sega Master System
Japan (1988), Design: Rieko Kodama, Programmierung: Yuji Naka, Musik: Tokuhiko Uwabo Bitte mal alle melden, die das original Dragon Quest kennen. Nein, nicht das Gameboy-Remake, auch nicht die US-Version Dragon Warrior - ich meine Dragon Quest wie es in Japan erschien. Das hatte im Grunde keine nennenswerte Grafik (nicht einmal der Held war wirklich animiert), die Handlung lässt sich in maximal zwei Sätzen zusammenfassen und die Party bestand genau aus einer Figur - dem Helden. Und jetzt sehen wir uns einmal Phantasy Star an. Das hat nicht nur detaillierte und bunte Szenarien, es blendet bei Dialogen auch in eine Frontalansicht der angesprochenen Person um, es bietet flüssig scrollende 3D-Dungeons, aufwändig animierte, große Monster, drei Planeten zum Erforschen, vier Helden mit Charakter und Hintergrundgeschichte, kommt auf einem für die damaligen Verhältnisse gigantische 4Mbit-Modul daher - und die Hauptfigur war ein Mädchen!  
Ja, richtig gelesen. Alis Landale, so der Name der jungen Heldin, ist bis heute ein echtes RPG-Unikum. Denn welches aktuelle oder ältere Rollenspiel hat eine weibliche Hauptfigur, die nicht als brave Heilerin oder pflichtbewusste Magierin daherkommt? Alis scherte sich 1987 um keines dieser Klischees. Mit ihrem Schwert war sie nicht nur eine ausgezeichnete Kämpferin, sie hatte es auch nicht nötig, in aufreizender Kleidung durch die Rollenspielwelt zu stolzieren - nicht einmal das aktuelle Final Fantasy XII kommt ohne dieses Klischee aus. Was die erste Phantasy Star-Episode an Inhalt bietet, ist auch heute noch beeindruckend. Die flüssig scrollenden 3D-Dungeons sind riesig. Wer sich nicht wie damals üblich eine Karte anfertigt, wird sich bereits in den ersten Höhlen gnadenlos verlaufen. Auch der Schwierigkeitsgrad ist nicht gerade von schlechten Eltern. Ohne regelmäßige Trainingseinheit wird die Party schnell von den Monsterhorden aufgerieben. Ausrüstung, Waffen und Heilmittel gehen so richtig ins Geld. Trotz dieser Hürden ist Phantasy Star heute immer noch eine Runde wert. Denn wo die ersten Episoden von Final Fantasy und Dragon Quest archaisch und antiquiert wirken, bietet Phantasy Star bereits alles, was auch ein modernes RPG auszeichnet. Ach ja, bereits der erste Teil der Serie setzte auch den Grundstein für ein bestehendes Ärgernis: Wilde Namensänderungen und Inkonsistenzen in Vergleich zur japanischen Version und dem Nachfolger tun seit jeher ihr bestes, um diverse Plot-Feinheiten für den westlichen Spieler zu verschleiern. 
Phantasy Star 2 System: Mega Drive
Japan (1989), Produktion: Yuji Naka, Director: Akinori Nishiyama, Hirota Saeki, Art-Director: Chaotic Kaz, Design: Rieko Kodama, Myao Choko, Naoto Ohshima, Hitoshi Yoneda, Musik: Tokuhiko Uwabo Phantasy Star 2 ist ein Monster. Kein anderes Rollenspiel - ob 8, 16, 32 oder sonstwieviele Bit - hat derartig gigantische und knackschwere Dungeons mit vergleichbar harten Kämpfe, und auch die alles andere als fröhlich-optimistische Handlung und das zutiefst ambivalente Ende sind bis heute nahezu einzigartig. Dabei wirkt das ganze Anfangs noch so harmlos. Die Grafik ist bunt und durchaus niedlich, und das damals serienmäßig beigelegte Lösungsbuch mag bei manchem Käufer sogar den Verdacht geweckt haben, dass es sich bei Phantasy Star 2 im Vergleich mit dem Vorgänger um ein Rollenspiel-Leichtgewicht handelt. Nun, dem ist nicht so. Bereits der erste Dungeon ist groß, verzweigt und von jeder Menge bissigem Getier bewohnt. Und ist der zweite Dungeon gemeistert und die erste kleine Aufgabe scheint gelöst, zeigt Phantasy Star 2 zum ersten Mal sein wahres Gesicht: Anstatt eine nette Friede-Freude-Eierkuchen-Auflösung zu bieten, endet das ganze in einer Tragödie, die den Ton für den Rest des Spiels bereits setzt. Plotwendungen, die die breite Masse erst viele Jahre später mit Squares Final Fantasy VII erlebten, die Zerstörung ganzer Welten und das bereits erwähnte offene Ende, das erst in Teil 4 etliche Jahre später ein wenig aufgelöst wurde, funktionieren auch heute noch und sind auch die Elemente, die für die meisten Spieler in Erinnerung geblieben sind. 
Dank Mega Drive ist die Grafik auch gleich eine ganze Ecke hübscher als im 8-Bit-Erstling. In den Kämpfen wird nun zwar auf die detaillierten Hintergründe des Vorgängers verzichtet, dafür befinden sich aber auch mehr verschiedene Monster (Teil 1 bot immer nur eine Art von Gegner pro Kampf), und der Spieler darf den hübsch animierten Helden nun beim Angriff zusehen. Die 3D-Dungeons wurden allerdings eingemottet, jetzt läuft das ganze Spiel in der Vogelperspektive ab. Beim Sound haben sich die Designer die Schwächen des Mega Drive zu nutze gemacht und einen kühlen Soundtrack geschrieben, der perfekt in die moderne Science Fiction-Welt von Phantasy Star 2 passt. Nun, heutzutage ist natürlich das Schockpotenzial der meisten Elemente von Phantasy Star 2 stark zurückgegangen. Viele Elemente kennt der aufmerksame Spieler mittlerweile aus aktuelleren Titeln, und so bleiben in erster Linie jede Menge Power-Leveln, Geldsammeln für die teilweise pervers teuren Waffen und etliche Game Over-Bildschirme, wenn man sich doch wieder mal etwas zu tief in den Dungeon gewagt hat. Mit längerer Spieldauer wird das Spiel zum Glück etwas spielerfreundlicher, allerdings ist es serientypisch hier nicht möglich, die Helden zu den übermächtigen Kampfmaschinen zu machen, mit denen erfahrene Final Fantasy-Spieler in den Endkampf ziehen. Da die Neuauflagen natürlich alle ohne den Players Guide des damals 180 Mark teuren Originals daherkommen, ist das Spiel gerade für den modernen Rollenspieler noch dramatisch schwerer als es schon damals war. Ein Reinspielen empfehlen wir aber allemal - ein paar Stunden sollte man in diesen Klassiker allemal investieren. Und wer weiß, vielleicht werden ja doch ein paar mehr daraus. 
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