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System: Xbox360
Japan (2006), Director: Tomonobu Itagaki, Lead Designer: Masato Onishi, Lead Character-Artist: Yasushi Nakakura, Lead Animator: Chitose Sasaki, Kazuki Motosa, Audio Director: Takafumi Inamori Entwickler: Tecmo / Team Ninja Erschienen bei: Microsoft ca. Preis: 60,-€ Dead or Alive Extreme 2 bei Amazon.de Als Tecmos Team Ninja 2003 Dead or Alive Xtreme Beach Volleyball ankündigte sorgte das in der Spielergemeinde für jede Menge hochgezogene Augenbrauen. Immerhin ist Dead or Alive eine Beat'em Up-Serie die sich zu guten Teilen über die fröhlich auf- und abhüpfenden sekundären Geschlechtsmerkmale der weiblichen Kämpfer definiert? Und dazu jetzt ein Spin-Off in der die Damen in knappen bis sehr knappen Bikinis über eine tropische Insel hopsen und statt den Fäusten die Volleybälle fliegen lassen? Und das noch auf der XBox, dem natürlichen Habitat fieser Ego-Shooter-Supersoldaten und harter Agentenschweine mit Nachtsichtgeräten? Das passt ja nun gar nicht... Trotzdem hat das ganze irgendwie funktioniert. Okay, der Volleyball-Part, laut Titel noch die Hauptattraktion des Spiels war irgendwie nicht so wirklich der Weisheit letzter Schluss, aber die Mischung aus Mädels in knappen Bikinis, Urlaubsfeeling satt, toller Grafik und nettem Sammelfaktor war eine nette Abwechslung vom kriegerischen XBox-Alltag und einfach ein nett-harmloser Zeitvertreib. In diesen Tagen ist jetzt die Fortsetzung für die XBox360 erschienen. Und was soll man sagen... auf den ersten Blick hat Team Ninja annähernd das gleiche Spiel mit einer Handvoll neuer Spielmodi abgeliefert.
In der Praxis sieht das dann folgendermaßen aus: Ihr wählt zu beginn eine der neun Damen aus - von den optischen Unterschieden abgesehen hat jede ihre eigenen Stärken und Schwächen im Volleyball, im Prinzip entscheidet ihr euch aber einfach nach euren Präferenzen - ob Tina jetzt einen stärkeren Schlag oder Lei Fang eine bessere Defensive hat merkt ihr in den Volleyball-Matches selbst kaum. Die haben sich im Vergleich zum Erstling auch kaum verändert. Das Spielgefühl ist nach einiger Eingewöhnungszeit ganz ordentlich, durch den Verzicht auf großartige Bildschirmanzeigen - vom Punktestand einmal abgesehen - wirkt es auch sehr lebendig und harmonisch. Und wiederum haben Besitzer von 4:3-Fernsehern das Nachsehen, durch die Kameraarbeit sind die Manöver der Mädels zwar gut in Szene gesetzt, auf 4:3 enthält euch das eigentlich auf 16:9 ausgelegte Spiel aber einen guten Teil des Bildes vor und oft geht dabei die Übersicht flöten. Dass man sich abermals nicht die Mühe gemacht hat, einen ordentlichen Mehrspielermodus einzubauen ist alles andere als optimal - Offline wirds nichts mit fröhlichen Multiplayer-Sessions. Aber der aufmerksame Leser hat sicherlich schon festgestellt, dass die Volleyball-Spiele ja garnicht mehr so zentral sind wie im Vorgänger, hat man das Beach Volleyball doch komplett aus dem Titel gestrichen. Mindestens ebenso wichtig sind die zahlreichen Minispiele und das Jetski-Rennen zu dem ich später noch komme. War man im ersten Teil auf ein simple Mattenhüpferei über den Swimming-Pool und vergleichsweise dröge inszenierte Casino-Spielchen angewiesen hat Team Ninja hier neue Disziplinen wie Seilziehen auf dem Pool, Po-Schubsen, Wasserrutschen oder Strandwettlauf implementiert. Meistens laufen diese Minispiele aber auf hektisches Knöpfchendrücken und eine ganze Portion Glück hinaus. Aber die zusätzliche Abwechslung wird dankbar zur Kenntnis genommen.
Das Jetski-Rennen ist überraschenderweise tatsächlich sehr ordentlich gelungen. Zunächst einmal sieht es wirklich toll aus - glitzerndes Wasser, hohe Geschwindigkeit und hübsche Wellen lassen die Wasserschlacht zur grafischen Königsdisziplin avancieren. Auch spielerisch wissen die Rennen zu gefallen. Gerade später im Spiel sind die Strecken ordentlich lang und ohne souveräne Pad-Beherrschung hängen euch die Konkurrentinnen gnadenlos ab. Große Brecher wie im Gamecube-Starttitel Waverace: Blue Storm gibt es natürlich nicht, trotzdem tut ihr gut, die Wellen in euer Spiel mit einzubeziehen. Wer erstmal die Kontrolle über sein Wassergefährt verloren hat, hat schnell das Nachsehen. Grafisch kann man Dead or Alive Xtreme 2 größtenteils ein sehr hohes Niveau bescheinigen. Die Szenarien sind wunderbar gestaltet, die Damen sind ganz ausgezeichnet modelliert und machen einen tollen Eindruck, auch wenn sie einen Großteil ihrer Animationen aus dem Vorgänger übernommen haben. Auch der stilisierte Plastik-Charme der Dead or Alive-Serie blieb erhalten - den Entwicklern geht es hier ausschließlich darum, möglichst perfekte Fantasiegeschöpfte über eine tropische Insel turnen zu lassen, nicht aber um die korrekte Wiedergabe weiblicher Anatomie. Nur so erklärt sich auch der prominenteste Effekt des Spiels. Nein, nicht der technisch beeindruckende Schattenwurf und nicht die virtuellen Tan-Lines der Damen, sondern der berühmt-berüchtigte Oberweiten-Wipp-Effekt.Den hat Tecmo hier tatsächlich auf die Spitze getrieben. Die Bewegung jeder Brust wird einzeln berechnet und es kommt nicht selten vor, dass die Rundungen noch Wogen und Schwanken während die Besitzerin sich schon längst nicht mehr bewegt... ob es an den patentierten Helium-Implantaten liegt?
Im Prinzip kann man Dead or Alive Xtreme 2 trotz (oder wegen) so manchem pubertären Voyerismus und interaktiver Fleischbeschau durchaus mögen. Das Volleyball-Spiel macht (auf 16:9) Spaß, die Jetski-Rennen sind gelungen, die Grafik ist schick... aber ich hab mit so manchen anderen Aspekten des Spiels echte Probleme. Warum liefert Team Ninja essenziell das gleiche Spiel wie vor drei Jahren ab? Mit all seinen Macken in den Menüs und der Bedienbarkeit, dem langweiligen Casino, dem total einschränkenden "nur drei Aktivitäten am Tag"-Prinzip? Da hätte man doch wirklich mehr machen können... Freies Erkunden der Insel beispielsweise. So klickt man auf der Karte einfach das nächste Ziel an und sieht dann eine Sequenz bei der man immerhin noch ein wenig die Kamera bewegen und Fotos schießen kann. Wie wäre es aber gewese, zumindest auf vorgegebenen Wegen selbst über die Insel laufen? Die Grafikpower ist doch da. Die Karte zum prompten Anwählen einer Location kann ja gerne bleiben, aber wieviel besser wäre es, wenn ich mir selbst sage "hey, ich geh jetzt zum Poolhüpfen" und man dann selbst zu Fuß, oder auch später vielleicht per Rollerblades zum Pool laufen und dabei die Insel ansehen kann! Unterwegs kommt man dann an einem der "Hotspots" vorbei und kann dann auch wählen, ob man sich dort etwas aufhalten will. Das Ganze hätte sich gleich viel besser angefühlt.
Mehr Interaktion mit den anderen Figuren wäre ebenfalls schön gewesen. Die Insel ist bei allem grafischen Prunk völlig tot - man trifft praktisch nie andere Figuren und wenn man sie trifft, dann findet auch keine wirkliche interaktion statt. Warum hat man nicht die Möglichkeit, mit den anderen Mädels zu reden? Ein paar nette Multiple Choice-Dialoge mit denen man auch den ja eigentlich so wichtigen Freundschafts-Level beeinflussen kann. Oder eine echte grafische Sequenz, wenn man ein Geschenk überreicht. Irgendetwas, damit sich das ganze nicht so leer anfühlt... So ist Dead or Alive Xtreme2 irgendwie nett, aber andererseits schreit das Spiel geradezu "verpasste Chance". Ob man für ein leicht aufgemotztes Update eines drei Jahre alten XBox-Spiels 60 Euro ausgeben will muss dabei eben jeder für sich selbst entscheiden. Text Copyright Thomas Nickel 2006 Screenshots, Cover Copyright Tecmo / Microsoft |