Gorilla des Monats

hairilla
Home arrow Mattscheibe arrow Firefly
Firefly
Beitragsinhalt
Firefly
Seite 2
Seite 3

CoverUSA 2002

Originaltitel:
Firefly, Umfang: 14 Episoden, Buch: Joss Whedon, Tim Minear u.a., Regie: Joss Whedon, Tim Minear u.a., Musik: Greg Edmondson,  Darsteller: Nathan Fillion, Gina Torres, Alan Tudy, Adam Baldwin, Sean Maher, Summer Glau, Jewel Staite, Morena Baccarin, Ron Glass

Mit Buffy hat er eine einzigartige Mischung aus Comedy, Grusel und Teenager-Drama geschaffen, mit Angel die erfolgreichse Spin-Off-Serie seit Wolverine nachgelegt. Scheint fast, als könnte Joss Whedon sich auf seinen Lorbeeren ausruhen und ab jetzt nur noch am Pool Martinis trinken oder sich verbale Schlägereien mit Warren Ellis liefern. Doch stattdessen führt er uns auf eine atemberaubende Jagd durchs Weltall, die alle seine vorherigen Werke übertrumpfen soll. Oder besser: sollte. Doch dazu später mehr.

Unser Weltall in ferner Zukunft, das Universum ist längst kein großes Geheimnis mehr. Die Weltbevölkerung ist halb amerikanisch halb chinesisch, alle sprechen den gleichen Universalslang, die einzelnen, längst bewohnten Planeten haben sich inzwischen zu einer großen, militaristischen Alianz zusammengeschlossen. Globalisierungsgegner sind wenige, verstecken sich auf äußeren Monden der Galaxis, leben in Armut und werden geduldet. Der allgemeine Fortschritt ist noch nicht bis an den Rand des Alls vorgedrungen, auf den kleinen Planeten muss Mensch wie Tier hart für sein Brot arbeiten. Den Feierabend verbringt man mit einer Rauferei in der Taverne, schuldig ist man dem lokalen Machthaber und seiner Posse, geschossen wird auf diesen zumeist mit stinknormalen Gewehrkugeln. Hallo Space Cowboy, willkommen im Western.

..

Die von Joss Whedon und Tim Minear geschaffene Welt ist voller Dreck und Staub. Ihre Bewohner sind vernarbte Ehrenmänner, fiese Gauner, kurvenreiche Huren und, zum größten Teil, "der kleine Mann", der einfach nur in Ruhe gelassen werden will. Mittendrin die Crew von Serenity um ihren Captain Malcom Reynolds. Der ehemalige Kriegsveteran betreibt mit dem kleinen Frachtschiff der Klasse Firefly (daher der Serientitel) gemäßigten Schmuggel und will einfach nur was zu essen und seine Ruhe haben. Doch ab und zu ist die Mannschaft auch gezwungen, Reisende an Bord mitzunehmen. Als sich eines Tages ein blinder Passagier einschleicht, hinter dem die halbe Alianz her ist, kann die Serie losgehen.

Man kann Firefly nur schwer beschreiben oder erklären. Der Mix aus Science Fiction und Western funktioniert nur in seiner Gesamtheit. Das Universum ist trotz des kleinen Serienbudgets bis ins keinste Detail sorgfältig durchdacht und mit schrägen, teilweise völlig absurden Charakteren besetzt. Jeder Planet hat eine ganze Bevölkerung davon und jeder Planet ist, wenn auch nicht unbedingt optisch, anders. So führt die Reise von Firefly uns zu einer Kolonie von Minenarbeitern, in ein Bordell, das von dem brutalen Bürgermeister terrorisiert wird, auf die metallisch-kühlen Raumschiffe der Allianz oder aber zu einer barocken Gesellschaftsveranstaltung inklusive Fechtduell. All das wirkt glaubwürdig und völlig selbstverständlich, unterstützt durch einen Soundtrack, der die Serie mit "alter Zukunftsmusik" untermahlt, einer Mischung aus Westerngitarren und leisen asiatischen Tönen. Aliens gibt es nicht.

Doch auch die beste Welt ist nichts ohne liebevoll ausgestaltete Charaktere. Wie immer bei Whedon handelt es sich auch hier um eine Ersatzfamilie, die sich auf Bord von Serenity zusammengefunden hat. Jeder bringt seine eigene Vorgeschichte und Welteinstellung mit, jeder wird auf einem anderen Planeten (teilweise auch überall) gejagt. Zu viel über die Crew zu verraten, würde dem potentiellen Zuschauer viel von dem Spaß an der Serie nehmen, gesagt sei deshalb nur so viel: Wo ein wortkarger Kriegsheld, eine schusssichere Amazone, ein Pilot im Hawaiihemd, ein Priester, ein Verbrecher, eine Edelkonkubine, ein Arzt aus gutem Hause, ein geistig verwirrtes Mädchen und schließlich ein kleiner Sonnenschein von einer Mechanikerin aufeinander treffen, ist jede Menge Spannung und Witz vorprogrammiert. Zusammen decken sie alle Stufen von grau ab, ihre Sicht auf die gemeinsam erlebten Abenteuer ist oft grundverschieden. Tatsächlich hat Reynolds schon genug damit zu tun, seine Mannschaft davon abzuhalten, sich gegenseitig umzubringen. Dass er da noch ans Geldverdienen denken kann, ist eigentlich ein Wunder.

..

Omnipräsent ist natürlich Joss Whedons großartiger Dialogwitz, der hier noch viel besser zur Geltung kommt, als im Highschoolsetting von Buffy. Die Chemie zwischen den Darstellern, die bewusst nach diesem Kriterium ausgesucht wurden, stimmt, Whedons Bemühungen, den Schauspielern eine Szene komplett durchzuspielen zu ermöglichen, tragen Früchte. Gerade heutzutage, als die ganzen Star Treks und Star Gates mit einer metallischen Kälte abschrecken, bietet Firefly eine willkommene Abwechslung. Ein großer Teil der Handlung ist mit Handkameras bewusst unsauber und wackelig gefilmt. Kameramann David Boyd benutzt sogar absichtlich billige und alte Linsen, um die Serie wie altes, gefundenes Bildmaterial aussehen zu lassen. Häufig wurde auch ohne zusätzliches Studiolicht gefilmt. Die Beleuchtung von Firefly, das als Set wirklich ein Schiff mit all seinen Metalltreppen und geheimen Winkeln darstellt, musste ausreichen. Dadurch hat man auf dem Schiff das Gefühl, zuhause zu sein - während nur einige Zentimeter Stahl entfernt das große dunkle Nichts des Weltalls lauert.

Die einzelnen Episoden sind in sich abgeschlossen und erzählen meist einen Auftrag, den Serenity aufgenommen hat. Feinde und Freunde macht man sich jedoch nicht nur für sechzig Minuten, und so kommt es, dass alte Bekannte immer wieder auftauchen, um ihr Recht zu fordern. Und auch wenn die Folgenhandlungen für sich mal mehr, mal weniger spannend sind, merkt man darüber hinaus ein größeres Misterium, dem die Crew auf der Spur ist. Ein Staatsgeheimnis, das zu enthüllen die ganze Welt verändern würde - aber es kommt nie dazu. Nachdem nicht einmal alle der vierzehn produzierten Episoden ausgestrahlt waren, wurde die Serie vom amerikanischen Fox Network abgesetzt.

Der Grund dafür ist nicht etwa ein Mangel an Firefly - die Serie bietet alles, wovon Fans von charakterreichen Filmen wie Star Wars immer geträumt haben. Der Grund ist der amerikanische Zuschauer. Bereits der Pilotfilm durfte nicht gezeigt werden, weil es doch nicht sein kann, dass der Kapitän kein Alpha-Männchen ist und die ganze Crew sich auch noch von einem Gangsterboss niedermachen lässt. Eine neue erste Folge musste übers Wochenende her - mehr Action, mehr harte Männer, weniger Details und persönliche Schicksale, auf keinen Fall ein Team, das nur ein kleines Rädchen in der Welt-Machinerie darstellt. Erst später wurde der eigentliche Pilot als Finale ausgestrahlt, was für gehörig Verwirrung unter den Zuschauern gesorgt haben muss. Auch die anderen Episoden wurden nicht entsprechend ihrer Reihenfolge gezeigt, nur elf davon durften ingesamt den Bildschirm erreichen. Was eine der brilliantesten Science-Fiction-Serien der Geschichte hätte werden können, wurde durch FOXs falsche Sendepolitik vernichtet. Die dennoch riesige Fangemeinde konnte immerhin eine komplette DVD-Veröffentlichung und einen Nachfolgekinofilm erzielen. Ob die Serie jedoch jemals im Fernsehen fortgesetzt wird, steht in den Sternen.

Bilder Copyright 20th Century Fox
Text Copyright 2006 Darina Goldin


Weiter auf Seite 2: Serenity - der Comic

 


 
< zurück   weiter >
© 2010 www.g-wie-gorilla.de
Joomla! is Free Software released under the GNU/GPL License.