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Michael Chabon: Die unglaublichen Abenteuer von Kavalier & Clay
Verlag: Knaur ISBN: 3-426-62219-X Preis: € 12,90 Die unglaublichen Abenteuer von Kavalier und Clay bei Amazon.de Was'n das für ein Titel? Klingt ja wie ein US-Comic aus den vierziger Jahren! Stimmt. Samuel Klayman und Josef Kavalier, beide Juden, sind Cousins. Sam wohnt mit seiner schrulligen Mutter und der greisen Großmutter in einer winzigen Wohnung mitten im New York der ausgehenden 30er Jahre, als Josef mitten in der Nacht bei ihnen vor der Tür steht. Eine waghalsige Flucht, bei der der legendäre Golem eine nicht unwesentliche Rolle spielt, ist dem knapp 16jährigen Jungen aus Prag über Japan gelungen. Seine Eltern und seinen jüngeren Bruder Thomas musste er dort schweren Herzens zurücklassen. Und damit beginnt eine Geschichte, die ihresgleichen sucht. Josef und Samuel, im folgenden nur noch Sam und Joe genannt, entdecken nach anfänglichem skeptischen Beschnüffeln eine Gemeinsamkeit: das Zeichnen. Schnell wittert Sam eine Chance für die beiden fast in Armut lebenden Jungen. Mit Comics will er seiner Familie zum großen Geld verhelfen, und in kürzester Zeit hat er Joe für diese Idee begeistert.
Denn sein Plan, genug Geld zu verdienen um seiner Familie die Ausreise nach New York zu ermöglichen, scheint greifbar wie nie zuvor. Zu dieser Zeit begann das Comicgeschäft in den USA langsam Fuß zu fassen. Joe Shuster, Bob Kane und Stan Lee hoben Superman, Batman und Captain America aus der Taufe, es war die Zeit der Helden. So denken auch Sam und Joe, als sie Sams derzeitigen Arbeitgeber, dem Leiter einer Firma für Scherzartikel, die ersten Entwürfe des "Eskapisten" vorlegen, eines Superhelden, der sich der Befreiung der Geknechteten verschrieben hat. Er arbeitet für den Bund des goldenen Schlüssels und ist praktischerweise der Sohn eines berühmten Entfesselungskünstlers, der bei einem seiner Auftritte durch Sabotage ums Leben kommt. Mit dem Eskapisten beginnt Sams und Joes Siegeszug durch Amerikas Comicwelt. Die Auflagen der Hefte werden größer, die Gewinne für Joe und Sam ebenfalls, und genauso wächst Joes Hoffnung, endlich seine Familie nach New York holen zu können. Er verliebt sich in die junge Debütantin Rosa Sachs, die ihm diese lang ersehnte Möglichkeit bietet, und bald befindet sich zumindest Joes Bruder an Bord gen New York. Das ist erst der Anfang eines monumentalen Romans. Natürlich kann das ganze nicht gutgehen und Joe muss von New York aus mit wochenlanger Verspätung hilflos mit ansehen, wie das Naziregime seine ganze Familie auslöscht. Sam und er geraten in Schwierigkeiten aufgrund iher unverhohlenen Aggression gegen Hitler, Joe beginnt aus Zorn und Hass Schlägereien mit Deutschen, egal, auf welcher Seite sie stehen. Und letztendlich treiben ihn seine Gefühle so weit, sich mit der Army in die Antarktis versetzen zu lassen. Er will für immer aus dem Leben von Sam, Rosa und New York verschwinden und sinnt auf nichts als Rache. Indes bleibt in New York die Zeit nicht stehen. Sam, ebenfalls vom Schicksal getroffen, als der Mann, den er liebte, im Krieg gefallen ist, heiratet Rosa. Einerseits natürlich, damit seine Homosexualität nicht an die Öffentlichkeit gerät, andererseits, um Rosa für Joe zu bewahren. Eines Tages entschließt sich Joe, all die Briefe, die er aus New York eine zeitlang noch erhalten und nie geöffnet hat, zu lesen... Und als er nach New York zurückkehrt, lernt er, was seine Freundschaft mit Sam eigentlich wert ist. Kavalier&Clay vereint in sich einen gigantischen Plot, sympathische und vielschichtige Charaktere (und Figuren: Sogar Salvador Dalí und Max Ernst kommen vor), Einblicke in die jüdische Kultur, ein wunderbares New York der 40er Jahre, ein ebensolches Prag, und nicht zuletzt eine Sprache voller Wortgewalt, Intelligenz und Verve. Dies ist eins dieser Bücher, von denen man sich regelrecht erholen muss. Chabon hat hier ein Epos geschaffen, von dem man hoffte, es würde noch lange von sich reden machen - die Zeitungen überschlugen sich schließlich förmlich mit ihrem Lob! Leider aber hat es wohl nicht zum Klassiker gereicht, zumindest hielt sich die Nachfrage schwer in Grenzen. Könnte es an dem Comicthema gelegen haben? Es passiert ja nicht selten, dass der geneigte Kunde sofort skeptisch die Stirne runzelt, wenn man den Bezug zu diesem Thema erwähnt. Doch auf dieser Plattform, deren Leser zu einem großen Teil wohl Comics ohne mit der Wimper zu zucken als Kunst bezeichnen würden, hoffe ich, diesem Buch noch zu einem kleinen bisschen Ruhm verhelfen zu können. Inzwischen ist der 800 Seiten starke Roman in einer Taschenbuchausgabe beim Knaur Verlag erschienen. Text Copyright 2006 Anna-Selina Sander Cover Copyright Knaur |