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Yuzo Koshiro

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Wer ist Yuzo Koshiro?

Schon in jungen Jahren verschrieb sich Yuzo Koshiro der Musik: Da diese schon im Elternhaus geschätzt wurde lernte er bei niemand geringerem als Joe Hisaishi das Klavierspielen. Zu Koshiros wichtigsten Werken gehören die Soundtracks zu den Y’s-Spielen und später dann die Arbeiten für Sega – Super Shinobi und Streets of Rage gehören noch heute zu den besten 16Bit-Soundtracks, mit dem üppigen Shenmue-Score zeigte er, dass er auch vor komplexen Instrumentierungen nicht zurückschreckt. Mit Actraiser aus dem Hause Enix/Quintett schuf er einen der frühesten orchestralen Soundtracks. Sein Unternehmen Ancient kann ebenfalls auf eine glorreiche Vergangenheit zurückblicken, neben den schon erwähnten Streets of Rage-Spielen ist vor allem Story of Thor wichtig: Das üppige Action-Adventure im Orient beeindruckt durch wunderschöne Comic-Grafik aus der Feder von Koshiros Schwester und einen sehr experimentellen Soundtrack. Jüngstes Werk von Ancient ist das Abenteuer Amazing Island – eine Monsterzucht/Minispiel-Mischung die auch jüngere Spieler anspricht.

Gorillas: In Ihren alten Spielen fand sich immer ein Copyrightvermerk mit Ihrem Namen im Titelbild. In der damaligen Zeit, Anfang der Neunziger, war es ziemlich unüblich dass ein Komponist gesondert erwähnt wurde. Wie kam es dazu?

Yuzo Koshiro: Um ehrlich zu sein, war das nicht meine eigene Idee, sondern die meiner Mutter. Als Pianistin hatte sie selbst schlechte Erfahrungen mit dem Urheberrecht gemacht, das für japanische Musiker sehr problematisch sein kann. Wenn ich die Rechte an meinen Kompositionen haben wollte, musste ich mich also sorgfältig darum kümmern, sonst wären sie an den Hersteller des jeweiligen Spiels gefallen.

Gorillas: Also haben Sie alle Rechte an Soundtracks wie dem zu Shinobi und könnten, sofern Sie es wollten, selbst eine neue CD herausbringen.

Yuzo Koshiro: Das stimmt. Die Rechte liegen immer noch komplett bei mir.

Gorillas: Kamen Sie durch den Beruf Ihrer Mutter auch erstmalig mit der Welt der Musik in Berührung?

Yuzo Koshiro: Ja, als ich drei Jahre alt war, brachte mir meine Mutter das Klavierspielen bei.

Gorillas: Und wann haben Sie den Schritt zur Komposition gemacht?

Yuzo Koshiro: Als ich acht Jahre alt war, bekam ich Kompositionsunterricht von dem berühmten Joe Hisaishi (Anm. d. Red.: Hisaishi ist in der Animeszene für die Soundtracks der Filme Hayao Miyazakis bekannt), einem berühmten Komponisten aus dem Freundeskreis meiner Eltern.

Gorillas: Haben Sie noch Kontakt zu Herrn Hisaishi?

Yuzo Koshiro: Leider schon lange nicht mehr, Herr Hisaishi ist inzwischen auch gut beschäftigt (lacht).

Gorillas
: Wie sieht es in der Spielemusikszene aus? Haben Sie Kontakt zu Kollegen wie Nobuo Uematsu?

Yuzo Koshiro: Privat nicht. Zwischen unserem Treffen bei den Proben zum Konzert hier in Leipzig und unserem letzten Treffen lagen sicher drei bis vier Jahre.

Gorillas: ActRaiser war wohl das erste Spiel mit einem wirklich orchestralen Soundtrack. Erzählen Sie uns ein wenig darüber...

Yuzo Koshiro: Das war eine ziemliche Herausforderung. ActRaiser war meine erste Super Nintendo-Arbeit, und die neue Hardware war sehr kompliziert aufgebaut und entsprechend schwer zu beherrschen. Als ich dann aber die Musik von Super Mario World hörte, wurde mir schnell klar, wie viel man mit dem System anstellen konnte. Das gab mir den Mut, wirklich orchestrale Musik zu machen. ActRaiser war auch das erste Videospiel, zu dem ein CD-Soundtrack erschien, der von einem echten Orchester eingespielt wurde.

Shinobi
Revenge of Shinobi war einer der erste Superhits auf Segas Mega Drive. Der Soundtrack gab dem Meisterwerk den letzten Schliff.

Gorillas: In Shinobi gibt es eine große Auswahl verschiedener Musikstile, von Techno, über Rock bis hin zu klassischer asiatischer Musik. Wie lange haben Sie an diesem Projekt gearbeitet?

Yuzo Koshiro: Die Entwicklung des Spiels lief über einen Zeitraum von knapp anderthalb Jahren, aber an der Musik habe ich nur etwa acht Monate arbeiten müssen.

Gorillas: Das Sega Mega Drive, auf dem Shinobi damals erschienen ist, schränkte mit seinen einfachen Soundchips die Möglichkeiten der Komponisten ziemlich ein. Mussten Sie Kompromisse eingehen, oder waren Sie mit dem System zufrieden?

Yuzo Koshiro:
Eigentlich schon. Damals war es meine Spezialität, mit wenigen Soundkanälen, auf dem Mega Drive waren es gerade mal zehn, gute Ergebnisse zu erzielen. Es war gerade interessant, mit den damaligen Voraussetzungen das bestmögliche Ergebnis zu erzielen.

Gorillas: Später haben Sie dann unter dem Namen Ancient Ihre eigene Firma gegründet, oder?

Yuzo Koshiro: Richtig. Unter Leitung meiner Schwester haben wir zum Beispiel die oriantalischen Actionrollenspiele der Story of Thor-Serie entwickelt. Auch bei Sega-Produkten wie Streets of Rage 2 haben wir das komplette Spiel in Szene gesetzt.

Gorillas: Inzwischen arbeitet Ancient aber hauptsächlich an Handheldspielen, richtig?

Yuzo Koshiro: Ja. Handheldspiele sind günstiger und schneller zu entwickeln und bieten somit auch kleineren Spieleherstellern immer noch Möglichkeiten, die auf Heimkonsolen den Branchengiganten vorbehalten bleiben.

Gorillas: Wollen Sie denn weiterhin im Spielesektor bleiben, oder gibt es auch Pläne, in die Fußstapfen von Joe Hisaishi zu treten und Musik für Filme oder Animes zu komponieren?

Yuzo Koshiro: Pläne gibt es zwar nicht, aber Interesse hätte ich auf jeden Fall. Mal sehen was die Zukunft bringt.

Gorillas: Wir danken für dieses Gespräch.

streets of rage
Familienprojekt: Yuzo Koshiro schrieb die Musik von Streets of Rage 2, seine Schwester war für die Grafik zuständig.

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Text Copyright 2004 Thomas Nickel, Peter Clausen, Michael Ecke
Screenshots Copyright Sega

 

 
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