System: Nintendo DS Japan (2006) Entwickler: Falcom Erschienen bei: Rising Star Games ca. Preis: £30 In den letzten Jahren war es ja äußerst beliebt, strategische Spin-Offs zu etablierten Serien zu veröffentlichen, oft genug auch mit durchaus positivem Ergebnis - man denke da nur an Final Fantasy Tactics oder Onimusha Tactics. All diese Spiele benutzen das System des SNES-Klassikers Tactics Ogre als Grundlage und bieten mal mehr und mal weniger komplexe rundenbasierte Kämpfe auf isometrischem Terrain. Nun, das Ys-Spin-Off hat kein Tactics im Titel, sondern den Begriff Strategy. Und das schlägt sich folgendermaßen nieder: Anstatt Adol, Dogi, Feena, Terra oder all die anderen Figuren aus dem mittlerweile doch reichhaltig bevölkerten Ys-Universum in die Iso-Schlacht zu schicken, erweist sich Ys Strategy als Echtzeit-Strategiespiel, das mit der eigentlichen Ys-Serie kaum mehr als ein paar Orte und Namen gemeinsam hat. Wenn ein Spiel so unter Ausschluß der Öffentlichkeit erscheint wie Ys Strategy, dann sollte man eigentlich hellhörig werden, immerhin ist die Ys-Serie zwar keine der wirklich großen, aber dennoch eine von vielen Fans kultisch verehrte Serie. Nach kurzen News-Schnipseln in der Famitsu war es dann monatelang still um Ys Strategy. Der japanische Release kam und ging wieder, niemand interessierte sich dafür. Und auf einmal schlägt tatsächlich eine englische Version auf. Aber nicht etwa in den USA, nein - lediglich in Großbritannien ist Ys Strategy vor wenigen Tagen erschienen.
  Schwankende Grafik-Qualität: Ist auf dem Bildschirm was los, weiß Ys Strategy zu gefallen, die kargen Story-Sequenzen langweilen aber mit belanglosem Blabla und hässlichen Sprites. Da wir keine Möglichkeit haben, DS-Spiele zu grabben, mussten wir hier übrigens auf japanische Screenshots zurückgreifen...
Bereits das eigentlich recht hübsche Cover irritiert hochgradig: Der junge Mann mit den flammenden roten Haaren wirkt wie ein etwas grimmiger Adol - und der war immerhin der Held aller bisher erschienenen Ys-Spiele. Tatsächlich hört der Bursche aber auf den Namen Abel Renford und hat scheinbar mit Adol selbst nicht wirklich viel zun tun. Ob er Adols verschollener Zwillingsbruder, ein Übersetzungsfehler dafür verantwortlich ist oder ein gerissener Plot-Twist Marke "Huch, irgendwie hat Adol vor einiger Zeit das Gedächtnis verloren" in den späteren Kapiteln zuschlägt, wir wissen es nicht zu sagen - die nicht wirklich prickelnde Übersetzung des Spiels gibt auch keine Hinweise. Aber es drängt sich doch etwas die Vermutung auf, dass hier schnell noch die Ys-Marke über ein Spiel gestülpt wurde, das mit der Kultserie eigentlich nicht viel zu tun hat. Denn bis auf den mysteriösen Protagonisten und ein den bekannten Staaten wie dem Romun Empire oder dem Reich Britai halten sich die Parallelen schwer im Grenzen. Wenn uns jemand genaueres dazu erklären kann, wir sind ganz Ohr... Aber Serien-Verwirrung hin und her - hier geht es nicht um müßige Kontinuität, sondern um das vorliegende Strategiespiel. Und das ist im Grunde eigentlich gar nicht so verkehrt. Vorbild war ganz eindeutig der PC-Hit Warcraft 3. Klar - in Sachen Tiefgang und Präsentation kann Ys Strategy nicht im geringsten mithalten, aber die Spielelemente sind praktisch die gleichen. Arbeiter hacken Holz, bauen Metall ab oder gehen auf die Jagd. Mit den so verdienten Ressourcen baut der Spieler Häuser, legt Felder an, baut Kasernen und stellt so schließlich eine schlagkräftige Armee auf, um den Gegner am Ende pfundig zu überrennen. Die Steuerung ist dabei sehr ordentlich gelöst - per Stylus zieht man einen Auswahl-Kasten über seine Truppen und tippt auf das Ziel. Die kleinen Männlein erkennen sofort was zu tun ist. Tippt der Spieler auf die Mine, beginnen sie unmittelbar mit dem Erzabbau. Ebenfalls aus Warcraft 3 bekannt sind die Helden - die sind nicht nur dramatisch stärker als normale Soldaten, sie lassen sich auch direkt per Steuerkreuz lenken, das normalerweise dazu dient, über die Weltkarte zu scrollen. Per L-Taste werden der obere und der untere Bildschirm flugs vertauscht, sehr praktisch, da man dann direkt auf einen anderen Teil der Karte tippen kann, um zu sehen was dort vor sich geht. Das ganze Spiel läuft etwas langsam ab, aber da man genretetypisch mit fortlaufender Spieldauer immer mehr gleichzeitige Aktionen verwalten muss, ist das bei weitem nicht problematisch. Lediglich früh in einer Runde wartet man dann des öfteren einmal, bis der neue Arbeiter fertig gestellt ist, um endlich wieder aktiv zu werden.   Auf dem oberen Bildschirm befindet sich eine große Übersichtskarte - per L-Taste wird diese auf den Touchscreen geholt und kann zum schnellen Überblick-Verschaffen benutzt werden.
Leider gibt es aber auch gravierendere Probleme. Das Spiel erschlägt den Spieler mit einem derartigen Wust an Handlung, dass die ersten Stunden zu einer wahren Tortur werden. Man ist minutenlang damit beschäftigt, Textkästen weiterzuklicken. Und damit nicht genug - die Story ist von einer grausamen Beliebigkeit und Belanglosigkeit, die diese Textwüsten in keinster Weise rechtfertigt. Und wenn tatsächlich mal etwas passiert, dann versteht man oft weder warum noch wie es passiert ist. Zum Glück gibt es einen Modus, über den man gleich in eine Schlacht einsteigen kann, und nach ein paar Kapiteln werden auch die grausen Textwüsten weniger. Aber da sie in das Tutorial eingebettet sind, kommt man nicht drum herum, sich den Daumen auf der B-Taste wund zu drücken. EIn weiterer Negativpunkt ist die Grafik. Wenn erstmal ordentlich viele Sprites über die etwas rucklige 3D-Karte wuseln, ist sie ganz okay, aber in den meisten der ausladenden Zwischensequenzen stehen zwei bis drei ärmlichst animierte Strichmännchen in der Gegend herum und heben sich oft kaum von den grün-braunen Hintergründen ab. Mit größeren Portraits hätte man das zumindest etwas kaschieren können. Die Übersetzung wiederum ist bestenfalls zweckmäßig. Man versteht die Dialoge, sonderlich charmant kommt allerdings keine der Figuren rüber, und auch so einige Rechtschreibfehler haben sich in das Skript geschlichen. Wer noch vom perfekt übersetzten Final Fantasy 12 verwöhnt ist, wird sich hier erst einmal schwer umschauen. Tja, im Grunde ist Ys Strategy also ein halbwegs ordentliches Echztzeit-Strategiespiel, das sein möglichstes tut, um das komplexe Genre auf dem kleinen Handheld heimisch zu machen. Die schwache Präsentation, die für Ys-Verhältnisse etwas zu unspektakuläre Musik und die endlosen Textkästen machen aber leider viele der guten Eigenschaften von Ys Strategy wieder zunichte. Ys-Fans, die auf ein neues actionreiches Abenteuer mit Adol hoffen, werden enttäuscht. Wer sich allerdings auf das Spiel einlässt und hartnäckig dran bleibt, wird mit der Zeit auch die positiven Eigenschaften von Ys Strategy erkennen. Ein Musskauf ist Ys Strategy aber nun wirklich nicht. Text Copyright Thomas Nickel 2006 Screenshots, Cover Copyright Falcom |