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System: Nintendo DS
Japan (2006), Produktion: Koji Igarashi, Director: Satoshi Kushibuchi, Chief Programmer: Shutaro, Chief-Designer: Hiroto Yamaguchi, Musik: Michiru Yamane, Yuzo Koshiro Originaltitel: Akumajou Dracula: Gallery of Labyrinth Entwickler: Konami Erschienen bei: Konami (deutsche Version im Februar 2007) ca. Preis: 35 Euro Castlevania - Portrait of Ruin bei Amazon.de vorbestellen
Alle Jahre wieder, so scheint es inzwischen, steht Dracula von den Toten auf. Und so steht der alte Beißzahn auch im ausklingenden 2006 wieder pünktlich wie die Maurer auf der Matte, um Furcht und Schrecken zu verbreiten. Dass ein solcher Plan ohne die entsprechende Infrastruktur nicht funktionieren kann, erklärt sich von selbst, und deshalb nimmt die gigantische Gruselburg des alten Grafen dieses Mal auch eine zentrale Position in seinen Plänen ein. Nur weil in der Vergangenheit einige Dutzend Weltherrschaftsversuche nach dem gleichen Konzept verhindert wurden, bedeutet es keinesfalls, dass es dieses mal nicht klappt. Oder? ODER?  
Nun, vielleicht schon, denn tatsächlich haben sich in Portrait of Ruin endlich mal wieder ein paar Abweichungen von der Norm in den düsteren Vampiralltag (oder ist das in diesem Fall eine Allnacht?) eingeschlichen. Die wichtigste Neuerung ist das Partnersystem – anstelle eines einsamen Peitschenschwingers haben sich diesmal nämlich zwei wackere Monstermeuchler in die fürchterliche Festung gewagt. Jonathan Morris (seines Zeichens Sohn von John Morris, dem Helden der Mega Drive-Episode Castlevania Bloodlines) und seine Kindheitsfreundin Charlotte Aulin bewegen sich bevorzugt im Duo durch die Blutsaugerburg. Per Tastendruck wechselt man fliegend zwischen dem brachialen Waffenexperten und der elementargewaltigen Magierin hin und her, befiehlt dem Partner, die Position zu halten, oder schickt die bessere Hälfte auf die Ersatzbank, sobald ein Gefecht zu heiß wird. Wer die Serie schon länger kennt, wird hier ein Déjà Vu erleben, denn eine ähnliche Spielmechanik gab es bereits im seligen Castlevania 3 auf dem NES und in Dracula X: Rondo of the Blood auf der PC-Engine zu bestaunen. Obwohl in letzterem die Partner stets getrennt agieren, ist Teamwork auch dort oberstes Gebot. Schade nur, dass das Kräfteverhältnis zwischen den Protagonisten nicht so ausgeglichen ist, wie im guten alten Rondo. Während dort nämlich beide Helden ihre individuellen Stärken und Schwächen hatten, lässt sich die gute Charlotte eigentlich nur als zauberkräftiger Sidekick verwenden. Aber genug vom "dualen System, denn auch anderenorts schwelgt Portrait of Ruin genüsslich in nostalgischen Erinnerungen. Zum zwanzigsten Geburtstag der Serie hat Producer Koji Igarashi zahlreiche alte Bekannte aus der Castlevania-Gruft reanimiert. Zu viel verraten wollen wir an dieser Stelle natürlich nicht, aber so viel kann gesagt werden: Alte Feinde, alte Freunde und liebgewordene Settings aus längst vergangenen 8- und 16-Bit-Tagen drücken sich im Zuge des Jubiläums die Klinke in die Hand. So macht Wiedersehen wirklich Freude!
 
In Sachen Gameplay schafft es Igarashi allerdings nicht ganz so sehr, erfolgreich zu den Wurzeln zurück zu kehren. Die Castlevania-Fangemeinde ist schon seit längerem in zwei Lager gespalten. Auf der einen Seite haben wir die Fans der ersten Stunde, die sich ein forderndes Jump and Run mit abwechslungsreichem Leveldesign, geradlinigen Stages und jeder Menge harter Action wünschen. Auf der anderen Seite stehen die Symphony of the Night-Fans, denen das moderne Metroidvania-Konzept ans Herz gewachsen ist: Verschlungene Pfade, jede Menge Secrets, Puzzles und eine frei erforschbare Spielfläche stehen hier auf dem Programm. Warum also nicht beide Varianten verbinden? Anstatt sich nur auf das Schloss zu beschränken, haben die Konami-Entwickler diesmal nämlich ein paar verzauberte Gemälde im Schloss aufgehängt, die als Portal in thematisch einzigartige Levels führen. Das klingt im ersten Moment nach Super Mario 64, ist aber durch und durch Castlevania. Von der Wüste, über den verwunschenen Wald, bis hin zum Zirkus im M.C. Escher-Design ist eigentlich alles dabei, was das Vampirjägerherz begehrt. Und rein optisch funktionieren die neuen Settings hervorragend! Nach all den Jahren, in denen wir exklusiv mit Draculas Faible für modrige Gänge und feuchte Grotten konfrontiert wurden, ist es mehr als erfrischend, der zweckdienlichen Inneneinrichtung des konservativen Burgherren den Rücken zu kehren. Schade nur, dass die vielversprechenden Szenarios nach wie vor im typischen Igarashi-Stil designt sind. Anstelle pixelgenauer Hüpfeinlagen steht also auch hier die Exploration im Vordergrund. Und wie nicht anders zu erwarten, läuft jene auf gewohnt hohem Niveau ab. Mir persönlich wäre eine Mischung aus klassischen Castlevania-Levels und Forscherei im Metroid-Stil zwar lieber gewesen, aber objektiv kritisieren lässt sich am Gameplay der ruinösen Portraits eigentlich nicht viel. Schön zu sehen, dass mal wieder eine frische Brise durchs Castlevania-Universum weht, aber beim nächsten Mal darf es auch gern etwas stürmischer werden.  
Eine weitere neue Idee präsentiert sich in den optionalen Quests, die man im Verlauf des Abenteuers annehmen kann. Diese beschränken sich zwar meist auf sehr simple Aktionen (zehn Exemplare eines bestimmten Gegnertypen töten, Items finden usw.), bringen aber trotzdem eine nette Abwechslung ins Abenteuer. Alles in allem also eine mehr als routinierte Schlosserkundung, die durch zahlreiche Bonusmodi, eine Online-Arena sowie den ohrwurmartigen Soundtrack von Michiru Yamane und Gastkomponist Yuzo Koshiro noch mal kräftig aufgewertet wird. Auch optisch hat das Castlevania im Vergleich zum direkten Vorgänger nochmal einen drauf gesetzt. Flüssige Animationen und gewaltige Gegner hatte auch Dawn of Sorrow schon, aber dank ungewohnt abwechslungsreicher Szenarien kann sich Portrait of Ruin problemlos als ansehnlichstes Handheld-Castlevania schimpfen. Sicher, ein paar neue Impulse wären nicht verkehrt, aber wenn eine Serie selbst nach zwei Jahrzehnten noch für so konstanten Spielspaß sorgt, sind derlei Kritikpunkte kaum relevant. Herzlichen Glückwunsch, Castlevania! Verwandte Artikel: Review: Castlevania - Dawn of Sorrow Interview: Koji Igarashi und Michiru Yamane Interview: Yuzo Koshiro Text Copyright 2006 Peter Clausen Spiel, Screenshots Copyright Konami |