Gorilla des Monats

hairilla
Home arrow Interviews arrow Koji Igarashi & Michiru Yamane
Koji Igarashi & Michiru Yamane

igarashi

Auf der Games Convention in Leipzig trafen wir hohe Prominenz aus Japan: Koji Igarashi, der kreativen Kopf hinter der Castlevania-Serie und Michiru Yamane, die ebenso sympathische wie talentierte Komponistin der dazugehörigen schauerlichen Grusel-Klänge. Lest hier, worüber wir gesprochen haben.

Gorillas: Bevor Sie sich mit Castlevania - Symphony of the Night einen Namen gemacht haben, arbeiteten Sie vor allem an der Tokimeki Memorial Reihe. Welche der beiden Serien liegt Ihnen näher am Herzen?

Koji Igarashi: Ich denke, die Castlevania-Serie. Die Castlevania-Spiele liegen mir definitv besser.

Gorillas: Das hätten wir jetzt auch nicht anders erwartet. Für die 2D-Castlevania-Spiele scheinen Sie jede Menge Zeit darauf zu verwenden, die Umgebung möglichst lebendig zu gestalten. Wenn man beispielsweise auf ein schneebeladenes Autodach springt, fällt der Schnee davon herab. Ist dies Teil Ihrer Philosophie, wie man ein gutes Spiel designt?

Koji Igarashi: Wir haben auch in den neuen DS-Teil wieder viele Details wie diese eingebaut, also kann man wohl sagen, dass das eine Besonderheit der Castlevania-Spiele ist. Aber solche Dinge hängen meistens sehr eng mit der Motivation des Teams zusammen – wenn alles gut läuft und die Crew Spass an der Arbeit hat, baut sie hier und da kleinere Sachen wie diese ein. Diese Details stammen nicht unbedingt alle von mir.

Gorillas: Vergleicht man die 2D-Teile mit den 3D-Gegenstücken, fehlt dieser Detailreichtum zunächst einmal. Woran liegt das? Mangelte es hier an Motivation, oder war es vielmehr eine Frage der Zeit?

Koji Igarashi: Ich denke, es gibt noch sehr viel Raum für Verbesserungen bei den 3D-Teilen. Die 2D-Fassungen habe ich langsam etwas in den Griff bekommen, aber ich habe immer noch meine Mühe damit, diese Spielerfahrung in die dritte Dimension zu retten. Wie also schon gesagt, es gibt noch einiges an Arbeit zu leisten.

Gorillas: Vor einiger Zeit hat Capcom mit Ultimate Ghosts'n'Goblins das neue Spiel in der Ghouls’n’Ghosts Serie veröffentlicht. Eigentlich war es ein 2D-Spiel, aber mit 3D-Figuren und -Hintergründen. Besteht die Möglichkeit, dass die Castlevania-Serie in Zukunft eine ähnliche Richtung einschlägt?

Koji Igarashi: Sie meinen 2.5D, richtig? Es gab einige Diskussionen über diese Präsentationsweise. Aber tatsächlich sprechen wir mehr über die Limitationen. Jede Spieleserie in 2D limitiert sich selbst über ihre Spielmechanik und die Regeln die sie eben aufstellt, um den Spieler an das Spielgeschehen zu binden. Und da wir mit der Castlevania-Serie ein ganz bestimmtes Spielgefühl zu vermitteln versuchen, würde 2.5D eine große Menge Probleme mit sich bringen, die es zunächst zu bewältigen gäbe, um den Spieler nicht zu entfremden.

sotn1 sotn2

yamaneGorillas: Frau Yamane, war das gestrige Konzert Ihre erste Erfahrung vor einem großen Publikum?

Michiru Yamane: Ja, das ist richtig. Ich war sehr nervös, besonders, als ich das erste Mal die Menge gesehen habe. Aber es war gleichzeitig ein sehr berührender Moment.

Gorillas: Würden Sie es wieder tun?

Michiru Yamane: Ich war zwar sehr nervös, und ich habe etwas gebraucht, um mich an die Situation zu gewöhnen. Aber als ich den Applaus gehört habe, habe ich mir schon gedacht, dass ich das irgendwann in der Zukunft mal wieder versuchen möchte.

Gorillas: Mit Ihrem Instrument, dem Cembalo, schienen Sie allerdings zu Genüge vertraut zu sein. Besitzen Sie selbst eins, oder üben Sie für gewöhnlich auf dem Klavier?

Michiru Yamane: Zunächst habe ich auf dem Klavier geübt, weil ich ursprünglich dachte, dass ich auf dem Konzert ebenfalls auf dem Klavier spielen würde. Als man mir schließlich sagte, ich bekäme die Gelegenheit, auf einem echten Cembalo zu spielen, habe ich mir in Tokio einen Ort gesucht, wo ich auf dem Cembalo üben konnte. Dort habe ich zweimal geübt. In Prag hatte ich noch zwei weitere Male die Gelegenheit zu üben.

Gorillas: Wenn Sie die Musik für die Castlevania-Reihe schreiben, vermischen Sie oft klassische Musik mit moderner. Halten Sie die Dracula-Geschichte für eine besonders moderne Geschichte? Und wenn ja, was macht sie für das moderne Publikum so interessant?

Koji Igarashi: Ich denke, die Dracula-Geschichte kann man heute noch mit genau der selben Menge an Enthusiasmus genießen wie in der Vergangenheit. Es ist nicht einfach nur eine Geschichte über blutsaugende Vampire, sondern eine Geschichte über Angst und Dunkelheit. Das sind zwei Themen, die nie aus dem menschlichen Herzen verschwinden werden, egal wie viele Generationen auch bereits hinter uns liegen.

Gorillas: Die nächste Frage betrifft die zeitliche Ordnung der Castlevanie-Reihe. Dracula soll einmal alle 400 Jahre von den Toten auferstehen. Seit kurzem scheint er jedoch alle zwei oder drei Jahre mal wieder vorbeizuschauen. Wird es schwieriger für Sie, neue Geschichten im Castlevania-Universum zu schreiben, weil Sie immer neue Methoden finden müssen, um Dracula von den Toten zu erwecken, ohne ihn dabei auf einen Cartoon-Bösewicht zu reduzieren?

Koji Igarashi: Na ja, wenn Dracula nicht zurückkehrt, gibt es auch kein neues Spiel. Damit wäre ich dann wohl arbeitslos. Aber ich habe dieses Thema schon zuvor mit einigen Leuten besprochen. Wenn man sich mal die Zeitordnung der Spiele genau ansieht, bemerkt man, dass Dracula auf ‚natürliche’ Art und Weise, d.h. aus eigener Kraft, wirklich nur alle 400 Jahre wiederbelebt wird, was sich völlig mit den Regeln deckt. In den Ausnahmefällen, wo er nicht dem Plan gemäß zurückkehrt, gibt es in diesem Zusammenhang eine merkwürdige Begebenheit, wie eine Sonnenfinsternis oder eine ungelöste Mordserie, durch die er zurückkehren kann. Meiner Meinung nach gibt es also keine wirklichen Fehler oder Probleme mit der Zeitordnung bisher.

Gorillas: Sie machen ein Spiel, das sich größtenteils um ein Schloss dreht. Haben Sie vor, jetzt wo Sie in Europa sind, irgendwelche Schlösser als Referenz oder für Inspiration zu besuchen?

Koji Igarashi: Ja, vor etwa drei Tagen sind wir zum eigentlichen Dracula-Schloss in Rumänien gefahren. Ich bin zum ersten Mal in Europa, und Rumänien war das erste Land, das wir besucht haben. Wir waren etwa einen Tag lang dort, aber meine Kamera hat nicht ganz mitgespielt. Das war wohl einer von Draculas Flüchen...

Gorillas: Wie hat Sie der Ausflug inspiriert? Haben Sie irgendwelche neuen Einsichten in das Dracula-Phänomen gewonnen?

Koji Igarashi: Wir sind mit der Seilbahn auf den Berg gefahren, wo das Schloss liegt. Ich hab mich dabei versehentlich an einer der Giftpflanzen geschnitten, was ziemlich weh getan hat. Das wird auf jeden Fall im nächsten Spiel sein.

Gorillas: Aber plötzliche Gelüste, Kerzen zu zerschlagen haben Sie im Schloss nicht entwickelt?

Koji Igarashi: Das ist die andere Sache… So weit sind wir nämlich gar nicht gekommen. Wir sind an einem Montag dorthin gefahren. Leider ist das Schloss montags geschlossen.

Gorillas: Wie gehen Sie die Entwicklung eines neuen Titels in der Serie an? Wie funktioniert die Kooperation zwischen den verschiedenen Teams und Teammitgliedern? Wie arbeiten beispielsweise Leveldesign und Musik zusammen?

Koji Igarashi: Mein Team entwirft ein bestimmtes Konzept der Welten und Levels. Dann kümmert sich das Sound Department, hier allen voran Michiru Yamane, um den Soundtrack. Das Team lässt dabei oft seine Vorstellungen und Wünsche in den Herstellungsprozess mit einfliessen. Bei Portrait of Ruin haben wir Frau Yamane oft darum gebeten, besonders laute und schwere Songs zu schreiben, was die Sache dieses Mal bestimmt nicht ganz leicht für sie gemacht hat.

ps2-1ps2-2

Gorillas: Die meisten Leute werden zustimmen, dass Sie mit Symphony of the Night auf der PSone bereits etwas geschaffen haben, das man das ‚perfekte’ Castlevania nennen kann. Sie machen nun schon seit einiger Zeit Spiel im selben Stil für andere Platformen wie den Nintendo DS weiter. Fühlen Sie in diesem Zusammenhang Druck von Seiten der Fans, wenn Sie mit der Arbeit an einem neuen Spiel anfangen?

Koji Igarashi: Ich fühle schon Druck, besonders mit dem Gewicht von Symphony of the Night im Nacken. Aber Symphony war immerhin ein Spiel aus meiner Feder, und das macht es zumindest etwas leichter, mit der Sache umzugehen. Ich bin aber immer am überlegen, wie man das Spiel interessanter gestalten kann.

Gorillas: Ich war schon immer ein Fan von Castlevania 2 – mir hat das Spiel an sich zwar nicht besonders gut gefallen, aber das Konzept fand ich schon immer sehr interessant. Man konnte in Städte gehen und mit den Leuten, die dort leben sprechen. Die Atmosphäre war sehr wirksam. Könnten Sie sich vorstellen, dass sich die Serie wieder weiter in diese Richtung entwickelt, vor allem wenn man bedenkt, dass Ihre Interpretation der Castlevania-Serie bereits eine Mischung aus traditionellen Actionspielen und Action-Adventures darstellt?

Koji Igarashi: In der japanischen Fassung von Castlevania 2 waren die Stadtbewohner alle Lügner. Niemand von ihnen hat wirklich die Wahrheit gesagt. Wie war das eigentlich in der übersetzten Fassung des Spiels? Wurde das beibehalten?

Gorillas: Ja, die haben auch in der übersetzten Fassung alle gelogen. Sie haben dem Spieler wirklich verwirrende Dinge erzählt, mit denen man einfach nichts anfangen konnte. Man musste einen Player’s Guide benutzen, um weiterzukommen.

Koji Igarashi: In Japan gab es leider keinen Player’s Guide für das Spiel. Das machte es enorm schwer, durch das Spiel zu kommen, ganz besonders, weil eben alle Figuren gelogen haben. Das Spiel wurde außerdem in Japan für das Famicom Disk System verkauft. Das heißt, wenn man einmal alle Gegner in einem Areal besiegt hatte, waren sie beim nächsten Mal, wenn man dort vorbeikam, wieder da. Ein weiteres großes Problem waren die für damalige Zeiten recht happigen 5 Sekunden Ladezeit zwischen Levelabschnitten. Aus diesem Grund hat Castlevania 2 beim japanischen Publikum keinen sonderlich guten Eindruck hinterlassen. Diese Punkte waren allesamt eine Inspirationsquelle für die Arbeit an Symphony of the Night.

Gorillas: Eine letzte Frage an Sie. Welche Spiele interessieren Sie persönlich? Welche Musik hören Sie zur Entspannung?

Koji Igarashi: Das letzte Spiel, das ich gespielt habe, war New Super Mario Bros, auch ein Side-Scroller. Ich liebe Action-Spiele. Aber am meisten mag ich The Legend of Zelda

Michiru Yamane: Meistens höre ich klassische oder traditionelle Musik. Wenn ich mich entspannen möchte, ist mir allerdings Jazz lieber. Wenn ich auf der Suche nach Inspiration für Spielemusik bin, höre ich mir auch mal Rockmusik an.

Gorillas: Vielen Dank für das Interview.

Verwandte Artikel:

Review: Castlevania - Portrait of Ruin
Review: Castlevania - Dawn of Sorrow
Interview: Yuzo Koshiro 
Konzertbericht: Eröffnungskonzert der GC 2006 

Text Copyright 2006 Peter Clausen, Michael Ecke
Screenshots Copyright Konami

 
< zurück   weiter >
© 2010 www.g-wie-gorilla.de
Joomla! is Free Software released under the GNU/GPL License.