USA 2004Originaltitel: House M.D., Buch: David Shore, Lawrence Kaplow, Thomas L. Moran u.a., Regie: Deran Sarafian, Danial Attias u.a., Musik: Jason Derlatka, Jon Ehrlich, Darsteller: Hugh Laurie, Omar Epps, Robert Sean Leonard, Jesse Spencer, Lisa Edelstein DVD-Preis: 34,95 € Dr. House - Season One (6 DVDs) bei Amazon.de Sendezeit: Dienstags 21.15, RTL Er ist nicht einfach nur ein Zyniker, nein, seine Menschenverachtung geht viel weiter. Mit unglaublichem Scharfsinn durchschaut er seine Mitmenschen und hält ihnen den Spiegel vor, würde nie ein nettes Wort einfach um dessen Willen sagen, sondern lieber mit voller Brutalität die kalte, grausame Wahrheit. Die Rede ist von Dr. Gregory House, genialer Diagnostiker am fiktiven Princeton Plainsboro Krankenhaus und Protagonist der amerikanischen Erfolgsserie House M.D., bzw. der Kurzform House, die in Deutschland als Dr. House erscheint. Creator und Executive Producer David Shore, der sein Hintergrundwissen als Anwalt schon erfolgreich für die Serien Law & Order und Family Law einsetzen konnte, entwickelte House zusammen mit Paul Attanasio. Ein erfolgreiches Konzept, dem ein Emmy für Shore für Outstanding Writing der Episode “Drei Beine / Three Stories” folgte und ein Golden Globe für Schauspieler Laurie. Der begab sich mit seiner Rolle in House auf völlig neue Wege, war der Brite doch früher nur auf humorige Rollen wie in Blackadder festgelegt, besonders zusammen mit Stephen Fry in Jeeves & Wooster und Fry & Laurie. Sein Glück, dass Executive Producer Bryan Singer ihn nicht kannte, ihn aufgrund seines perfekten Akzents sogar für einen Amerikaner hielt. Vieles am Konzept von House kommt bekannt vor: per Computergrafik sieht man das Innere des Patienten, so wie schon bei den CSI-Serien. Und parallel zum ‚Toten der Woche bei’ Six Feet Under startet House auch jedes Mal mit einem ‚Kranken der Woche’. Insgesamt ist der medizinische Teil der Serie sehr gleichbleibend aufgebaut: House übernimmt einen Fall, der alle anderen vor ein Rätsel stellt. Doch gerade die scheinbare Unvereinbarkeit der Symptome ist es, die House überhaupt reizt. Einfache Krankheiten interessieren ihn nicht, er gibt sich nur mit dem Schwierigsten zufrieden und hat als höchstes Ziel, die Krankheit zu identifizieren und zu bekämpfen. Der Tod eines Patienten ist für ihn nur dann inakzeptabel, wenn er vorher nicht herausfinden konnte, was diesem Patienten gefehlt hat. Er handelt nicht aus Nächstenliebe, sondern aus Ehrgeiz. Und seine Mitarbeiter wie auch wir Zuschauer vergeben ihm diese menschlichen Schwächen nur deshalb, weil er einfach immer richtig liegt – sowohl als Diagnostiker wie auch in der Einschätzung unseres menschlichen Verhaltens. 
Hier lässt sich auch die weitere offensichtliche und vor allen Dingen von den Schaffern gewollte Parallelität finden: die Anlehnung an Sherlock Holmes. Abgesehen von Namensähnlichkeiten (Holmes - House, John Watson - James Wilson) und der gleichen Hausnummer (221b) haben beide die Gabe, durch ihre analytischen Fähigkeiten die Fälle aufzudecken, die die andere nicht lösen können. Gleichzeitig sind sie aber auf persönlicher Ebene durchaus gestört: House scheut jeden persönlichen Kontakt zu seinen Patienten und lässt auch sonst niemanden an sich heran. Beide sind arrogant und fühlen sich anderen überlegen. Des Weiteren haben beide Figuren ein Drogenproblem. Während Holmes Kokain und Morphin gegen die Langeweile einnahm, sieht man House ständig bei der Einnahme von Vicodin, einem Schmerzmittel. Grund dafür ist ein herausgenommener Muskel in seinem Bein, weswegen er auch einen Stock zum Gehen braucht. Seine Sucht nach Vicodin gibt er zu, sieht sie aber nicht als Problem, da er ja ‚funktioniere’. Jedoch wird sich dieses Problem noch im Laufe der dritten Staffel, die gerade in den USA läuft, zuspitzen. House’ persönliche Probleme und die seiner Kollegen sind es auch, die die Serie so sehenswert machen. Denn zwischen dem Bekämpfen einer Krankheit läuft viel auf der zwischenmenschlichen Ebene ab – und nichts bleibt unkommentiert durch House selbst. Alle Facetten des amerikanischen Dramas kommen zum Einsatz: unerwiderte Liebe, gescheiterte Beziehungen, verdrängte Probleme. „Jeder Mensch lügt“ sagt House und behält meistens Recht. Glücklich aussehende Paare sind es normalerweise nicht, brave Teenager schon gar nicht. House durchschaut alle und sagt ihnen nie das, was sie hören wollen, sondern das, was die Wahrheit ist. Seiner Mitarbeiterin Dr. Cameron, die Gefühle für ihn entwickelt, wirft er ein Helfersyndrom vor – nur deshalb habe sie ihren krebskranken Freund im College geheiratet und nur deshalb interessiere sie sich jetzt für ihn, da er ‚kaputt’ sei. Neben gehässigen Bemerkungen über das fehlende Liebesleben seiner Chefin, die bröckelnde Ehe seines besten Freundes, die Vater-Beziehung seines Mitarbeiters Dr. Chase und die kurze kleinkriminelle Vergangenheit des Dritten in seinem Team, Dr. Foreman, trifft er dabei nur zu oft ins Schwarze. 
Und hier liegt etwas, was uns Zuschauer fesselt: die Selbstanalyse. Durch die Erkenntnis dessen, was im Leben der Figuren der Serie schief läuft, suchen wir Erkenntnisse über das, was in unserem eigenen Leben nicht funtioniert. Damit werden durch die TV-Dramen sowohl sozial-integrative als auch affektive Funktionen erfüllt. Das detektivische Miträtseln und Mitfiebern ist hier nur ein kleiner Zusatz, ein wenig Spannung und Mystery nebenher. Die komplette erste Staffel auf DVD ist mittlerweile in deutsch erhältlich, die zweite bisher nur in englisch. Während in den USA gerade die dritte Staffel läuft, hat RTL die Ausstrahlung der zweiten Staffel aufgrund von Synchronisationsschwierigkeiten unterbrochen und zeigt nun Wiederholungen (Dienstag, 21.15h). Der Sender selbst sagte dazu, dass es im besten Fall noch im Januar 2007 mit neuen Folgen weiterginge, dass diese Angaben aber ohne Gewähr seien. An den Quoten sollte es nicht liegen, denn in den USA hat House die sehr erfolgreichen Desperate Housewives überholt. Text Copyright 2006 Judith Harbich Poster, Screenshots Copyright Heel & Toe Films Verwandte Artikel: Jeeves and Wooster |