System: PlayStation 3 Japan (2006), Produktion: Yoshiki Okamoto Originaltitel: Genji: Kamui Souran Entwickler: Game Republic Erscheint bei: Sony Computer Entertainment Preis: ca. 70,- € Der Nachfolger von Yoshiki Okamotos kurzem, aber umso spaßigeren Samurai-Actionspiel Genji: Dawn of the Samurai hat einen schweren Stand. Einen sehr schweren Stand. Das Spiel wird nicht nur als Starttitel der dritten PlayStation-Generation von Presse und Spielern geradezu überkritisch beäugt, dank einer mäßig geschickten Präsentation auf einer der letzten E3-Spielemessen ist es unfreiwilliges Opfer nerdiger Internet-Häme und diverser Sticheleien anderer Entwickler - selbst herausragende Titel wie Square Enix Final Fantasy V Advance oder Rares Viva Pinata sind sich nicht zu schade, "giant enemy crabs" deren "weak point" der Spieler für "massive damage" attackiert aufs Korn zu nehmen. Kein einfaches Schicksal für ein simpel-spaßiges Actionspiel. Bevor wir uns aber mit Genji 2 beschäftigen ist ein Blick auf den Vorgänger unabdingbar. Als die erste Genji-Episode 2005 für die PS2 erschien war das Spiel ein echter Geheimtipp für Actionfans - im Gegensatz zum wuchtigen Onimusha war Genji ein leichtfüßiges Actionspektakel mit hervorragender Grafik, butterweicher Spielbarkeit, einem großartigen orchestralen Soundtrack und kleinen, recht unaufdringlichen RPG-Anleihen. Auch wenn der Plot etwas dünn und die Spielzeit vergleichsweise kurz war hatten Actionfans mit dem flinken Yoshitsune und den kräftigen Benkai jede Menge Spaß. Tja, aus dem kleinen Action-Geheimtipp ist inzwischen einer der PS3-Hoffnungsträger geworden, und um es gleich vorwegzunehmen: Teil 1 war besser.
Nun, wo liegt das Problem? Auf den ersten Blick scheint doch alles im Lot zu sein - das Spielprinzip hat sich kaum verändert, die Grafik ist besonders in protzigem HD überaus prächtig und auch auf die im ersten Teil etwas vernachlässigte Handlung wird dieses Mal etwas mehr Wert gelegt. Darüberhinaus hat Game Republic die Anzahl der spielbaren Figuren direkt mal verdoppelt. Aber da haben wir gleich das erste Problem: Während das Spielen als Yoshitsune durchaus spaßig ist steuern sich die anderen Figuren weitaus schlechter. Während Yoshitsune elegant um seine Gegner tänzelt und mit seinen Zwillingsschwertern flotte Schlagkombinationen austeilt fühlen sich die anderen Figuren viel zu behäbig an. War das Spielen mit dem riesigen Benkai in Teil 1 noch extrem spaßig ist der Hüne im zweiten Teil viel zu schwerfällig - mit seinen großen Keulen teilt er zwar ordentlich aus, braucht dafür aber viel zu lange. Schlimmer noch spielt sich die neue Figur Shizuka: Mit ihren rasiermesserscharfen Metallscheiben hat sie eine große Reichweite, aber zu wenige Schlagvariationen. Wenn der Spieler dann gezwungen ist, mit einer anderen Figuren als Yoshitsune zu spielen (was gerne mal vorkommt) sackt der Spielspaß dabei gleich einmal ab. Schade, dass die anderen Figuren nicht das gleiche liebevolle Feintuning wie Yoshitsune genossen haben.
Aber auch ausführliches Feintuning würde nichts am Hauptkritikpunkt von Genji 2 ändern: Die Kameraführung ist leider fast komplett daneben gegangen. Im Prinzip halte ich feste Kameraperspektiven für eine gute Sache - gewitze Entwickler können so herrliche Einstellungen bieten und gleichzeitig dem Spieler die vollkommene Übersicht über das Spielgeschehen bieten. Leider hat das hier... nicht so ganz geklappt. Die Kamera ist grundsätzlich viel zu nah am Geschehen dran. Das sorgt zwar einerseits für sehr hübsche Nahaufnahmen der hervorragend gelungenen Charaktermodelle, macht aber gleichzeitig meist jegliche Übersicht zunichte. Die Entwickler haben versucht, diesem Umstand mit einer eingeblendeten Karte in der rechten oberen Ecke des Bildschirms entgegen zu wirken. Nun, für die normale Navigation durch die Szenarien funktioniert das halbwegs, in den Kämpfen bricht das ganze leider dann endgültig in sich zusammen. Der Spieler wird permanent von Gegnern außerhalb seines Sichtfeldes angegriffen - das ist bei normalen Gegnern bereits sehr lästig und frustrierend, wirklich schlimm wird es allerdings, wenn der Gegner dann noch Bogenschützen ins Feld führt. Der Spieler versucht dann anhand der bereits erwähnten Karte die Positionen den Antagonisten auszumachen - immer klappt das allerdings auch nicht. Und da die prinzipiell toll inszenierten Kämpfe einen Großteil des Spiels ausmachen wird schnell klar, dass hier etwas im Argen liegt.
Das aus dem ersten Teil bekannte Kamui-System bei dem der Held die Zeit verlangsamt und die Attacken der Gegner elegant eine nach der anderen auskontert ist ebenfalls wieder mit von der Partie. Auch dieses Element ist nun komplexer und erfordert oft mehrere verschiedene Knöpfe, spaßiger ist es deswegen aber lange noch nicht - auch hier ist eine gewisse Verschlimmbesserung spürbar. Generell fehlt dem Spiel die lockere Leichtigkeit des Erstlings - wo der durch seine flotte Spielbarkeit beeindruckte wird das Sequel weitaus schwerer und behäbiger. Nicht verschwiegen werden sollen auch die Ladezeiten - die sind jetzt nicht exorbitant lang, allerdings bietet das Spiel die Möglichkeit, ein paar Gigabyte auf die Festplatte der PS3 zu installieren, der Lohn dafür sind dann dramatisch kürzere Ladezeiten. Und eben das hinterlässt einen recht unangenehmen Nachgeschmack, öffnet diese Möglichkeit schlampigen Entwicklern doch Tür und Tor für die Vernachlässigung des so wichtigen Optimierens der Ladezeiten - "wenne Spieler keine Lust auf Ladezeiten hat soller dat Dingen eben auffe Platte packen..." Na vielen Dank auch! Genji: Days of the Blade ist jetzt bei weitem keine Software-Katastrophe, aber das Spiel wird weder den hohen Erwartungen als PS3-Starttitel gerecht, noch kann es mit dem hervorragenden Vorgänger mithalten - protzige 3D-Grafik hin, erweiterter Umfang her, die elementaren Stärken des Erstlings wurden fast durch die Bank weg verschlimmbessert. Wer Lust auf flotte Samurai-Action hat greift zum nach wie vor exzellenten ersten Teil, hier empfehlen wir auf jeden Fall erstmal ausführliches Probespielen. Verwandte Artikel: Interview mit Yoshiki Okamoto Text Copyright Thomas Nickel 2006 Cover, Screenshots Copyright Game Republic |