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Yoshiki Okamoto ist ein echtes Original. Der sympathische Mittvierziger legt weder Wert auf steifes Auftreten, noch auf graue Anzüge – Okamoto taucht auch zu Interviewterminen mit der internationalen Presse gerne in buntigen Hawaii-Hemden auf und gibt auf seiner auch auf englisch geführten Blog-Seite www.okatuku.ciao.jp gerne Einblick in sein Privatleben – ob er seine Tochter zum Studium in die USA verabschiedet, von den jüngsten Eskapaden seines Mops-Hundes Sasuke berichtet, sich diverse japanische Köstlichkeiten einverleibt oder sich mit hohen Microsoft-Tieren trifft, Okamoto lässt den interessierten Fan gerne an seinen Eskapaden teilhaben. Dabei ist er als Spiele-Entwickler nicht minder hochkarätig als ein Yuji Horii (Dragon Quest) oder ein Hideo Kojima (Metal Gear) – war er bei Capcom doch unter anderem verantwortlich für Hits wie Street Fighter 2 oder Devil May Cry! Heute ist er Chef seiner eigenen Firma Game Republic, hatte mit Genji 2 einen der ersten PS3-Titel am Start und wagt auch gerne Mal einen Ausflug in Richtung Brettspiel.
Wir hatten nach dem Release der ersten Genji-Episode die Möglichkeit, den sympathischen Japaner zu interviewen. Nach einem witzigen Zaubertrick mit seinem Kugelschreiber hat er uns folgendes erzählt...
Thomas Nickel: Nachdem Sie Capcom verlassen haben und ihre eigene Firma Game Republic gründeten war Ihr erstes eigenes Spiel Genji: Dawn of the Samurai. Was waren die Gründe dafür? Warum hat Ihr erstes eigenes Spiel diese Samurai-Thematik?
Yoshiki Okamoto: Ich mochte schon immer geschichtliche Themen wie man ja bereits auch an den Onimusha-Spielen sieht. Ich bin ein großer Freund der japanischen Vergangenheit und wollte diese auch einmal dem Rest der Welt etwas näher bringen. Ich hätte natürlich auch andere Möglichkeiten gehabt Spiele zu entwickeln, aber weil ich dieses Thema eben selbst so gerne mag wollte ich auf jeden Fall Genji: Dawn of the Samurai machen. So hatte ich dann auch die Gelegenheit, bestimmte Features zu integrieren die in den Onimusha-Teilen zum Beispiel keinen Platz hatten.

Thomas Nickel: Die Hauptfigur Yoshitsune hat ja einen sehr ungewöhnlichen Kampfstil mit seinen beiden Schwertern. Wie haben Sie diesen entwickelt?
Yoshiki Okamoto: Der Hauptbeweggrund für die Entwicklung von Yoshitsunes Kampfstil ist, dass ich die unterschiedlichen Charaktere des Spiels möglichst stark herausarbeiten wollte. Yoshitsune ist der schnelle, wendige Charakter mit seinen beiden Schwertern, Benkei ist der große, behäbige der lediglich eine besonders mächtige Waffe führen kann. Es gibt einen weiteren Grund, warum Yoshitsune eines seiner beiden Schwerter umgekehrt hält. Auf diese Weise werden seine Bewegungen schöner und flüssiger, wir können seinen Kampfstil auf diese Art weitaus eleganter gestalten. Die verschiedenen Manöver wurden ja von einem Choreographen der bereits an zahlreichen japanischen Samurai-Filmen gearbeitet hat erstellt und er war es, der uns diesen Tipp für Yoshitsunes Kampfstil gab. Ein weiterer Grund für die Form und die Handhabung der Schwerter liegt in der Zeit – Genji: Dawn of the Samurai spielt ja vor etwa 850 Jahren und damals war diese Art von Schwert durchaus üblich.
Thomas Nickel: Also hat Yoshitsunes Technik authentische Wurzeln?
Yoshiki Okamoto: Naja, wir haben den Kampfstil von Yoshitsune natürlich schon etwas zugunsten der Spielbarkeit angepasst.
Thomas Nickel: Jetzt da die Entwicklung von Genji: Dawn of the Samurai abgeschlossen ist, wie zufrieden sind Sie denn mit dem Ergebnis der Arbeit?
Yoshiki Okamoto: Also das Spiel ist natürlich nicht perfekt, es gibt vieles was ich heute noch gerne verbessern würde. Aber ich stehe auf jeden Fall zu 100% hinter dem Spiel. Ich habe alles hineingesteckt was ging.
Thomas Nickel: Sie entwickeln ja mittlerweile seit mehr als 20 Jahren Videospiele... Was ist denn ihrer Meinung nach das bedeutendste Projekt an dem Sie bisher gearbeitet haben?
Yoshiki Okamoto: Genji! Eindeutig Genji! Ich hätte kein Problem damit, wenn die Leute meine alten Spiele vergessen würden – für mich ist Genji das wichtigste Projekt.
Thomas Nickel: Das erste was an mir Genji auffällt ist die extrem schöne Grafik...
Yoshiki Okamoto: Das damalige Japan war meiner Meinung nach sehr, sehr schön und das wollten wir mit Genji zeigen – die Natur, die Gebäude...
Thomas Nickel: Gerade die vielen Details in den Szenarien wie dem Wald zu Beginn des Spiels sind sehr beeindruckend. Wie viele Leute haben an dieser detaillierten Optik gearbeitet?
Yoshiki Okamoto: In meiner Firma Game Republic waren etwa 50 Leute für die tatsächliche Programmierung des Spiels zuständig. Aber wenn man dann alle Beteiligten wie zB auch die Musiker oder die Synchronsprecher dazu rechnet habenin den eineinhalb Entwicklungsjahren gut 250 Menschen zu der Entwicklung von Genji beigetragen.
Thomas Nickel: Im Westen haben Spiele mit Samurai-Thematik einen schweren Stand. Warum soll ein Spieler in Europa Genji kaufen und nicht GTA? Was zeichnet Genji Ihrer Meinung nach aus?
Yoshiki Okamoto: Also ich denke was Genji ausmacht ist beispielsweise die gute Spielbalance und die exakte, aber trotzdem einfache Steuerung. Auch weniger erfahrene Spieler werden damit schnell zurechtkommen und Erfolgserlebnisse haben. Und natürlich transportiert Genji auch ein Stück Japan und japanischer Kultur das ich dem Spieler im Westen gerne näher bringen möchte. Aber ich hoffe einfach einmal, dass Genji durch seine gute Spielbarkeit generell eine breite Masse an Spielern ansprechen wird.
Thomas Nickel: Genji hat gerade mit seiner sehr ausdrucksstarken Farbgebung ein ziemlich cineastisches Element. Wer sind denn in dieser Hinsicht ihre Vorbilder? Und haben sie andere Vorbilder in der Spiele-Entwicklung?
Yoshiki Okamoto: Für Genji haben mich vor allem zwei chinesische Filme sehr stark beeinflusst –das waren Hero und House of the Flying Daggers von Zhang Yimou. Gerade die kräftigen Farben spielen in diesen Filmen ja eine sehr große Rolle. Die Filme waren im Bezug auf die Gebäude und Farbgebung für die Entwicklung von Genji sehr wichtig. Beim eigentlichen Spieldesign habe ich natürlich einige japanische Vorbilder – zum Beispiel Shigeru Miyamoto von Nintendo oder Yuji Horii von Square Enix um nur einmal zwei Namen zu nennen. Thomas Nickel: Da die Zeit schon wieder rum ist bedanke ich mich herzlich für das Gespräch. Verwante Artikel: Review: Genji - Days of the Blade Text Copyright Thomas Nickel 2006 Screenshots, Bilder Copyright Game Republic, Yoshiki Okamoto |